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Sonntag, der 15. August 1999, 19:05 Uhr
Name: Der wahre Humanismus
E-Mail: iae@zika.co.at
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arl Marx, Friedrich Engels

Manifest der Kommunistischen Partei

Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus. Alle Mächte des alten Europa
haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, der Papst und der Zar,
Metternich und Guizot, französische Radikale und deutsche Polizisten.

Wo ist die Oppostitionspartei, die nicht von ihren regierenden Gegnern als kommunistisch verschrien
worden wäre, wo die Oppositionspartei, die der fortgeschritteneren Oppositionsleuten sowohl wie
ihren reaktionären Gegnern den brandmarkenden Vorwurf des Kommunismus nicht zurüc
kgeschleudert hätte?

Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor.

Der Kommunismus wird bereits von allen europäischen Mächten als eine Macht anerkannt.

Es ist hohe Zeit, daß die Kommunisten ihre Anschauungsweise, ihre Zwecke, ihre Tendenzen vor
der ganzen Welt offen darlegen und dem Märchen vom Gespenst des Kommunismus ein Manifest
der Partei selbst entgegenstellen.

Zu diesem Zweck haben sich Kommunisten der verschiedensten Nationalität in London versammelt
und das folgende Manifest entworfen, das in englischer, französischer, deutscher, italienischer, fläm
ischer und dänischer Sprache veröffentlicht wird.

I Bourgeois und Proletarier

Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.

Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener, Zunftbürger und Gesell, kurz,
Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen
ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer
revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang
der kämpfenden Klassen.

In den früheren Epochen der Geschichte finden wir fast überall eine vollständige Gliederung der
Gesellschaft in verschiedene Stände, eine mannigfaltige Abstufung der gesellschaftlichen Stellungen.
Im alten Rom haben wir Patrizier, Ritter, Plebejer, Sklaven; im Mittelalter Feudalherren, Vasallen,
Zunftbürger, Gesellen, Leibeigene, und noch dazu in fast jeder dieser Klassen wieder besondere
Abstufungen.

Die aus dem Untergang der feudalen Gesellschaft hervorgegangene moderne bürgerliche
Gesellschaft hat die Klassengegensätze nicht aufgehoben. Sie hat nur neue Klassen, neue
Bedingungen der Unterdrückung, neue Gestaltungen des Kampfes an die Stelle der alten gesetzt.

Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich jedoch dadurch aus, daß sie die
Klassengegensätze vereinfacht hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große
feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und
Proletariat.

Aus den Leibeigenen des Mittelalters gingen die Pfahlbürger der ersten Städte hervor; aus dieser
Pfahlbürgerschaft entwickelten sich die ersten Elemente der Bourgeoisie.

Die Entdeckung Amerikas, die Umschiffung Afrikas schufen der aufkommenden Bourgeoisie ein
neues Terrain. Der ostindische und chinesische Markt, die Kolonisierung von Amerika, der
Austausch mit den Kolonien, die Vermehrung der Tauschmittel und der Waren überhaupt gaben
dem Handel, der Schiffahrt, der Industrie einen nie gekannten Aufschwung und damit dem revolution
ären Element in der zerfallenden feudalen Gesellschaft eine rasche Entwicklung.

Die bisherige feudale oder zünftige Betriebsweise der Industrie reichte nicht mehr aus für den mit
neuen Märkten anwachsenden Bedarf. Die Manufaktur trat an ihre Stelle. Die Zunftmeister wurden
verdrängt durch den industriellen Mittelstand; die Teilung der Arbeit zwischen den verschiedenen
Korporationen verschwand vor der Teilung der Arbeit in der einzelnen Werkstatt selbst.

Aber immer wuchsen die Märkte, immer stieg der Bedarf. Auch die Manufaktur reichte nicht mehr
aus. Da revolutionierte der Dampf und die Maschinerie die industrielle Produktion. An die Stelle der
Manufaktur trat die moderne große Industrie, an die Stelle des industriellen Mittelstandes traten die
industriellen Millionäre, die Chefs ganzer industrieller Armeen, die modernen Bourgeois.

Die große Industrie hat den Weltmarkt hergestellt, den die Entdeckung Amerikas vorbereitete. Der
Weltmarkt hat dem Handel, der Schiffahrt, den Landkommunikationen eine unermeßliche
Entwicklung gegeben. Diese hat wieder auf die Ausdehnung der Industrie zurückgewirkt, und in
demselben Maße, worin Industrie, Handel, Schiffahrt, Eisenbahnen sich ausdehnten, in demselben
Maße entwickelte sich die Bourgeoisie, vermehrte sie ihre Kapitalien, drängte sie alle vom Mittelalter
her überlieferten Klassen in den Hintergrund.

Wir sehen also, wie die moderne Bourgeoisie selbst das Produkt eines langen Entwicklungsganges,
einer Reihe von Umwälzungen in der Produktions- und Verkehrsweise ist.

Jede dieser Entwicklungsstufen der Bourgeoisie war begleitet von einem entsprechenden politischen
Fortschritt. Unterdrückter Stand unter der Herrschaft der Feudalherren, bewaffnete und sich selbst
verwaltende Assoziation in der Kommune, hier unabhängige städtische Republik, dort dritter
steuerpflichtiger Stand der Monarchie, dann zur Zeit der Manufaktur Gegengewicht gegen den Adel
in der ständischen oder in der absoluten Monarchie, Hauptgrundlage der großen Monarchien
überhaupt, erkämpfte sie sich endlich seit der Herstellung der großen Industdie und des
Weltmarktes im modernen Repräsentativstaat die ausschließliche politische Herrschaft. Die moderne
Staatsgewalt ist nur ein Ausschuß, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse
verwaltet.

Die Bourgeoisie hat in der Geschichte eine höchst revolutionäre Rolle gespielt.

Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen
Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natür
lichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und
Mensch übriggelasssen als das nackte Interesse, als die gefühllose ,,bare Zahlung''. Sie hat die
heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen
Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt. Sie hat die persönliche Würde
in den Tauschwert aufgelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieftfen und wohlerworbenen
Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der
mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämtel, direkte, dür
re Ausbeutung gesetzt.

Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Scheu betrachteten Tätigkeiten ihres
Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poetenl, den Mann der
Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt.

Die Bourgeoisie hat dem Familienverhältnis seinen rührend-sentimentalen Schleier abgerissen und es
auf ein reines Geldverhältnis zurückgeführt.

Die Bourgeoisie hat enthüllt, wie die brutale Kraftäußerung, die die Reaktion so sehr am Mittelalter
bewundert, in der trägsten Bärenhäuterei ihre passende Ergänzung fand. Erst sie hat bewiesen, was
die Tätigkeit der Menschen zustande bringen kann. Sie hat ganz andere Wunderwerke vollbracht als
ägyptische Pyramiden, römische Wasserleitungen und gotische Kathedralen, sie hat ganz andere Züg
e ausgeführt als Völkerwanderungen und Kreuzzüge.

Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhäl
tnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren. Unveränderte
Beibehaltung der alten Produktionsweise war dagegen die erste Existenzbedingung aller früheren
industriellen Klassen. Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschüt
terung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die
Bourgeoisieepoche vor allen anderen aus. Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge
von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten,
ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht,
und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit n
üchternen Augen anzusehen.

Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über
die ganze Erdkugel. Überall muß sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen.

Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller L
änder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden
der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden
und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung
eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische
Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate
nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden. An die Stelle der
alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche die Produkte der
entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. An die Stelle der alten lokalen
und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige
Abhängigkeit der Nationen voneinander. Und wie in der materiellen, so auch in der geistigen
Produktion. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut. Die nationale
Einseitigkeit und Beschränktheit wird mehr und mehr unmöglich, und aus den vielen nationalen und
lokalen Literaturen bildet sich eine Weltliteratur.

Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die
unendlich erleichterten Kommunikationen alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation.
Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie, mit der sie alle chinesischen Mauern in
den Grund schießt, mit der sie den hartnäckigsten Fremdenhaß der Barbaren zur Kapitulation
zwingt. Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeoisie sich anzueignen, wenn sie
nicht zugrunde gehn wollen; sie zwingt sie, die sogenannte Zivilisation bei sich selbst einzuführen, d.h.
Bourgeois zu werden. Mit einem Worte, sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde.

Die Bourgeoisie hat das Land der Herrschaft der Städte unterworfen. Sie hat enorme Städte
geschaffen, sie hat die Zahl der städtischen Bevölkerung gegenüber der ländlichen in hohem Grade
vermehrt und so einen bedeutenden Teil der Bevölkerung dem Idiotismus des Landlebens entrissen.
Wie sie das Land von der Stadt, hat sie die barbarischen und halbbarbarischen Länder von den
zivilisierten, die Bauernvölker von den Bourgeoisvölkern, den Orient vom Okzident abhängig
gemacht.

Die Bourgeoisie hebt mehr und mehr die Zersplitterung der Produktionsmittel, des Besitzes und der
Bevölkerung auf. Sie hat die Bevölkerung agglomeriert, die Produktionsmittel zentralisiert und das
Eigentum in wenigen Händen konzentriert. Die notwendige Folge hiervon war die politische
Zentralisation. Unabhängigel, fast nur verbündete Provinzen mit verschiedenen Interessen, Gesetzen,
Regierungen und Zöllen wurden zusammengedrängt in eine Nation, eine Regierung, ein Gesetz, ein
nationales Klasseninteresse, eine Douanenlinie.

Die Bourgeoisie hat in ihrer kaum hundertjährigen Klassenherrschaft massenhaftere und kolossalere
Produktionskräfte geschaffen als alle vergangenen Generationen zusammen. Unterjochung der
Naturkräfte, Maschinerie, Anwendung der Chemie auf Industrie und Ackerbau, Dampfschiffahrt,
Eisenbahnen, elektrische Telegraphen, Urbarmachung ganzer Weltteile, Schiffbarmachung der Flüs
se, ganze aus dem Boden hervorgestampfte Bevölkerungen - welches frühere Jahrhundert ahnte, da
ß solche Produktionskräfte im Schoß der gesellschaftlichen Arbeit schlummerten.

Wir haben also gesehn: Die Produktions- und Verkehrsmittel, auf deren Grundlage sich die
Bourgeoisie heranbildete, wurden in der feudalen Gesellschaft erzeugt. Auf einer gewissen Stufe der
Entwicklung dieser Produktions- und Verkehrsmittel entsprachen die Verhältnisse, worin die feudale
Gesellschaft produzierte und austauschte, die feudale Organisation der Agrikultur und Manufaktur,
mit einem Wort die feudalen Eigentumsverhältnisse den schon entwickelten Produktivkräften nicht
mehr. Sie hemmten die Produktion, statt sie zu fördern. Sie verwandelten sich in ebenso viele
Fesseln. Sie mußten gesprengt werden, sie wurden gesprengt.

An ihre Stelle trat die freie Konkurrenz mit der ihr angemessenen gesellschaftlichen und politischen
Konstitution, mit der ökonomischen und politischen Herrschaft der Bourgeoisklasse.

Unter unsern Augen geht eine ähnliche Bewegung vor. Die bürgerlichen Produktions- und
Verkehrsverhältnisse, die bürgerlichen Eigentumsverhältnisse, die moderne bürgerliche Gesellschaft,
die so gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem Hexenmeister,
der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor. Seit
Dezennien ist die Geschichte der Industrie und des Handels nur die Geschichte der Empörung der
modernen Produktivkräfte gegen die modernen Produktionsverhältnisse, gegen die Eigentumsverhäl
tnisse, welche die Lebensbedingungen der Bourgeoisie und ihrer Herrschaft sind. Es genügt, die
Handelskrisen zu nennen, welche in ihrer periodischen Wiederkehr immer drohender die Existenz
der ganzen bürgerlichen Gesellschaft in Frage stellen. In den Handelskrisen wird ein großer Teil nicht
nur der erzeugten Produkte, sondern der bereits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig vernichtet.
In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus, welche allen früheren Epochen als ein
Widersinn erschienen wäre - die Epidemie der Überproduktion. Die Gesellschaft findet sich plötzlich
in einen Zustand momentaner Barbarei zurückversetzt; eine Hungersnot, ein allgemeiner
Vernichtungskrieg scheinen ihr alle Lebensmittel abgeschnitten zu haben; die Industrie, der Handel
scheinen vernichtet, und warum? Weil sie zuviel Zivilisation, zuviel Lebensmittel, zuviel Industrie,
zuviel Handel besitzt. Die Produktivkräfte, die ihr zur Verfügung stehen, dienen nicht mehr zur Beför
derung der bürgerlichen Eigentumsverhältnisse; im Gegenteil, sie sind zu gewaltig für diese Verhäl
tnisse geworden, sie werden von ihnen gehemmt; und sobald sie dies Hemmnis überwinden, bringen
sie die ganze bürgerliche Gesellschaft in Unordnung, gefährden sie die Existenz des bürgerlichen
Eigentums. Die bürgerlichen Verhältnisse sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten
Reichtum zu fassen. - Wodurch überwindet die Bourgeoisie die Krisen? Einerseits durch die
erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; andererseits durch die Eroberung neuer
Märkte und die gründlichere Ausbeutung alter Märkte. Wodurch also? Dadurch, daß sie allseitigere
und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.

Die Waffen, womit die Bourgeoisie den Feudalismus zu Boden geschlagen hat, richtet sich jetzt
gegen die Bourgeoisie selbst.

Aber die Bourgeoisie hat nicht nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen; sie hat auch die
Männer gezeugt, die diese Waffen führen werden - die modernen Arbeiter, die Proletatier.

In demselben Maße, worin sich die Bourgeoisie, d.h. das Kapital, entwickelt, in demselben Maße
entwickelt sich das Proletariat, die Klasse der modernen Arbeiter, die nur solange leben, als sie
Arbeit finden, und die nur so lange Arbeit finden, als ihre Arbeit das Kapital vermehrt. Diese
Arbeiter, die sich stückweis verkaufen müssen, sind eine Ware wie jeder andere Handelsartikel und
daher gleichmäßig allen Wechselfällen der Konkurrenz, allen Schwankungen des Marktes
ausgesetzt.

Die Arbeit der Proletarier hat durch die Ausdehnung der Maschinerie und die Teilung der Arbeit
allen selbständigen Charakter und damit allen Reiz für die Arbeiter verloren. Er wird ein bloßes
Zubehör der Maschine, von dem nur der einfachste, eintönigste, am leichtesten erlernbare Handgriff
verlangt wird. Die Kosten, die der Arbeiter verursacht, beschränken sich daher fast nur auf die
Lebensmittel, die er zu seinem Unterhalt und zur Fortpflanzung seiner Race bedarf. Der Preis einer
Ware, also auch der Arbeit, ist aber gleich ihren Produktionskosten. In demselben Maße, in dem die
Widerwärtigkeit der Arbeit wächst, nimmt daher der Lohn ab. Noch mehr, in demselben Maße, wie
Maschinerie und Teilung der Arbeit zunehmen, in demselben Maße nimmt auch die Masse der
Arbeit zu, sei es durch Vermehrung der Arbeitsstunden, sei es durch Vermehrung der in einer
gegebenen Zeit geforderten Arbeit, beschleunigten Lauf der Maschinen usw.

