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Samstag, der 26. Januar 2002, 19:16 Uhr
Name: PFARRERR RIEPER, Cloppenburg
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Zum Runterladen aus dem Deutschen Pfarrerblatt:


Heft 1/2002

Richard Ziegert Was ist eine Gewaltreligion?



Zur Logik der Verbindungen von Religion und Gewalt in unserer Zeit1


I.

Es ist seit dem 11. September wohl kaum mehr möglich, das Thema der Verbindung von Religion und Gewalt ohne Reflex auf den islamistischen Terrorismus zu behandeln. »Bis zum Selbstmord entschlossene Mörder, die zivile Verkehrsmaschinen zu lebenden Geschossen umfunktioniert und gegen die kapitalistischen Zitadellen der westlichen Zivilisation gelenkt haben, waren, wie wir aus Attas Testament und Usama Bin Ladens Mund inzwischen wissen, durch religiöse Überzeugungen motiviert. Für sie verkörpern die Wahrzeichen der globalisierten Moderne den Großen Satan«, aber auch »die Sprache der Vergeltung, in der nicht nur der amerikanische Präsident zunächst … auf das Unfassbare reagierte, erhielt einen alttestamentarischen Klang«2.
Gewalttat und Gegengewalt nehmen die Religion in Anspruch: Beide berufen sich auf religiöse Legitimationen und schirmen ihre jeweils eigene Form von Gewalt gegen Kritik ab: Habituell nahm der US-amerikanische Präsident Bush die Frage des Journalisten in der ersten Pressekonferenz nach dem Attentat auf: »Wofür beten Sie morgen?« und ebenso selbstverständlich nahm er wie der italienische Präsident Berlusconi das gefährliche Wort »Kreuzzug« in Anspruch als religiöse Reaktion auf die Etikettierung des Attentats als Akt des »heiligen Kriegs« eines wahrhaft gläubigen Muslim.
Übersehen wir nicht: Gegenseitig wird die jeweilige Mischung von Religion und Gewalt als satanisch etikettiert. Die USA
sind in der Optik radikaler Muslime der »Große Teufel«. Es gibt den Teufel zwar nicht - aber dennoch bringt es auch eine zivilisierte Nation wie die USA in der Quersumme ihrer öffentlichen Reaktionen fertig, den Attentäter und dessen Tat nicht vorsichtig reflektiert erfassen zu wollen. Die öffentliche Meinung in den USA verbindet das reagierende Handeln nicht normativ mit dem Bewusstsein, dass vielfältige, miteinander verbundene, propagandistische, polizeiliche, auch militärische, vor allem aber politische Initiativen stattfinden müssen, die davon ausgehen, dass schwere Fehler gemacht wurden und gemacht werden. Weil die US-Öffentlichkeit religiös anders geprägt ist, weil wichtige Meinungsbildungskräfte fundamentalistisch, d.h. im Verbund von Religion und Gewalt denken, folgt dem als ausschließlich verkehrte, teuflische Tat markierten Angriff der religiös verherrlichte möglichst gewaltige Gegenangriff. Der Einstieg in den, wie es John Le Carré genannt hat, »teuflischen Kreislauf aus Verzweiflung, Hass und neuerlicher Rache«3 hat seine religiösen Wurzeln: Ein Fundamentalismus überbietet damit immer neu den anderen.
Was hier für uns in Gang gekommen ist, bietet uns vielleicht endlich die Möglichkeit, die Sache mit dem Islam in Deutschland auf die Reihe zu bringen und dem fundamentalistischen Islam die aus Feigheit und Bequemlichkeit gewährten Propagandamöglichkeiten zu entziehen: nichts anderes hatte seinerzeit die KuK-Monarchie getan, als sie mit der ausschließlichen Zulassung der liberalsten unter den vier vorhandenen islamischen Rechtsschulen den Grund für einen europäischen Islam auf dem Balkan legte: den bosnischen Islam. Er war für uns in Deutschland immer gegenwärtig in seiner anspruchsvollen, von Smail Balic herausgegebenen zweisprachigen deutsch-bosnischen Zeitschrift »Der Islam und der Westen«. Man kann es nur mit großer Trauer sagen: dieser bosnische Islam war ein wirklich europäischer Islam: wer z.B. bosnische und türkische Jugendliche einmal in einer Schulklasse zusammen unterrichtete, erfuhr den Unterschied leibhaftig. Die Mullahs aus Teheran und Ghom, die das von Serben eingeschlossene Sarajevo besuchten, um Hilfe und Einsätze iranischer Kriegsfreiwilliger zu vereinbaren, waren damals sehr schnell voller Zorn und Enttäuschung abgereist: was sie da als Islam erlebten, war für sie kein Islam mehr, wohl aber immer noch für die Bosnier. Was mit der Verwüstung Bosniens damals auch geistig für Europa zerstört wurde, werden wohl erst künftige Generationen ermessen. Tatsache jedenfalls bleibt: wenn es einen Islam in Europa geben soll, der Minderheit unter Christen bleibt, dann nicht anders als in einer von vornherein stringent nicht-fundamentalistischen Form und Kultur, die staatliche Ordnungen und Grenzen benötigt, um diese selbst als religiöse Kulturform ausdrücken und bewahren zu können.

