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Montag, der 8. Oktober 2001, 12:41 Uhr
Name: Steffen(firm.Schiemann)
E-Mail: kornfactory@hotmail.com
Homepage: hab ich nicht!!

Moin Christian!
Gute Seite, obwohl ich von den Themen nicht viel Ahnung habe. wenn ich mir hier alles durchgelesen habe, denn weiß ich bestimmt besser bescheid. (das dauert aber noch) naja, hau rein!

SlipKnot, KoRn, Coal Chamber, Machine Head, System of a down, Soulfly , Static X , Sepultura , Deftones.....ruleZ!!!

maGGot 4ever!

Donnerstag, der 4. Oktober 2001, 17:52 Uhr
Name: humania
E-Mail: leider keine
Homepage: noch nicht

Halli hallo hallöle, nur mal ein Lob an eure seite sie hat mir sehr bei den hausaufgaben geholfen!
Danke und bis zum nächsten mal!
Eure Humania

Donnerstag, der 4. Oktober 2001, 10:24 Uhr
Name: kritischer Leser
E-Mail: keine E-Mail
Homepage: keine Homepage

11.09.01:Hatte Bush die Hosen voll?

Das Weiße Haus log über die Bedrohung der Präsidentenmaschine

Noch während des Terrorangriffs auf das WTC und das Pentagon hatte Bush jr. nichts eiliger zu tun als auf seinen atomaren Befehlsstand in Nebraska zu flüchten. Begründet wurde dies mit zweifelhaften Argumenten einer direkten Bedrohung. Hier ein Bericht dazu:

Die angebliche terroristische Bedrohung der Präsidentenmaschine Air Force One, die vom Weißen Haus als Grund für die Abwesenheit des Präsidenten aus Washington für den größten Teil des 11. September angeführt wurde, hat sich als Lüge entpuppt. Berichten von CBS News und der Washington Post zufolge haben Beamte des Weißen Hauses zugegeben, dass der Secret Service keinen Telefonanruf erhalten hat, in dem eine direkte Drohung gegen die Präsidentenmaschine ausgesprochen wurde. Diese Kehrtwende der Regierung ist in den Medien weitgehend ignoriert worden.

Unmittelbar nach den Terrorattacken auf das World Trade Center und das Pentagon wurde Bushs Reiseroute in politischen Kreisen und den Medien zum Gegenstand einer Kontroverse. Als das ganze Ausmaß der Zerstörungen in New York und Washington allmählich deutlich wurde, unbestätigte Berichte über eine Autobombe vor dem Außenministerium die Runde machten und weitere Entführungen befürchtet wurden, hatte der Geheimdienst Bush, der bei Tagesanbruch in Florida war, von einem Militärstützpunkt zum nächsten verfrachtet.

Blass und tief getroffen zeichnete er in einem unterirdischen Bunker auf einem Luftwaffenstützpunkt in Louisiana eine kurze Botschaft auf Band auf. Mehrere Stunden später, als schon keine nicht-militärischen Flugzeuge mehr im amerikanischen Luftraum verkehrten, wurde Bush zu einer weiteren befestigten Örtlichkeit geschafft, dem Hauptquartier des strategischen Luftkommandos in Nebraska. Der Präsident kehrte nicht vor 19 Uhr nach Washington zurück, fast zehn Stunden nach dem ersten Angriff.

Die späte Rückkehr Bushs nach Washington traf sogar innerhalb der republikanischen Partei auf deutliche Kritik. Angesichts eines massiven Angriffs auf amerikanische Zivilisten, der Zerstörung eines Symbols der amerikanischen Finanzmacht und der teilweisen Zerstörung des Nervenzentrums der amerikanischen Militärmacht erschien der amerikanischen Staats- und Wirtschaftselite jeder Anschein von Unentschlossenheit oder Panik beim Präsidenten nicht akzeptabel.