Die moderne Industrie hat die kleine Werkstube des patriarchalischen Meisters in die große Fabrik
des industriellen Kapitalisten verwandelt. Arbeitermassen, in der Fabrik zusammengedrängt, werden
soldatisch organisiert. Sie werden als gemeine Industriesoldaten unter die Aufsicht einer vollständigen
Hierarchie von Unteroffizieren und Offizieren gestellt. Sie sind nicht nur Knechte der
Bourgeoisklasse, des Bourgeoisstaates, sie sind täglich und stündlich geknechtet von der Maschine,
von dem Aufseher und vor allem von den einzelnen fabrizierenden Bourgeois selbst. Diese Despotie
ist um so kleinlicher, gehässiger, erbitterter, je offener sie den Erwerb als ihren Zweck proklamiert.

Je weniger die Handarbeit Geschicklichkeit und Kraftäußerung erheischt, d.h. je mehr die moderne
Industrie sich entwickelt, desto mehr wird die Arbeit der Männer durch die der Weiber verdrängt.
Geschlechts- und Altersunterschiede haben keine gesellschaftliche Geltung mehr für die
Arbeiterklasse. Es gibt nur noch Arbeitsinstrumente, die je nach Alter und Geschlecht verschiedene
Kosten machen.

Ist die Ausbeutung des Arbeiters durch den Fabrikanten so weit beendigt, daß er seinen Arbeitslohn
bar ausgezahlt erhält, so fallen die andern Teile der Bourgeoisie über ihn her, der Hausbesitzer, der
Krämer, der Pfandleiher usw.

Die bisherigen kleinen Mittelstände, die kleinen Industriellen, Kaufleute und Rentiers, die
Handwerker und Bauern, alle diese Klassen fallen ins Proletariat hinab, teils dadurch, daß ihr kleines
Kapital für den Betrieb der großen Industrie nicht ausreicht und der Konkurrenz mit den größeren
Kapitalisten erliegt, teils dadurch, daß ihre Geschicklichkeit von neuen Produktionsweisen entwertet
wird. So rekrutiert sich das Proletariat aus allen Klassen der Bevölkerung.

Das Proletariat macht verschiedene Entwicklungsstufen durch. Sein Kampf gegen die Bourgeoisie
beginnt mit seiner Existenz.

Im Anfang kämpfen die einzelnen Arbeiter, dann die Arbeiter einer Fabrik, dann die Arbeiter eines
Arbeitszweiges an einem Ort gegen den einzelnen Bourgeois, der sie direkt ausbeutet. Sie richten
ihre Angriffe nicht nur gegen die bürgerlichen Produktionsverhältnisse, sie richten sie gegen die
Produktionsverhältnisse selbst; die vernichten die fremden konkurrierenden Waren, sie zerschlagen
die Maschinen, sie stecken die Fabriken in Brand, sie suchen die untergegangene Stellung des mittel
alterlichen Arbeiters wiederzuerringen.

Auf dieser Stufe bilden die Arbeiter eine über das ganze Land zerstreute und durch die Konkurrenz
zersplitterte Masse. Massenhaftes Zusammenhalten der Arbeiter ist noch nicht die Folge ihrer
eigenen Vereinigung, sondern die Folge der Vereinigung der Bourgeoisie, die zur Erreichung ihrer
eigenen politischen Zwecke das ganze Proletariat in Bewegung setzen muß
und es einstweilen noch
kann. Auf dieser Stufe bekämpfen die Proletarier also nicht ihre Feinde, sondern die Feinde ihrer
Feinde, die Reste der absoluten Monarchie, die Grundeigentümer, die nichtindustrielle Bourgeoisie,
die Kleinbürger. Die ganze geschichtliche Bewegung ist so in den Händen der Bourgeoisie
konzentriert; jeder Sieg, der so errungen wird, ist ein Sieg der Bourgeoisie.

Aber mit der Entwicklung der Industrie vermehrt sich nicht nur das Proletariat; es wird in größeren
Massen zusammengedrängt, seine Kraft wächst, und es fühlt sie mehr. Die Interessen, die
Lebenslagen innerhalb des Proletariats gleichen sich immer mehr aus, indem die Maschinerie mehr
und mehr die Unterschiede der Arbeit verwischt und den Lohn fast überall auf ein gleich niedriges
Niveau herabdrückt. Die wachsende Konkurrenz der Bourgeoisie unter sich und die daraus
hervorgehenden Handelskrisen machen den Lohn der Arbeiter immer schwankender; die immer
rascher sich entwickelnde, unaufhörliche Verbesserung der Maschinerie macht ihre ganze
Lebensstellung immer unsicherer; immer mehr nehmen die Kollisionen zwischen dem einzelnen
Arbeiter und dem einzelnen Bourgeois den Charakter von Kollisionen zweier Klassen an. Die
Arbeiter beginnen damit, Koalitionen gegen die Bourgeios zu bilden; sie treten zusammen zur
Behauptung ihres Arbeitslohns. Sie stiften selbst dauernde Assoziationen, um sich für die
gelegentlichen Empörungen zu verproviantieren. Stellenweis bricht der Kampf in Emeuten aus.

Von Zeit zu Zeit siegen die Arbeiter, aber nur vorübergehend. Das eigentliche Resultat ihrer Kämpfe
ist nicht der unmittelbare Erfolg, sondern die immer weiter um sich greifende Vereinigung der
Arbeiter. Sie wird befördert durch die wachsenden Kommunikationsmittel, die von der großen
Industrie erzeugt werden und die Arbeiter der verschiedenen Lokalitäten miteinander in Verbindung
setzen. Es bedarf aber bloß der Verbindung, um die vielen Lokalkämpfe von überall gleichem
Charakter zu einem nationalen, zu einem Klassenkampf zu zentralisieren. Jeder Klassenkampf ist
aber ein politischer Kampf. Und die Vereinigung, zu der die Bürger des Mittelalters mit ihren
Vizinalwegen Jahrhunderte bedurften, bringen die modernen Proletarier mit den Eisenbahnen in
wenigen Jahren zustande.

Diese Organisation der Proletarier zur Klasse, und damit zur politschen Partei, wird jeden
Augenblick wieder gesprengt durch die Konkurrenz unter den Arbeitern selbst. Aber sie ersteht
immer wieder, stärker, fester, mächtiger. Sie erzwingt die Anerkennung einzelner Interessen der
Arbeiter in Gesetzesform, indem sie die Spaltungen der Bourgeoisie unter sich benutzt. So die
Zehnstundenbill in England.

Die Kollisionen der alten Gesellschaft überhaupt fördern mannigfach den Entwicklungsgang des
Proletariats. Die Bourgeoisie befindet sich in fortwährendem Kampfe: anfangs gegen die
Aristokratie; später gegen die Teile der Bourgeiosie selbst, deren Interessen mit dem Fortschritt der
Industrie in Widerspruch geraten; stets gegen die Bourgeoisie aller auswärtigen Länder. In allen
diesen Kämpfen sieht sie sich genötigt, an das Proletariat zu appellieren, seine Hülfe in Anspruch zu
nehmen und es so in die politische Bewegung hineinzureißen. Sie selbst führt also dem Proletariat
ihre eigenen Bildungselemente, d.h. Waffen gegen sich selbst, zu.