II.

Wer an die Verbindung von Religion und Gewalt denkt, assoziierte bisher in der Regel zuerst Satanismus: also eine Art widersinniger »Religion«, die irrationale Gewalt als Akt sozial völlig sinnloser Selbstbestätigung in Gang setzt. Auf die von »Satanisten« z.B. verübten Greueltaten wie Friedhofsschändung, Sachbeschädigung, Vergewaltigung, Mord usw. reagiert die Öffentlichkeit wie auch die Strafverfolgung in der Regel nur ganz kurzzeitig interessiert: solcherlei fällt aus der Alltagswahrnehmung prinzipiell heraus, eine für Betroffene freilich irritierende zusätzliche Last ihres Leidens. Interessanterweise reagieren unsere eigenen religiösen Extremisten völlig anders: sie können nicht anders als bei festgestelltem Satanismus zu überreagieren. Sie vergrößern die Gefahren der laut markierten Untaten, weil sie selbst die schwarze Seite der Gesellschaft brauchen. Religiöse Radikalität beinhaltet ab einer bestimmten Intensität und Hitze die solide Pflege der Angst vor dem Bösen. Wo weniger Gottvertrauen vorhanden ist und viel mehr Angst vor allem Möglichen, verändert sich der Charakter von Glauben überhaupt: Er wird zur gerade deshalb stets angstvoll verteidigten persönlichen Leistung, die durch Vertrauen auf den eigenen Glauben das Böse der Welt in Schach halten oder überwältigen soll. Das Schema ist immer dasselbe: eine definitorisch notwendige »schwarze« Grundlage wird zuerst einmal tiefschwarz gezeichnet, dann erst religiös-weiß übermalt. Wer dies praktisch versucht, weiß, wie mühsam es ist, Schwarzes weiß zu machen: herauskommt kein heller, sondern höchstens ein grauer Glaube, eben jene religiöse Melange, die ohne Gewaltsamkeiten nicht auskommt. Nicht nur der Islamismus, auch der christliche Fundamentalismus kennt den Übergang vom Krieg gegen das Böse in mir zum Krieg gegen das Böse außer mir: Auch im US-Kontext beschreibt »Spiritual Warfare for every Christian«4 die religionslogische Entschiedenheit und Intoleranz, die im Ergebnis ähnlich freiheitsfeindlich sein kann wie okkult/satanistische Bewusstseinslagen: Die Mentalität, zu sehr oder gar ganz vom Bösen und von bösen Ungläubigen umgeben zu sein, ruft fast immer fluchtartig und blind übersteigernd nach Abwehr, Autoritäten, Zensuren und festen, absoluten Orientierungen, denen keine institutionelle Kritik mehr gegenüberstehen soll. Dies passt zur gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung nicht nur in den USA, wo die Angstbesetzungen des gesellschaftlichen Bewusstseins (O-Ton Präsident Bush: »Wir werden eine bessere Zukunft haben«) viel deutlicher sind. Aber auch bei uns fördern die Verhältnisse aus verschiedenen Gründen religiösen wie politischen Fundamentalismus, weniger aus Religionsgründen, sondern weil das gemeinsame Dritte, Macht und Gewalt allgemeine Konjunktur hat. Ungeniert und ohne jede gesellschaftliche Sanktion wird für alle Schattierungen des Satanismus unter Erwachsenen ebenso wie unter Jugendlichen geworben: Musik-Satanisten übernehmen z.B. die Rolle von Star-Aufklärern der Jugend, wie dies in diesem Jahr bei den publizistisch aufwendig vermarkteten Auftritten von Marilyn Manson u.