Der Kolumnist der New York Times, William Safire, ein ehemaliger Berater Richard Nixons und eine feste Größe in der republikanischen Partei, stellte die Vermutung an, dass Bush in den ersten Stunden der Krise in Panik geraten sei und nahezu seinen Posten verlassen habe. In einem Kommentar vom 12. September schrieb Safire: "Selbst in den ersten schrecklichen Momenten war nie der Eindruck eines Atomangriffs einer ausländischen Macht entstanden. Bush hätte darauf bestehen müssen, sofort nach Washington zurückgebracht zu werden, um von einem sicheren Ort in der Nähe des Weißen Hauses aus live und ruhig auf Sendung zu gehen."

Von solcher Kritik aufgeschreckt, arbeiteten Bushs Chefstratege Karl Rove und andere hohe Mitglieder der Regierung fieberhaft daran, das politische, wirtschaftliche und militärische Establishment zu beruhigen und Bushs Autorität bei der Bevölkerung insgesamt wieder herzustellen. Am Nachmittag des 12. September brachten Associated Press und Reuters Berichte, die in den Medien breiten Raum fanden und der Kritik an Bushs Verhalten vom Vortag die Spitze nehmen sollten. Sie zitierten einen Sprecher des Weißen Hauses mit den Worten: "Es gab handfeste und glaubwürdige Informationen, dass das Weiße Haus und die Air Force One das Ziel terroristischer Angriffe waren und dass das Flugzeug, das ins Pentagon raste, eigentlich das Weiße Haus treffen sollte." Der Pressesprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, wiederholte diese Behauptung bei einem Pressegespräch am Nachmittag des gleichen Tages, als er sagte, der Geheimdienst habe "konkrete und glaubwürdige Informationen" gehabt, dass das Weiße Haus und die Air Force One potentielle Ziele gewesen seien.

In einer weiteren Kolumne in der New York Times vom 13. September mit dem Titel "Im Bunker" beschrieb Safire eine Unterhaltung mit einem nicht genannten "hohen Beamten im Weißen Haus", der ihm gesagt habe: "Eine Drohung, die Air Force One sei als nächste dran, die der Secret Service erhalten hatte, wurde an die Agenten, in deren Obhut sich der Präsident befand, weitergeleitet." Safire fuhr fort. "Dieser Quelle zufolge wurden amerikanische Codewörter benutzt, die auf eine Kenntnis interner Prozeduren hinweisen und die Drohung glaubwürdig machten."

Safire berichtete, dass diese Information von Rove bestätigt wurde, der ihm gesagt habe, dass Bush nach Washington zurückkehren wollte, aber vom Geheimdienst informiert worden sei, "dass die Drohung in einer Sprache verfasst ist, die beweist, dass die Terroristen seine Prozeduren und seinen Aufenthaltsort kennen".

Zwei Wochen nach diesen erstaunlichen Behauptungen hat die Regierung so gut wie zugegeben, dass sie die ganze Geschichte erfunden hat. Die CBS Evening News berichteten am 25. September, dass der Anruf "schlicht und einfach nicht stattgefunden hat".

Die Tatsache, dass hohe Beamte in Zeiten einer außerordentlichen Krise und großer öffentlicher Besorgnis logen, um das Ansehen des Präsidenten zu schützen, ist von großer politischer Bedeutung. Wenn das Weiße Haus 24 Stunden nach den Terrorangriffen Desinformationen streute und die amerikanische Öffentlichkeit und die Weltmeinung täuschte, dann kann keine Verlautbarung, die die Regierung seit dem 11. September geäußert hat, für bare Münze genommen werden.

Wenn Bush über seine Aktivitäten am Tag des Angriffs log, warum sollte man dann annehmen, dass er nicht auch über die Untersuchung der Regierung, die Identität der Täter, die Motive und Ziele der amerikanischen Kriegsvorbereitungen und die Absichten und das Ausmaß der erweiterten Polizeibefugnisse gelogen hat, die seine Regierung verlangt, um noch mehr abzuhören, zu durchsuchen, zu beschlagnahmen und Verdächtige festzuhalten?