Es werden ferner, wie wir sahen, durch den Fortschritt der Industrie ganze Bestandteile der
herrschenden Klasse ins Proletariat hinabgeworfen oder wenigstens in ihren Lebensbedingungen
bedroht. Auch sie führen dem Proletariat eine Masse Bildungselemente zu.

In Zeiten endlich, wo der Klassenkampf sich der Entscheidung nähert, nimmt der Auflösungsprozeß
innerhalb der herrschenden Klasse, innerhalb der ganzen alten Gesellschaft, einen so heftigen, so
grellen Charakter an, daß
ein kleiner Teil der herrschenden Klasse sich von ihr lossagt und sich der
revolutionären Klasse anschließt, der Klasse, welche die Zukunft in ihren Händen trägt. Wie daher fr
üher ein Teil des Adels zur Bourgeoisie überging, so geht jetzt ein Teil der Bourgeoisie zum
Proletariat über, und namentlich ein Teil der Bourgeoisideologen, welche zum theoretischen Verstän
dnis der ganzen geschichtlichen Bewegung sich hinaufgearbeitet haben.

Von allen Klassen, welche heutzutage der Bourgeoisie gegenüberstehen, ist nur das Proletariat eine
wirklich revolutionäre Klasse. Die übrigen Klassen verkommen und gehen unter mit der großen
Industrie, das Proletariat ist ihr eigenstes Produkt.

Die Mittelstände, der kleine Industrielle, der kleine Kaufmann, der Handwerker, der Bauer, sie alle
bekämpfen die Bourgeoisie, um ihre Existenz als Mittelstände vor dem Untergang zu sichern. Sie
sind also nicht revolutionär, sondern konservativ. Noch mehr, sie sind reaktionär, sie suchen das
Rad der Geschichte zurückzudrehen. Sind sie revolutionär, so sind sie es im Hinblick auf den ihnen
bevorstehensen Übergang ins Proletariat, so verteidigen sie nicht ihre gegenwärtigen, sondern ihre
zukünftigen Interessen, so verlassen sie ihren eigenen Standpunkt, um sich auf den des Proletariats zu
stellen.

Das Lumpenproletariat, diese passive Verfaulung der untersten Schichten der alten Gesellschaft,
wird durch eine proletarische Revolution stellenweise in die Bewegung hineingeschleudert, seiner
ganzen Lebenslage nach wird es bereitwilliger sein, sich zu reaktionären Umtrieben erkaufen zu
lassen.

Die Lebensbedingungen der alten Gesellschaft sind schon vernichtet in den Lebensbedingungen des
Proletariats. Der Proletarier ist eigentumslos; sein Verhältnis zu Weib und Kindern hat nichts mehr
gemein mit dem bürgerlichen Familienverhältnis; die moderne industrielle Arbeit, die moderne
Unterjochung unter das Kapital, dieselbe in England wie in Frankreich, in Amerika wie in
Deutschland, hat ihm allen nationalen Charakter abgestreift. Die Gesetze, die Moral, die Religion
sind für ihn ebenso viele bürgerliche Vorurteile, hinter denen sich ebenso viele bürgerliche Interessen
verstecken.

Alle früheren Klassen, die sich die Herrschaft eroberten, suchten ihre schon erworbene
Lebensstellung zu sichern, indem sie die ganze Gesellschaft den Bedingungen ihres Erwerbs
unterwarfen. Die Proletarier können sich die gesellschaftlichen Produktivkräfte nur erobern, indem
die ihre eigene bisherige Aneignungsweise und damit die ganze bisherige Aneignungsweise
abschaffen. Die Proletarier haben nichts von dem Ihrigen zu sichern, sie haben alle bisherigen
Privatsicherheiten und Privatversicherungen zu zerstören.

Alle bisherigen Bewegungen waren Bewegungen von Minoritäten oder im Interesse von Minoritäten.
Die proletarische Bewegung ist die selbständige Bewegung der ungeheuren Mehrzahl im Interesse
der ungeheuren Mehrzahl. Das Proletariat, die unterste Schichte der jetzigen Gesellschaft, kann sich
nicht erheben, nicht aufrichten, ohne daß der ganze Überbau der Schichten, die die offizielle
Gesellschaft bilden, in die Luft gesprengt wird.

Obgleich nicht dem Inhalt, ist die Form nach der Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie zun
ächst ein nationaler. Das Proletariat eines jeden Landes muß natürlich zuerst mit seiner eigenen
Bourgeoisie fertig werden.

Indem wir die allgemeinsten Phasen der Entwicklung des Proletariats zeichneten, verfolgten wir den
mehr oder minder versteckten Bürgerkrieg innerhalb der bestehenden Gesellschaft bis zu dem Punkt,
wo er in eine offene Revolution ausbricht und durch den gewaltsamen Sturz der Bourgeoisie das
Proletariat seine Herrschaft begründet.

Alle bisherige Gesellschaft beruhte, wie wir gesehn haben, auf dem Gegensatz unterdrückender und
unterdrückter Klassen. Um aber eine Klasse unterdrücken zu können, müssen ihr Bedingungen
gesichert sein, innerhalb derer sie wenigstens ihre knechtische Existenz fristen kann. Der Leibeigene
hat sich zum Mitglied der Kommune in der Leibeigenschaft herangearbeitet wie der Kleinbürger zum
Bourgeois unter dem Joch des feudalistischen Absolutismus. Der moderne Arbeiter dagegen, statt
sich mit dem Fortschritt der Industrie zu heben, sinkt immer tiefer unter die Bedingungen seiner
eigenen Klasse herab. Der Arbeiter wird zum Pauper, und der Pauperismus entwickelt sich noch
schneller als Bevölkerung und Reichtum. Es tritt hiermit offen hervor, daß die Bourgeoisie unfähig ist,
noch länger die herrschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben und die Lebensbedingungen ihrer
Klasse der Gesellschaft als regelndes Gesetz aufzuzwingen. Sie ist unfähig zu herrschen, weil sie unf
ähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei zu sichern, weil sie gezwungen
ist, ihn in eine Lage herabsinken zu lassen, wo sie ihn ernähren muß, statt von ihm ernährt zu werden.
Die Gesellschaft kann nicht mehr unter ihr leben, d.h. ihr Leben ist nicht mehr verträglich mit der
Gesellschaft.

Die wesentliche Bedingung für die Existenz und für die Herrschaft der Bourgeoisklasse ist die Anhäu
fung des Reichtums in den Händen von Privaten, die Bildung und Vermehrung des Kapitals; die
Bedingung des Kapitals ist die Lohnarbeit. Die Lohnarbeit beruht ausschließlich auf der Konkurrenz
der Arbeiter unter sich. Der Fortschritt der Industrie, dessen willenloser und widerstandsloser Träger
die Bourgeoisie ist, setzt an die Stelle der Isolierung der Arbeiter durch die Konkurrenz ihre
revolutionäre Vereinigung durch die Assoziation. Mit der Entwicklung der großen Industrie wird also
unter den Füßen der Bourgeoisie die Grundlage selbst hinweggezogen, worauf sie produziert und die
Produkte sich aneignet. Sie produziert vor allem ihren eigenen Totengräber. Ihr Untergang und der
Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich.

[...]

Proletarier aller Länder, vereinigt Euch !