ä. zu beobachten war: die »ZEIT« hat sie als »Humanisten des Horrors«5 bezeichnet. Auch dies zeigt in erschreckender Weise die öffentliche Unsensibilität: der Jugendschutz schreitet gegen die »satanische« Tourneeliturgik nicht ein, kann es angesichts der durch Gerichtsurteile wegen »Freiheit der Kunst« usw. blockierten öffentlichen Meinung auch nicht, und lässt Marilyn Manson von Ort zu Ort ziehen und seine Art von Gewaltreligion predigen »wie ein fanatischer Sektierer« - als in der Mitte des Spektakels zuerst in einen Bischof in schwerem, goldenen Ornat verkleidet, am Ende der knapp Eineinhalb-Stunden-Climax der Selbstermächtigung aber militärisch uniformiert »in eine Art Führer« verwandelt, der seine bösen Provokationen ins Volk brüllt. Das Schlimmste an solchen Veranstaltungen freilich ist wahrscheinlich etwas, das im Programm selbst nicht vorkommt: dass wie z.B. in Hamburg eine Reihe von vielleicht 35-Jährigen Erwachsenen viele 8 und 9 Jahre alte Kinder mitgenommen hatte.
Wir werden bei nüchterner Betrachtung die Augen nicht davor verschließen können, dass eine tatsächlich »neue Qualität von Religion«6 seit 20-25 Jahren zunehmend unsere Kultur prägt und das europäische nichtfundamentalistische Christentum gesellschaftsweit »zum Abschuss freigibt«7. Das Dogma »Tun Sie etwas für sich« ist flächendeckend zur neu-abendländischen, den alteuropäisch-religiösen Maßstäben überlegen erscheinenden allgemeinen »Glücksbefriedigungsstrategie« und »Erfolgsreligion«8 geworden: »Gewalt muss sein« - für den Körper wie für die Seele, weil das »Ich will …« alle Fragen nach dem »Was soll ich tun« auch bei uns schon mehrheitlich abgelöst hat. Bis in den Alltag und bis in menschliche Intimität hinein erscheinen heute nicht nur bei der TV-Show »Big Brother« menschliche Fragen und Kernkonflikte wie selbstverständlich in der Sprache des Kontroll- und Machtdenkens. Der technisch-industrielle Blick erfasst immer mehr alles: auch Menschen werden grundsätzlich im Blick auf ihre Einschaltquoten und wirtschaftliche Verwertbarkeit behandelt: es geht um Tausch, Belohnung, Kosten, Konformität, Konkurrenz, Zufriedenheit, Autorität usw. Es wird gesellschaftlich fast überall ohne Sanktionen toleriert, über Menschen zu sprechen ohne wirkliche Anteilnahme und innere Beteiligung: verobjektivierend, verfügend, letztlich unübersehbar mit einem gewaltförmigen Blick, je machtvoller und erfolgreicher, umso besser.
Es ist mitten unter uns zur tolerierten Religion neben dem Kirchen-Christentum geworden, Macht und Kontrolle zum herausragenden Motiv und Grundmuster gesellschaftlicher Ordnung und Kommunikation zu machen und Menschlichkeit als Produkt und Ergebnis der Technokratie der eigenen Seele verstehen zu können: der Wille soll heute das entscheidende menschliche Moment des Menschen sein. Viele Volkshochschulen und sehr viele auf die Leistungsfähigkeit der Person zielenden betrieblichen Fortbildungen bieten Willenstraining, um erfolgreich funktionieren zu können und die verheißene Herrschaft über die eigenen Verzweckungen zu gewinnen. Die Firma bezahlt die Tröstungsseminare über die Beschädigungen der Wirtschaftswelt, auch wenn die Validität der Seminare nicht feststellbar ist: Was menschliche Wertschätzung ist, gewinnt seinen Inhalt automatisch in immer mehr relevanten gesellschaftlichen Zusammenhängen in Verbindung mit Macht und Autorität und der erfolgreichen Kalkulation von Aufwand, Kosten und Belohnung: Menschliches Verhalten soll und muss sich rechnen. Denn menschliches Verhalten ist im Prinzip eine Sache der Berechnung. Ich nenne genau dies den verdünnten allgemeinen Satanismus. Denn damit wird deutlich, worum es hier geht: um das Kernproblem der moralischen Konstituierung unserer Gesellschaft.