Die gesamte Episode sollte für die amerikanische Bevölkerung Grund genug sein, allen Verlautbarungen der Regierung mit äußerstem Misstrauen zu begegnen und keine ihrer Behauptungen ohne unabhängige und verifizierbare Bestätigung zu akzeptieren.

Die Doppelzüngigkeit der Regierung ist umso bedeutsamer, als die Bush-Regierung die Position einnimmt, die Menschen in den USA und weltweit müssten auf gut Glauben akzeptieren, dass Osama bin Laden und sein Al Quaeda Netzwerk für die Angriffe verantwortlich seien, und dass die islamisch-fundamentalistische Taliban-Regierung in Afghanistan eine direkte Verantwortung trage, weil sie bin Laden beherberge.

Es ist durchaus möglich, dass bin Laden an den schrecklichen Taten vom 11. September beteiligt war. Bis heute hat die Bush-Regierung jedoch noch keinen Beweis dafür vorgelegt und hat offenbar auch nicht die Absicht, es zu tun. Stattdessen verlangt die Regierung, dass die amerikanische Bevölkerung ihr blind vertraut und einen Blankoscheck für einen Krieg und die Einschränkung von Bürgerrechten ausstellt.

Die erfundene Air Force One Geschichte stellt nicht nur die doppelbödigen Methoden der Bush-Regierung bloß, sondern unterstreicht auch die Schamlosigkeit und Komplizenschaft der Medien. Als das Weiße Haus die Geschichte von einer telefonischen Terrordrohung gegen das Flugzeug des Präsidenten auftischte, wiederholten die Medien sie mit dicken Balkenüberschriften und angsteinflößenden Sequenzen in den Abendnachrichten. Die Medien funktionierten, wie während der ganzen Krise, unverhohlen als Propagandaabteilung der Regierung.

Aber als das Weiße Haus zwei Wochen später von der Geschichte abrückte, berichteten die meisten Kanäle, ebenso wie führende Zeitungen wie die New York Times, überhaupt nicht darüber. Die Washington Post ihrerseits versteckte die Kehrtwende der Regierung auf ihren Innenseiten. Kein Nachrichtenorgan griff dieses inkriminierende Eingeständnis wirklich auf oder diskutierte seine tiefere Bedeutung.

Schon lange vor dem offiziellen Rückzug war im Washingtoner Pressecorps bekannt, dass die Regierung die Air Force One Geschichte erfunden hatte. In ihrer Kolumne vom 23. September in der New York Times merkte Maureen Dowd an, dass Karl Rove "in der Stadt herumtelefoniert hatte, um den Reportern die - inzwischen weithin diskreditierte - Geschichte zu verkaufen, dass Mr. Bush am 11. September deswegen nicht sofort nach Washington zurückgekehrt sei, weil das Flugzeug, das auf das Pentagon zuflog, möglicherweise das Weiße Haus im Visier gehabt habe, und dass auch die Air Force One bedroht gewesen sei." (Hervorhebung hinzugefügt)

Dowd und ihre Kollegen waren der Ansicht, dass die Regierung log, die Öffentlichkeit hatte aber keine Möglichkeit zu erfahren, dass die Geschichte nicht glaubhaft war, weil die Nachrichtenmedien sich weigerten, sie offen in Zweifel zu ziehen.

Es könnte noch einen weiteren Grund für das Schweigen der Presse geben. Die Geschichte, die am 12. September von Rove, Fleischer und anderen Beamten des Weißen Hauses verbreitet wurde, wirft Fragen auf, die noch weit explosiver und potentiell gefährlicher sind als Bushs schwächliches Verhalten am 11. September.