Sonntag, der 15. August 1999, 19:05 Uhr
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arl Marx, Friedrich Engels

Manifest der Kommunistischen Partei

Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus. Alle Mächte des alten Europa
haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, der Papst und der Zar,
Metternich und Guizot, französische Radikale und deutsche Polizisten.

Wo ist die Oppostitionspartei, die nicht von ihren regierenden Gegnern als kommunistisch verschrien
worden wäre, wo die Oppositionspartei, die der fortgeschritteneren Oppositionsleuten sowohl wie
ihren reaktionären Gegnern den brandmarkenden Vorwurf des Kommunismus nicht zurüc
kgeschleudert hätte?

Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor.

Der Kommunismus wird bereits von allen europäischen Mächten als eine Macht anerkannt.

Es ist hohe Zeit, daß die Kommunisten ihre Anschauungsweise, ihre Zwecke, ihre Tendenzen vor
der ganzen Welt offen darlegen und dem Märchen vom Gespenst des Kommunismus ein Manifest
der Partei selbst entgegenstellen.

Zu diesem Zweck haben sich Kommunisten der verschiedensten Nationalität in London versammelt
und das folgende Manifest entworfen, das in englischer, französischer, deutscher, italienischer, fläm
ischer und dänischer Sprache veröffentlicht wird.

I Bourgeois und Proletarier

Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.

Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener, Zunftbürger und Gesell, kurz,
Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen
ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer
revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang
der kämpfenden Klassen.

In den früheren Epochen der Geschichte finden wir fast überall eine vollständige Gliederung der
Gesellschaft in verschiedene Stände, eine mannigfaltige Abstufung der gesellschaftlichen Stellungen.
Im alten Rom haben wir Patrizier, Ritter, Plebejer, Sklaven; im Mittelalter Feudalherren, Vasallen,
Zunftbürger, Gesellen, Leibeigene, und noch dazu in fast jeder dieser Klassen wieder besondere
Abstufungen.

Die aus dem Untergang der feudalen Gesellschaft hervorgegangene moderne bürgerliche
Gesellschaft hat die Klassengegensätze nicht aufgehoben. Sie hat nur neue Klassen, neue
Bedingungen der Unterdrückung, neue Gestaltungen des Kampfes an die Stelle der alten gesetzt.

Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich jedoch dadurch aus, daß sie die
Klassengegensätze vereinfacht hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große
feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und
Proletariat.

Aus den Leibeigenen des Mittelalters gingen die Pfahlbürger der ersten Städte hervor; aus dieser
Pfahlbürgerschaft entwickelten sich die ersten Elemente der Bourgeoisie.

Die Entdeckung Amerikas, die Umschiffung Afrikas schufen der aufkommenden Bourgeoisie ein
neues Terrain. Der ostindische und chinesische Markt, die Kolonisierung von Amerika, der
Austausch mit den Kolonien, die Vermehrung der Tauschmittel und der Waren überhaupt gaben
dem Handel, der Schiffahrt, der Industrie einen nie gekannten Aufschwung und damit dem revolution
ären Element in der zerfallenden feudalen Gesellschaft eine rasche Entwicklung.

Die bisherige feudale oder zünftige Betriebsweise der Industrie reichte nicht mehr aus für den mit
neuen Märkten anwachsenden Bedarf. Die Manufaktur trat an ihre Stelle. Die Zunftmeister wurden
verdrängt durch den industriellen Mittelstand; die Teilung der Arbeit zwischen den verschiedenen
Korporationen verschwand vor der Teilung der Arbeit in der einzelnen Werkstatt selbst.

Aber immer wuchsen die Märkte, immer stieg der Bedarf. Auch die Manufaktur reichte nicht mehr
aus. Da revolutionierte der Dampf und die Maschinerie die industrielle Produktion. An die Stelle der
Manufaktur trat die moderne große Industrie, an die Stelle des industriellen Mittelstandes traten die
industriellen Millionäre, die Chefs ganzer industrieller Armeen, die modernen Bourgeois.

Die große Industrie hat den Weltmarkt hergestellt, den die Entdeckung Amerikas vorbereitete. Der
Weltmarkt hat dem Handel, der Schiffahrt, den Landkommunikationen eine unermeßliche
Entwicklung gegeben. Diese hat wieder auf die Ausdehnung der Industrie zurückgewirkt, und in
demselben Maße, worin Industrie, Handel, Schiffahrt, Eisenbahnen sich ausdehnten, in demselben
Maße entwickelte sich die Bourgeoisie, vermehrte sie ihre Kapitalien, drängte sie alle vom Mittelalter
her überlieferten Klassen in den Hintergrund.

Wir sehen also, wie die moderne Bourgeoisie selbst das Produkt eines langen Entwicklungsganges,
einer Reihe von Umwälzungen in der Produktions- und Verkehrsweise ist.

Jede dieser Entwicklungsstufen der Bourgeoisie war begleitet von einem entsprechenden politischen
Fortschritt. Unterdrückter Stand unter der Herrschaft der Feudalherren, bewaffnete und sich selbst
verwaltende Assoziation in der Kommune, hier unabhängige städtische Republik, dort dritter
steuerpflichtiger Stand der Monarchie, dann zur Zeit der Manufaktur Gegengewicht gegen den Adel
in der ständischen oder in der absoluten Monarchie, Hauptgrundlage der großen Monarchien
überhaupt, erkämpfte sie sich endlich seit der Herstellung der großen Industdie und des
Weltmarktes im modernen Repräsentativstaat die ausschließliche politische Herrschaft. Die moderne
Staatsgewalt ist nur ein Ausschuß, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse
verwaltet.

Die Bourgeoisie hat in der Geschichte eine höchst revolutionäre Rolle gespielt.

Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen
Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natür
lichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und
Mensch übriggelasssen als das nackte Interesse, als die gefühllose ,,bare Zahlung''. Sie hat die
heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen
Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt. Sie hat die persönliche Würde
in den Tauschwert aufgelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieftfen und wohlerworbenen
Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der
mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämtel, direkte, dür
re Ausbeutung gesetzt.

Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Scheu betrachteten Tätigkeiten ihres
Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poetenl, den Mann der
Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt.

Die Bourgeoisie hat dem Familienverhältnis seinen rührend-sentimentalen Schleier abgerissen und es
auf ein reines Geldverhältnis zurückgeführt.

Die Bourgeoisie hat enthüllt, wie die brutale Kraftäußerung, die die Reaktion so sehr am Mittelalter
bewundert, in der trägsten Bärenhäuterei ihre passende Ergänzung fand. Erst sie hat bewiesen, was
die Tätigkeit der Menschen zustande bringen kann. Sie hat ganz andere Wunderwerke vollbracht als
ägyptische Pyramiden, römische Wasserleitungen und gotische Kathedralen, sie hat ganz andere Züg
e ausgeführt als Völkerwanderungen und Kreuzzüge.

Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhäl
tnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren. Unveränderte
Beibehaltung der alten Produktionsweise war dagegen die erste Existenzbedingung aller früheren
industriellen Klassen. Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschüt
terung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die
Bourgeoisieepoche vor allen anderen aus. Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge
von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten,
ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht,
und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit n
üchternen Augen anzusehen.

Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über
die ganze Erdkugel. Überall muß sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen.

Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller L
änder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden
der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden
und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung
eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische
Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate
nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden. An die Stelle der
alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche die Produkte der
entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. An die Stelle der alten lokalen
und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige
Abhängigkeit der Nationen voneinander. Und wie in der materiellen, so auch in der geistigen
Produktion. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut. Die nationale
Einseitigkeit und Beschränktheit wird mehr und mehr unmöglich, und aus den vielen nationalen und
lokalen Literaturen bildet sich eine Weltliteratur.

Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die
unendlich erleichterten Kommunikationen alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation.
Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie, mit der sie alle chinesischen Mauern in
den Grund schießt, mit der sie den hartnäckigsten Fremdenhaß der Barbaren zur Kapitulation
zwingt. Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeoisie sich anzueignen, wenn sie
nicht zugrunde gehn wollen; sie zwingt sie, die sogenannte Zivilisation bei sich selbst einzuführen, d.h.
Bourgeois zu werden. Mit einem Worte, sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde.

Die Bourgeoisie hat das Land der Herrschaft der Städte unterworfen. Sie hat enorme Städte
geschaffen, sie hat die Zahl der städtischen Bevölkerung gegenüber der ländlichen in hohem Grade
vermehrt und so einen bedeutenden Teil der Bevölkerung dem Idiotismus des Landlebens entrissen.
Wie sie das Land von der Stadt, hat sie die barbarischen und halbbarbarischen Länder von den
zivilisierten, die Bauernvölker von den Bourgeoisvölkern, den Orient vom Okzident abhängig
gemacht.

Die Bourgeoisie hebt mehr und mehr die Zersplitterung der Produktionsmittel, des Besitzes und der
Bevölkerung auf. Sie hat die Bevölkerung agglomeriert, die Produktionsmittel zentralisiert und das
Eigentum in wenigen Händen konzentriert. Die notwendige Folge hiervon war die politische
Zentralisation. Unabhängigel, fast nur verbündete Provinzen mit verschiedenen Interessen, Gesetzen,
Regierungen und Zöllen wurden zusammengedrängt in eine Nation, eine Regierung, ein Gesetz, ein
nationales Klasseninteresse, eine Douanenlinie.

Die Bourgeoisie hat in ihrer kaum hundertjährigen Klassenherrschaft massenhaftere und kolossalere
Produktionskräfte geschaffen als alle vergangenen Generationen zusammen. Unterjochung der
Naturkräfte, Maschinerie, Anwendung der Chemie auf Industrie und Ackerbau, Dampfschiffahrt,
Eisenbahnen, elektrische Telegraphen, Urbarmachung ganzer Weltteile, Schiffbarmachung der Flüs
se, ganze aus dem Boden hervorgestampfte Bevölkerungen - welches frühere Jahrhundert ahnte, da
ß solche Produktionskräfte im Schoß der gesellschaftlichen Arbeit schlummerten.

Wir haben also gesehn: Die Produktions- und Verkehrsmittel, auf deren Grundlage sich die
Bourgeoisie heranbildete, wurden in der feudalen Gesellschaft erzeugt. Auf einer gewissen Stufe der
Entwicklung dieser Produktions- und Verkehrsmittel entsprachen die Verhältnisse, worin die feudale
Gesellschaft produzierte und austauschte, die feudale Organisation der Agrikultur und Manufaktur,
mit einem Wort die feudalen Eigentumsverhältnisse den schon entwickelten Produktivkräften nicht
mehr. Sie hemmten die Produktion, statt sie zu fördern. Sie verwandelten sich in ebenso viele
Fesseln. Sie mußten gesprengt werden, sie wurden gesprengt.

An ihre Stelle trat die freie Konkurrenz mit der ihr angemessenen gesellschaftlichen und politischen
Konstitution, mit der ökonomischen und politischen Herrschaft der Bourgeoisklasse.

Unter unsern Augen geht eine ähnliche Bewegung vor. Die bürgerlichen Produktions- und
Verkehrsverhältnisse, die bürgerlichen Eigentumsverhältnisse, die moderne bürgerliche Gesellschaft,
die so gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem Hexenmeister,
der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor. Seit
Dezennien ist die Geschichte der Industrie und des Handels nur die Geschichte der Empörung der
modernen Produktivkräfte gegen die modernen Produktionsverhältnisse, gegen die Eigentumsverhäl
tnisse, welche die Lebensbedingungen der Bourgeoisie und ihrer Herrschaft sind. Es genügt, die
Handelskrisen zu nennen, welche in ihrer periodischen Wiederkehr immer drohender die Existenz
der ganzen bürgerlichen Gesellschaft in Frage stellen. In den Handelskrisen wird ein großer Teil nicht
nur der erzeugten Produkte, sondern der bereits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig vernichtet.
In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus, welche allen früheren Epochen als ein
Widersinn erschienen wäre - die Epidemie der Überproduktion. Die Gesellschaft findet sich plötzlich
in einen Zustand momentaner Barbarei zurückversetzt; eine Hungersnot, ein allgemeiner
Vernichtungskrieg scheinen ihr alle Lebensmittel abgeschnitten zu haben; die Industrie, der Handel
scheinen vernichtet, und warum? Weil sie zuviel Zivilisation, zuviel Lebensmittel, zuviel Industrie,
zuviel Handel besitzt. Die Produktivkräfte, die ihr zur Verfügung stehen, dienen nicht mehr zur Beför
derung der bürgerlichen Eigentumsverhältnisse; im Gegenteil, sie sind zu gewaltig für diese Verhäl
tnisse geworden, sie werden von ihnen gehemmt; und sobald sie dies Hemmnis überwinden, bringen
sie die ganze bürgerliche Gesellschaft in Unordnung, gefährden sie die Existenz des bürgerlichen
Eigentums. Die bürgerlichen Verhältnisse sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten
Reichtum zu fassen. - Wodurch überwindet die Bourgeoisie die Krisen? Einerseits durch die
erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; andererseits durch die Eroberung neuer
Märkte und die gründlichere Ausbeutung alter Märkte. Wodurch also? Dadurch, daß sie allseitigere
und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.

Die Waffen, womit die Bourgeoisie den Feudalismus zu Boden geschlagen hat, richtet sich jetzt
gegen die Bourgeoisie selbst.

Aber die Bourgeoisie hat nicht nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen; sie hat auch die
Männer gezeugt, die diese Waffen führen werden - die modernen Arbeiter, die Proletatier.

In demselben Maße, worin sich die Bourgeoisie, d.h. das Kapital, entwickelt, in demselben Maße
entwickelt sich das Proletariat, die Klasse der modernen Arbeiter, die nur solange leben, als sie
Arbeit finden, und die nur so lange Arbeit finden, als ihre Arbeit das Kapital vermehrt. Diese
Arbeiter, die sich stückweis verkaufen müssen, sind eine Ware wie jeder andere Handelsartikel und
daher gleichmäßig allen Wechselfällen der Konkurrenz, allen Schwankungen des Marktes
ausgesetzt.

Die Arbeit der Proletarier hat durch die Ausdehnung der Maschinerie und die Teilung der Arbeit
allen selbständigen Charakter und damit allen Reiz für die Arbeiter verloren. Er wird ein bloßes
Zubehör der Maschine, von dem nur der einfachste, eintönigste, am leichtesten erlernbare Handgriff
verlangt wird. Die Kosten, die der Arbeiter verursacht, beschränken sich daher fast nur auf die
Lebensmittel, die er zu seinem Unterhalt und zur Fortpflanzung seiner Race bedarf. Der Preis einer
Ware, also auch der Arbeit, ist aber gleich ihren Produktionskosten. In demselben Maße, in dem die
Widerwärtigkeit der Arbeit wächst, nimmt daher der Lohn ab. Noch mehr, in demselben Maße, wie
Maschinerie und Teilung der Arbeit zunehmen, in demselben Maße nimmt auch die Masse der
Arbeit zu, sei es durch Vermehrung der Arbeitsstunden, sei es durch Vermehrung der in einer
gegebenen Zeit geforderten Arbeit, beschleunigten Lauf der Maschinen usw.