III.

Betrachten wir noch einmal kurz die mächtigste Quelle und das Schwergewicht satanistischer Gruppenbildung: es liegt in den USA, wo seit gut 20 Jahren eine »verwirrende Vielfalt satanistischer Kulte« in der Nachbarschaft von Silicon Valley so etwas wie eine »kalifornische Renaissance des Satanismus« (Joachim Schmidt) zustandegebracht hat: »Symptom für die zunehmende Verzweiflung und Orientierungslosigkeit in der modernen Massengesellschaft«, ein verzweifelter Versuch, sich (in der US-Profitkultur) durch Machtmagie ein Stück Individualität zu bewahren und der allgemeinen Nivellierung zu entkommen, wie die US-Studie von Lyons (1970) es zusammenfasst.9
Von dieser Konjunktur der Machtmagie befördert hat sich vor allem auch in den USA und von dort aus missionierend in Europa eine ganze Reihe von z.T. schon hochorganisierten Satanismus-Derivaten ebenso wie ein in vielen Formen subkulturell manifester, affektiver Ego-Macht-Habitus gebildet, die zusammen inzwischen eine dichte pseudoreligiöse Unkultur oder Gewalt-Landschaft bilden. F. W. Haack hat sie einst treffend »Satanistische Sekundärsekten« genannt.10 Paradebeispiel dafür ist nach wie vor der Gründer der Scientology-Organisation L. Ron Hubbard, dessen satanische Weisheiten (»gib und empfange keine Kommunikation, wenn du nicht selbst es willst« usw.) als »Hubbardismus« inzwischen zum selbstverständlich integrierten Glaubens-Rückgrat einer Legion von Lebenserfolgs-Gurus, Persönlichkeitstrainern und Therapeuten geworden ist. Tausende Multiplikatoren auch in unserem Land fördern intensiv Formen und mediale Verstärkungen der völligen Religionsabkehr, der Verherrlichung des Menschen11, der institutionellen Mythologisierung des Ich, seiner Power, seiner Durchsetzungskraft und Fähigkeit, beneidbare Wunschpotentiale möglichst schnell und unmittelbar in Besitz zu nehmen.
Für den auch in unserer neureligiösen Landschaft inzwischen auch qualitativ weit ausdifferenzierten Sektor der Ich-Aufladungs-Kultur durch Satanismus-Derivate bzw. durch die diese fördernden maßgeblichen gesellschaftlichen Interessen verantwortlich ist nicht zuletzt auch der US-Import radikalcharismatischer und neoevangelikaler, z.T. direkt theosophisch beeinflusster Erfolgsreligionen. Darunter fällt alles Sekten-Christliche, das mit Positivem Denken und Bekennen und vor allem mit der Wohlstandslehre arbeitet, »die zur Zugnummer und zur heiligen Kuh der US-amerikanischen Glaubensbewegung geworden ist. Die Wohlstandslehre weckt Habgier, sie verbreitet den egozentrischen Gedanken, dass man geben solle, um letztlich zu empfangen …«12, um durch den solchen Glauben »gesund, reich, gesellschaftlich anerkannt und glücklich« zu werden. Diese Annäherung an das US-amerikanische Gesellschaftsdenken, das wirtschaftliche Freiheit durch das Medium Geld nicht als äußere Voraussetzung für Religion, sondern als Religion selbst versteht, hat in den USA längst schon Zug um Zug die aus allen gerade jetzt in vielen wichtigen Details gestaltungsoffenen Möglichkeiten einer religionspolitisch für die Kirchen und Religionsgesellschaften sehr wohl notwendigen europäischen Verständigung in der Rechtskultur unmöglich gemacht. Der Grund dafür ist eben diese aus den USA kommende sehr gefährliche, »teuflische« Mischung von Religion und Politik, die wirtschaftspolitischen Globalradikalismus und religiösen Fundamentalismus wechselweise verstärkt: die auf Expansion und wirtschaftliche Macht ausgerichteten US-Religionstrust und Sektenmultis sind inzwischen untrennbar mit der Außenpolitik der USA verbunden. Im Gegensatz zur Trennung von Religion und Staat in Europa begegnet uns in den USA eine volle Funktionalisierung des Religionssektors für »politische Missionsarbeit« nicht nur in Osteuropa. Hatte schon Billy Graham unverhüllt mit »Gott ist auf unserer Seite« für