Safire wies in seiner Kolumne vom 13. September in der New York Times auf eine solche Frage hin. Bezug nehmend auf die Behauptung des Weißen Hauses, die Terroristen hätten über geheime Informationen über die Air Force One verfügt, fragt Safire: "Wie kamen sie an die verschlüsselten Informationen und an das Übertragungs-Know-how, das ihnen ihr arglistiges Eindringen ermöglichte? Die Kenntnis der Verschlüsselungscodes, des Aufenthaltsorts des Präsidenten und geheimer Notfallpläne weist darauf hin, dass die Terroristen einen Maulwurf im Weißen Haus gehabt haben könnten - oder Informanten beim Geheimdienst, dem FBI, der FAA oder der CIA."

Safires völlig berechtigte Frage, wie angebliche Terroristen Kenntnis von solch streng geheimen und sensitiven Informationen erlangt haben sollen, war weder von den Medien aufgegriffen worden, noch hatte sich die Regierung dazu geäußert.

Sollte tatsächlich ein solcher Anruf stattgefunden haben, dann ergäbe sich daraus eine weitere Theorie über den Kontakt zwischen den Terroristen und der einen oder anderen staatlichen Stelle, die mindestens so plausibel wäre wie die von Safire erwähnte: dass der Anruf keine Drohung war, sondern die Warnung eines Informanten der Regierung, der Kenntnis von den Plänen und Aktivitäten der Terroristen hatte.

Sonntag, der 30. September 2001, 15:34 Uhr
Name: Tatjana
E-Mail: tatjana@ingold.ch
Homepage: http://tatjana.ingold.ch

Interessante Homepage habt Ihr da gemacht... interessant fand ich vor allem die Kritik an der sogenannten "Demokratie" der USA hinsichtilich des letzten Bush-Wahl-Eklats.

Auch Euer kleines Religions- und Sektenlexikon verdient Aufmerksamkeit, wobei letzteres durchaus noch etwas ausgeweitet werden könnte.
Gruss aus der Schweiz
Tatjana

Sonntag, der 30. September 2001, 01:59 Uhr
Name: Manfred
E-Mail: manfred@oppdehipt.de
Homepage: www.oppdehipt.de

Keiner mag die Taliban...und warum? Nur weil sie Ladenhüter sind...

Nein, nur nicht zynisch werden. Erstaunlich finde ich, dass ich schon vor etlichen Jahren gesagt habe, wenn die Taliban die macht haben, sieht es in Afghanistan schlimmer aus als im Iran. Wollte kaum einer glauben....

Auf meine Argumente bezüglich der sogenannten Demokratie in USA musste ich mich als Kommunisten (!) beschimpfen lassen. Gerade ich....

Wenn ich als schlichter, unstudierter Mensch Zusammenhänge erkennen kann: wieso nutzen die Menschen die Informationen anscheinend nicht?

Und wieder bin ich da, worüber ich mich schon vor 20 Jahren aufgeregt habe: Der Mangel an Bildung.

Ob das System ist? Wir als 15 Jährige Mitte der 1970er waren ziemlich politisiert; Ab spätestens Mitte der 80er hat anscheinend selbstständiges denekn aufgehört.... Woran liegts?

nachdenkliche Grüße
Manfred

Freitag, der 28. September 2001, 16:38 Uhr
Name: Klaus
E-Mail: Klaus.Prinz@Sophtware.de
Homepage: keine Homepage

Hallo,

auf der Suche nach einem Forum, in dem nicht beleidigt, gepöbelt und polarisiert wird, bin ich auf humanist.de gestoßen und angenehm überrascht. Es ist schön zu sehen, dass es auch so geht.

Ich frage mich jedoch, weshalb das Gästebuch zum Diskussionsforum geworden ist.

Viele Grüße
Klaus

Freitag, der 28. September 2001, 10:48 Uhr
Name: EMÖ
E-Mail: moeller@scireview.de
Homepage: keine Homepage

Keine Ahnung aber, ob das in Afghanistan wiederholbar waere, da schon religioes bedingt der Ami praktisch den Satan verkoerpert!?