Die moderne Industrie hat die kleine Werkstube des patriarchalischen Meisters in die große Fabrik
des industriellen Kapitalisten verwandelt. Arbeitermassen, in der Fabrik zusammengedrängt, werden
soldatisch organisiert. Sie werden als gemeine Industriesoldaten unter die Aufsicht einer vollständigen
Hierarchie von Unteroffizieren und Offizieren gestellt. Sie sind nicht nur Knechte der
Bourgeoisklasse, des Bourgeoisstaates, sie sind täglich und stündlich geknechtet von der Maschine,
von dem Aufseher und vor allem von den einzelnen fabrizierenden Bourgeois selbst. Diese Despotie
ist um so kleinlicher, gehässiger, erbitterter, je offener sie den Erwerb als ihren Zweck proklamiert.

Je weniger die Handarbeit Geschicklichkeit und Kraftäußerung erheischt, d.h. je mehr die moderne
Industrie sich entwickelt, desto mehr wird die Arbeit der Männer durch die der Weiber verdrängt.
Geschlechts- und Altersunterschiede haben keine gesellschaftliche Geltung mehr für die
Arbeiterklasse. Es gibt nur noch Arbeitsinstrumente, die je nach Alter und Geschlecht verschiedene
Kosten machen.

Ist die Ausbeutung des Arbeiters durch den Fabrikanten so weit beendigt, daß er seinen Arbeitslohn
bar ausgezahlt erhält, so fallen die andern Teile der Bourgeoisie über ihn her, der Hausbesitzer, der
Krämer, der Pfandleiher usw.

Die bisherigen kleinen Mittelstände, die kleinen Industriellen, Kaufleute und Rentiers, die
Handwerker und Bauern, alle diese Klassen fallen ins Proletariat hinab, teils dadurch, daß ihr kleines
Kapital für den Betrieb der großen Industrie nicht ausreicht und der Konkurrenz mit den größeren
Kapitalisten erliegt, teils dadurch, daß ihre Geschicklichkeit von neuen Produktionsweisen entwertet
wird. So rekrutiert sich das Proletariat aus allen Klassen der Bevölkerung.

Das Proletariat macht verschiedene Entwicklungsstufen durch. Sein Kampf gegen die Bourgeoisie
beginnt mit seiner Existenz.

Im Anfang kämpfen die einzelnen Arbeiter, dann die Arbeiter einer Fabrik, dann die Arbeiter eines
Arbeitszweiges an einem Ort gegen den einzelnen Bourgeois, der sie direkt ausbeutet. Sie richten
ihre Angriffe nicht nur gegen die bürgerlichen Produktionsverhältnisse, sie richten sie gegen die
Produktionsverhältnisse selbst; die vernichten die fremden konkurrierenden Waren, sie zerschlagen
die Maschinen, sie stecken die Fabriken in Brand, sie suchen die untergegangene Stellung des mittel
alterlichen Arbeiters wiederzuerringen.

Auf dieser Stufe bilden die Arbeiter eine über das ganze Land zerstreute und durch die Konkurrenz
zersplitterte Masse. Massenhaftes Zusammenhalten der Arbeiter ist noch nicht die Folge ihrer
eigenen Vereinigung, sondern die Folge der Vereinigung der Bourgeoisie, die zur Erreichung ihrer
eigenen politischen Zwecke das ganze Proletariat in Bewegung setzen muß
und es einstweilen noch
kann. Auf dieser Stufe bekämpfen die Proletarier also nicht ihre Feinde, sondern die Feinde ihrer
Feinde, die Reste der absoluten Monarchie, die Grundeigentümer, die nichtindustrielle Bourgeoisie,
die Kleinbürger. Die ganze geschichtliche Bewegung ist so in den Händen der Bourgeoisie
konzentriert; jeder Sieg, der so errungen wird, ist ein Sieg der Bourgeoisie.

Aber mit der Entwicklung der Industrie vermehrt sich nicht nur das Proletariat; es wird in größeren
Massen zusammengedrängt, seine Kraft wächst, und es fühlt sie mehr. Die Interessen, die
Lebenslagen innerhalb des Proletariats gleichen sich immer mehr aus, indem die Maschinerie mehr
und mehr die Unterschiede der Arbeit verwischt und den Lohn fast überall auf ein gleich niedriges
Niveau herabdrückt. Die wachsende Konkurrenz der Bourgeoisie unter sich und die daraus
hervorgehenden Handelskrisen machen den Lohn der Arbeiter immer schwankender; die immer
rascher sich entwickelnde, unaufhörliche Verbesserung der Maschinerie macht ihre ganze
Lebensstellung immer unsicherer; immer mehr nehmen die Kollisionen zwischen dem einzelnen
Arbeiter und dem einzelnen Bourgeois den Charakter von Kollisionen zweier Klassen an. Die
Arbeiter beginnen damit, Koalitionen gegen die Bourgeios zu bilden; sie treten zusammen zur
Behauptung ihres Arbeitslohns. Sie stiften selbst dauernde Assoziationen, um sich für die
gelegentlichen Empörungen zu verproviantieren. Stellenweis bricht der Kampf in Emeuten aus.

Von Zeit zu Zeit siegen die Arbeiter, aber nur vorübergehend. Das eigentliche Resultat ihrer Kämpfe
ist nicht der unmittelbare Erfolg, sondern die immer weiter um sich greifende Vereinigung der
Arbeiter. Sie wird befördert durch die wachsenden Kommunikationsmittel, die von der großen
Industrie erzeugt werden und die Arbeiter der verschiedenen Lokalitäten miteinander in Verbindung
setzen. Es bedarf aber bloß der Verbindung, um die vielen Lokalkämpfe von überall gleichem
Charakter zu einem nationalen, zu einem Klassenkampf zu zentralisieren. Jeder Klassenkampf ist
aber ein politischer Kampf. Und die Vereinigung, zu der die Bürger des Mittelalters mit ihren
Vizinalwegen Jahrhunderte bedurften, bringen die modernen Proletarier mit den Eisenbahnen in
wenigen Jahren zustande.

Diese Organisation der Proletarier zur Klasse, und damit zur politschen Partei, wird jeden
Augenblick wieder gesprengt durch die Konkurrenz unter den Arbeitern selbst. Aber sie ersteht
immer wieder, stärker, fester, mächtiger. Sie erzwingt die Anerkennung einzelner Interessen der
Arbeiter in Gesetzesform, indem sie die Spaltungen der Bourgeoisie unter sich benutzt. So die
Zehnstundenbill in England.

Die Kollisionen der alten Gesellschaft überhaupt fördern mannigfach den Entwicklungsgang des
Proletariats. Die Bourgeoisie befindet sich in fortwährendem Kampfe: anfangs gegen die
Aristokratie; später gegen die Teile der Bourgeiosie selbst, deren Interessen mit dem Fortschritt der
Industrie in Widerspruch geraten; stets gegen die Bourgeoisie aller auswärtigen Länder. In allen
diesen Kämpfen sieht sie sich genötigt, an das Proletariat zu appellieren, seine Hülfe in Anspruch zu
nehmen und es so in die politische Bewegung hineinzureißen. Sie selbst führt also dem Proletariat
ihre eigenen Bildungselemente, d.h. Waffen gegen sich selbst, zu.