Ich tendiere zu der Auffassung, dass das Verhalten der Mehrheit eine reine Frage der Mediendominanz ist. Mit anderen Worten: Nach genügend Propaganda (bzw. dem Fehlen von Anti-US-Propaganda) werden die Afghanen auch zu McDonalds gehen. Es hat schon seine Gründe, dass die Taliban die Männer fünfmal am Tag zum Gebet zwingen – der beste Weg, ohne Massenmedien Kontrolle zu erreichen. Sicher wird Afghanistan auf absehbare Zeit immer Probleme mit radikalen Fanatikern haben. Die gibt's aber auch zum Überfluss in den USA.

Freitag, der 28. September 2001, 07:17 Uhr
Name: Herbert Ferstl
E-Mail: keine E-Mail
Homepage: keine Homepage

Hi Erik,

Deinen Aussagen kann ich voll zustimmen, insbesondere:

Es ist aber richtig, dass, wenn es denn zur Befreiung von Afghanistan kommt, die Gefahr besteht, dass die Nachfolgeregierung nicht viel besser wird...

Die von Dir genannten Punkte waeren ebenso ein gutes Rahmenprogramm. Doch ich befuerchte, dass auslaendische Staaten (primaer die USA) dort eben selten selbstlos helfen (siehe Multis).

...und den USA das egal ist, solange sie nur proamerikanisch ist.

Das war und ist stets das Entscheidende und macht das westliche Geschrei um Menschenrechte, Freiheit, etc. zum Bla-Bla-Bla.

Mit der Niederwerfung des faschistischen Regimes 1945 im Deutschen Reich erzielte man eben auch nur einen Schritt. Was folgte war eine Amerikanisierung und Uebernahme deren (Konsum-)Werte, was den Menschen jedoch Alternativen und neue Weltbilder brachte. Der neue Wohlstand tat ein Uebriges.
Keine Ahnung aber, ob das in Afghanistan wiederholbar waere, da schon religioes bedingt der Ami praktisch den Satan verkoerpert!?

mfg
Herbert

Freitag, der 28. September 2001, 05:48 Uhr
Name: EMÖ
E-Mail: moeller@scireview.de
Homepage: keine Homepage

Hallo Herbert,

mein Posting damals bezog sich, glaube ich, auf die Anwendung von Gewalt zur Veränderung der innenpolitischen Verhältnisse. Das ist kein guter Vergleich mit der Situation in Afghanistan. Wir leben nicht in einer Diktatur, könnten aber zu einer werden, wenn eine Minderheit mit Gewalt versuchen würde, an den Machtverhältnissen zu rütteln. Afghanistan ist die derzeit wohl brutalste und primitivste Diktatur auf Erden, und wenn man dort eine Veränderung erreichen will, muss man zunächst die Machthaber loswerden. Darum bitten uns ja auch praktisch alle Menschen dort, die mit uns reden können.

Dass dies allein nicht zu einer Veränderung des Weltbildes beitragen wird, da stimme ich Dir völlig zu. Aber die Befriedung Afghanistans muss in mehreren Stufen ablaufen:

1.) Militärische oder revolutionäre Befreiung
2.) Einrichtung einer provisorischen Regierung - Abschaffung aller Extremgesetze der Taliban
3.) Ausreichende Versorgung mit Wasser, Medizin, Grundnahrungsmitteln..
4.) Schutz der Bevölkerung vor Übergriffen
5.) Wiederaufbau von Schulen, Krankenhäusern usw.
6.) Aufbau einer neuen Kommunikationsinfrastruktur / Medien
7.) Verbreitung säkularer Literatur / Filme, Verabschiedung "westlicher" Gesetze
8.) Demokratische Neuwahlen
9.) Weitere wirtschaftliche und politische Stabilisierung des Landes

Stufe 1 ist natürlich immer eine sehr heikle. Das ist ähnlich wie in Deutschland nach dem II. Weltkrieg. Dort hätte man auch keine Veränderung erreicht, ohne Hitler und seine Mannen zu stürzen, denn sie hätten jede intellektuelle Bewegung im Keim erstickt. Oder nimm die SU unter Stalin: Vor seinem Tod war kaum eine Verbesserung des Situation möglich. Der Unterschied: Bei den Taliban weiß man nicht, welchen Führer man umlegen sollte, denn die sind alle gleich bescheuert.

Auf der anderen Seite werden Menschenrechtsverletzungen natürlich auch als Vorwand genutzt. Ich bin aber der Meinung, dass z.B., wenn die Vorwürfe gegen Milosevic gestimmt hätten, auch hier ein militärischer Einsatz gerechtfertigt gewesen wäre – sie stimmten aber eben nicht, und das war dank des Internet schon von Anfang an klar.

Es ist aber richtig, dass, wenn es denn zur Befreiung von Afghanistan kommt, die Gefahr besteht, dass die Nachfolgeregierung nicht viel besser wird und den USA das egal ist, solange sie nur proamerikanisch ist.

Freitag, der 28. September 2001, 01:38 Uhr
Name: Herbert Ferstl
E-Mail: keine E-Mail
Homepage: keine Homepage

Hi Erik,

Ich unterstütze alle sinnvollen Ansätze, die Taliban abzuservieren, auch militärischer Art,...

Auch Einspruch! :-))

Ich entsann mich meines Postings in www.atheismus.de vom 14.12.1998:

"Hallo Erik, bezugnehmend auf Deine Mail vom 20.11.1998 (Gehirnwaesche) stimme ich Dir inhaltlich voellig zu. Bei der Umsetzung allerdings bin ich anderer Meinung. Positive und langfristig anhaltende Aenderungen in der Geschichte der Menschheit wurden fast(leider) nur durch "Herbeibomben" erreicht (dies ist jedoch kein Aufruf zur Gewalt).

Deine fuer mich verbindliche und sehr zum Nachdenken anregende Antwort am 16.12.1998 war:
"Hallo Herbert,
Gewalt ist kontraproduktiv. Das hat mehrere Gruende. Zum einen sind diejenigen, die zu gesellschaftlicher Um- und Neugestaltung bereit und in der Lage sind, fuer gewoehnlich nicht deckungsgleich mit denen, die zur Anwendung von Gewalt nicht nur zur Selbstverteidigung bereit sind. Im Gegenteil, Gewalttaetige sind oft auch wertekonservativ und leidenschaftsunfaehig (die neurophysiologischen und kulturellen Ursachen hierfuer sind auf meiner Origins of Violence Seite nachzulesen). Eine Gesellschaft, die auf einem gewaltsamen Umsturz begruendet ist, wird es schwer haben, alte Denkstrukturen durch neue zu ersetzen. Des weiteren sind die momentanen gesellschaftlichen Machtverhaeltnisse so, dass jeglicher revolutionaere Aufstand blutig niedergeschlagen wuerde. Hierzu wuerden die entsprechenden Gruppen kriminalisiert und Notstandsgesetze binnen Kuerze realisiert. Die Folge waere bestenfalls der Verlust elementarer Buergerrechte, schlimmstenfalls der erneute Absturz in eine brutale Diktatur. Man mag von der jetzigen Demokratie halten, was man will, aber sie ist immer noch um Groessenordnungen besser als ein pseudodemokratisches oder offen repressives Regime. Veraenderungen sind nur durch Aufklaerung moeglich."

Ich stimme Dir zu und deshalb sehe ich keine langfristigen Optionen, mit militaerischer Art einen fundamentalen Wechsel der konditionierten Weltbilder zu erreichen.

mfg
Herbert

Donnerstag, der 27. September 2001, 17:15 Uhr
Name: Heike
E-Mail: keine E-Mail
Homepage: keine Homepage

Nachtrag:
Wer sich unter den von EMÖ erwähnten Burkas nichts vorstellen kann: bei www.n-tv.de ist eine Bildergaleria mit Aufnahmen von Afghanistan. Dort findet man auch Frauen in diesem menschenunwürdigen Kleidungsstück.