Es werden ferner, wie wir sahen, durch den Fortschritt der Industrie ganze Bestandteile der
herrschenden Klasse ins Proletariat hinabgeworfen oder wenigstens in ihren Lebensbedingungen
bedroht. Auch sie führen dem Proletariat eine Masse Bildungselemente zu.

In Zeiten endlich, wo der Klassenkampf sich der Entscheidung nähert, nimmt der Auflösungsprozeß
innerhalb der herrschenden Klasse, innerhalb der ganzen alten Gesellschaft, einen so heftigen, so
grellen Charakter an, daß
ein kleiner Teil der herrschenden Klasse sich von ihr lossagt und sich der
revolutionären Klasse anschließt, der Klasse, welche die Zukunft in ihren Händen trägt. Wie daher fr
üher ein Teil des Adels zur Bourgeoisie überging, so geht jetzt ein Teil der Bourgeoisie zum
Proletariat über, und namentlich ein Teil der Bourgeoisideologen, welche zum theoretischen Verstän
dnis der ganzen geschichtlichen Bewegung sich hinaufgearbeitet haben.

Von allen Klassen, welche heutzutage der Bourgeoisie gegenüberstehen, ist nur das Proletariat eine
wirklich revolutionäre Klasse. Die übrigen Klassen verkommen und gehen unter mit der großen
Industrie, das Proletariat ist ihr eigenstes Produkt.

Die Mittelstände, der kleine Industrielle, der kleine Kaufmann, der Handwerker, der Bauer, sie alle
bekämpfen die Bourgeoisie, um ihre Existenz als Mittelstände vor dem Untergang zu sichern. Sie
sind also nicht revolutionär, sondern konservativ. Noch mehr, sie sind reaktionär, sie suchen das
Rad der Geschichte zurückzudrehen. Sind sie revolutionär, so sind sie es im Hinblick auf den ihnen
bevorstehensen Übergang ins Proletariat, so verteidigen sie nicht ihre gegenwärtigen, sondern ihre
zukünftigen Interessen, so verlassen sie ihren eigenen Standpunkt, um sich auf den des Proletariats zu
stellen.

Das Lumpenproletariat, diese passive Verfaulung der untersten Schichten der alten Gesellschaft,
wird durch eine proletarische Revolution stellenweise in die Bewegung hineingeschleudert, seiner
ganzen Lebenslage nach wird es bereitwilliger sein, sich zu reaktionären Umtrieben erkaufen zu
lassen.

Die Lebensbedingungen der alten Gesellschaft sind schon vernichtet in den Lebensbedingungen des
Proletariats. Der Proletarier ist eigentumslos; sein Verhältnis zu Weib und Kindern hat nichts mehr
gemein mit dem bürgerlichen Familienverhältnis; die moderne industrielle Arbeit, die moderne
Unterjochung unter das Kapital, dieselbe in England wie in Frankreich, in Amerika wie in
Deutschland, hat ihm allen nationalen Charakter abgestreift. Die Gesetze, die Moral, die Religion
sind für ihn ebenso viele bürgerliche Vorurteile, hinter denen sich ebenso viele bürgerliche Interessen
verstecken.

Alle früheren Klassen, die sich die Herrschaft eroberten, suchten ihre schon erworbene
Lebensstellung zu sichern, indem sie die ganze Gesellschaft den Bedingungen ihres Erwerbs
unterwarfen. Die Proletarier können sich die gesellschaftlichen Produktivkräfte nur erobern, indem
die ihre eigene bisherige Aneignungsweise und damit die ganze bisherige Aneignungsweise
abschaffen. Die Proletarier haben nichts von dem Ihrigen zu sichern, sie haben alle bisherigen
Privatsicherheiten und Privatversicherungen zu zerstören.

Alle bisherigen Bewegungen waren Bewegungen von Minoritäten oder im Interesse von Minoritäten.
Die proletarische Bewegung ist die selbständige Bewegung der ungeheuren Mehrzahl im Interesse
der ungeheuren Mehrzahl. Das Proletariat, die unterste Schichte der jetzigen Gesellschaft, kann sich
nicht erheben, nicht aufrichten, ohne daß der ganze Überbau der Schichten, die die offizielle
Gesellschaft bilden, in die Luft gesprengt wird.

Obgleich nicht dem Inhalt, ist die Form nach der Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie zun
ächst ein nationaler. Das Proletariat eines jeden Landes muß natürlich zuerst mit seiner eigenen
Bourgeoisie fertig werden.

Indem wir die allgemeinsten Phasen der Entwicklung des Proletariats zeichneten, verfolgten wir den
mehr oder minder versteckten Bürgerkrieg innerhalb der bestehenden Gesellschaft bis zu dem Punkt,
wo er in eine offene Revolution ausbricht und durch den gewaltsamen Sturz der Bourgeoisie das
Proletariat seine Herrschaft begründet.

Alle bisherige Gesellschaft beruhte, wie wir gesehn haben, auf dem Gegensatz unterdrückender und
unterdrückter Klassen. Um aber eine Klasse unterdrücken zu können, müssen ihr Bedingungen
gesichert sein, innerhalb derer sie wenigstens ihre knechtische Existenz fristen kann. Der Leibeigene
hat sich zum Mitglied der Kommune in der Leibeigenschaft herangearbeitet wie der Kleinbürger zum
Bourgeois unter dem Joch des feudalistischen Absolutismus. Der moderne Arbeiter dagegen, statt
sich mit dem Fortschritt der Industrie zu heben, sinkt immer tiefer unter die Bedingungen seiner
eigenen Klasse herab. Der Arbeiter wird zum Pauper, und der Pauperismus entwickelt sich noch
schneller als Bevölkerung und Reichtum. Es tritt hiermit offen hervor, daß die Bourgeoisie unfähig ist,
noch länger die herrschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben und die Lebensbedingungen ihrer
Klasse der Gesellschaft als regelndes Gesetz aufzuzwingen. Sie ist unfähig zu herrschen, weil sie unf
ähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei zu sichern, weil sie gezwungen
ist, ihn in eine Lage herabsinken zu lassen, wo sie ihn ernähren muß, statt von ihm ernährt zu werden.
Die Gesellschaft kann nicht mehr unter ihr leben, d.h. ihr Leben ist nicht mehr verträglich mit der
Gesellschaft.

Die wesentliche Bedingung für die Existenz und für die Herrschaft der Bourgeoisklasse ist die Anhäu
fung des Reichtums in den Händen von Privaten, die Bildung und Vermehrung des Kapitals; die
Bedingung des Kapitals ist die Lohnarbeit. Die Lohnarbeit beruht ausschließlich auf der Konkurrenz
der Arbeiter unter sich. Der Fortschritt der Industrie, dessen willenloser und widerstandsloser Träger
die Bourgeoisie ist, setzt an die Stelle der Isolierung der Arbeiter durch die Konkurrenz ihre
revolutionäre Vereinigung durch die Assoziation. Mit der Entwicklung der großen Industrie wird also
unter den Füßen der Bourgeoisie die Grundlage selbst hinweggezogen, worauf sie produziert und die
Produkte sich aneignet. Sie produziert vor allem ihren eigenen Totengräber. Ihr Untergang und der
Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich.

[...]

Proletarier aller Länder, vereinigt Euch !

Sonntag, der 15. August 1999, 18:54 Uhr
Name: Schneidemann
E-Mail: juergen-schneidemann@knuut.de
Homepage: keine

Schmeißt doch endlich einmal die blöden Kommie-Spinner raus !

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