Donnerstag, der 27. September 2001, 17:10 Uhr
Name: Heike
E-Mail: keine E-Mail
Homepage: keine Homepage

>Wenn von der Situation der Frauen die Rede ist, wird oft einfach eine Frau im Kopftuch als Beispiel gezeigt, selten die alles verhüllenden Burkas, die Frauen jede Menschlichkeit nehmen sollen. >

Doch, in letzter Zeit war dies Bild oft im Fernsehen zu sehen... und ich bin entsetzt, dass es gestern schon wieder hieß, wenn die Taliban Ben Laden ausliefern, würden sie finanzielle Hilfen erhalten. Dieses Regime muss endlich mehr Widerstand erhalten. Alle anderen, die als Gottesstaat geführt werden allerdings auch, z.B. Saudi-Arabien, Sudan.

Donnerstag, der 27. September 2001, 14:00 Uhr
Name: EMÖ
E-Mail: moeller@scireview.de
Homepage: keine Homepage

Herbert:

Diese Problematik kauen uns doch taeglich die Medien vor. Sorry - in dieses Horn brauchen wir nicht auch noch zu stossen.

Einspruch. Was bisher in den Medien über die Taliban gebracht wurde, ist weitestgehend unbrauchbar und vor allem zu wenig. Selbst CNN haben in ihrem "Afghanistan in Pictures" Bericht nach den Angriffen kaum blutige Bilder gezeigt, während in Wirklichkeit dort täglich Menschen hingerichtet, verstümmelt (einige Bilder zeigen Taliban mit den abgehackten Körperteilen ihrer Gegner) und gequält werden. Erschießungen finden wie bei den Nazis nur aus Spaß statt. Man stelle sich vor, solche Bilder hätte es in Serbien gegeben – Scharping hätte bei der Pressekonferenz einen Orgasmus gekriegt.

Wenn von der Situation der Frauen die Rede ist, wird oft einfach eine Frau im Kopftuch als Beispiel gezeigt, selten die alles verhüllenden Burkas, die Frauen jede Menschlichkeit nehmen sollen. Die Kennzeichnung von Ungläubigen wurde im Westen schöngeredet. Die Buddha-Statuen wurden oft nur in unbrauchbaren Aufnahmen gezeigt, und einige weitere wunderschöne Tempel, die zerstört wurden, gar nicht. Mit postmodernem Relativismus reden auch jetzt Pseudo-Intellektuelle davon, dass ein Eingreifen die "Souveränität" der Taliban verletzen würde. Das ist Quatsch.

Vor dem 11. September hat der Westen bei Afghanistan weggeschaut, und es sieht immer noch so aus, als hätten die Taliban ein paar Freunde bei uns. Insofern bin ich schon der Meinung, dass das für uns ein Thema sein muss. Ich unterstütze alle sinnvollen Ansätze, die Taliban abzuservieren, auch militärischer Art, auch wenn natürlich die Ursachen für ihre Machtergreifung endlich zu verstehen und zu berichten sind (und auch wenn man sie nur deshalb loswerden will, weil sie den Machtinteressen nun im Wege stehen). Wie ich aber betonen muss: Ein Feuer, das man selbst anzündet, sollte man auch wieder löschen – und nicht anschließend mit dem Verweis auf staatliche Souveränität lodern lassen.

- -

Maud, der Vergleich Schill war ein relativer, ich halte ihn in dieser Form durchaus für akkurat. Schill ist gegen Todesstrafe, für Legalität der Prostitution und in begrenztem Maße auch für kontrollierte Drogenabgabe - Ansichten, für die man in den USA als "treehugger", "commie", "pinkie" oder "socialist" bezeichnet würde. Was Schill nach unseren Maßstäben ist, habe ich ja geschrieben.

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