den Vietnam-Krieg geworben, »militärische Stärke, kompromisslosen Antikommunismus und rückhaltlosen Patriotismus« gepredigt und so die Neoevangelikale Bewegung zur heute dominanten religiösen Gruppe innerhalb der US-Armee gemacht, so muss nun auch der Spendensammel-Trust seines Sohnes Franklin der »Relegitimierung evangelikaler Denkmuster und der medial perfekt inszenierten Propaganda der neuen weltpolitischen Erlöser-Rolle der USA« dienen. Neoevangelikal meint hier: die enge Anlehnung an alttestamentliche Prophezeiungen, die die Symbole biblischer Heilsgeschichte mehr und mehr und immer ungenierter auf die amerikanische Nation und Außenpolitik überträgt. »Biblische Vorgaben bilden inzwischen einen stabilen kognitiven Rahmen evangelikaler Außenpolitik und beschränken den kommunikativen Blickwinkel auf ganz bestimmte Themen« - wie schon bei Billy Graham selbst begonnen: die USA sind die »one nation under god«, das »New World Israel«, die »Redeemer Nation«. Paul Boyer hat diese Verhältnisse schon 1992 in seinem in Cambridge erschienenen Buch »When Time Shall Be No More: Prophecy Belief in Modern American Culture« eindrücklich nachgezeichnet: hier wird Leben und Welt, Kirche und Glaube, Mitmensch und Politik nur noch »trough the refracting lens of prophetic belief« gesehen (S. XII), was heißt: Religion in den USA unterfüttert die handfesten außenpolitischen Interessen der USA und stärkt auf diese Weise, wie es soll, auch den Verbund zwischen globaler Wirtschaftspolitik und religiösem Enthusiasmus.
Es wäre für uns auch in der Lage nach dem 11. September höchst fahrlässig, diese unlösbar zementierten politischen Implikationen religiöser Äußerungen in den USA zu verschweigen. Dass sich heute der mit Non-Profit-Marketing aufgerüstete Neo-Evangelikalismus innerhalb der USA, um seinen politischen Einfluss zu stärken, »als zivilreligiöser Verfechter traditioneller Werte« auftritt und mit »biblischen« Mitteln das religiöse Deutungsmuster für die neue weltpolitische Lage und Rolle der USA auf allen Medien erfolgreich in Szene setzt, ist in den USA wohl bekannt. Schulung und Schrifttum unterfüttern diese Form politischer Prophetie bei fast allen öffentlichen Anlässen passgenau. Immer wieder hat z.B. Billy Graham, der nicht ohne Grund beim interkonfessionellen Trauergottesdienst für die Toten des WTC-Desasters in Washington das überlange Schlusswort sprechen durfte und sprechen sollte, immer auch deutsche »sozial klingende Organisationen« mit schwarzer Propaganda als »kommunistisch unterwandert« verleumdet.13 William Martin hat in: With God on our Side: The Rise of The Religious Right in America, New York 1996 auch innerhalb der USA die dazu nötige Aufklärung gegeben.

IV.

Die wenigstens erkennen den hauptsächlichen Cover-Charakter des »Pluralismus« der US-amerikanischen Staatsideologie, die sich auf die Formel bringen lässt: »create needs«. Universalismus und Freiheit werden in den USA wie eine Staatsreligion behauptet und gerade jetzt bei der Mobilisierung der US-amerikanischen Öffentlichkeit für den globalen Krieg gegen den Islamismus in vielen zivilreligiösen Akten und Ritualen als religiöser Anker und Schutzmantel aller Profitbereiche und vor allem auch des militärischen Engagements gefeiert. Die religiöse Rhetorik in und aus den USA steht sehr unmittelbar im Dienst der Wirtschaftspolitik und schirmt eine durchaus sensible Öffentlichkeit von vielen Fragen ab. Das genau definierte Konzentrat einer zivilreligiöser Symbiose von Religion und Politik der auserwählten »one nation under god«14 ist keine unabhängige gesellschaftliche Macht wie in Europa, sondern ein funktional in den Regierungsapparat voll integriertes Sicherungsorgan und politischer Verstärker der scheinuniversalistischen Selbstbezüglichkeit des nach Bedarf sehr schnell auch militärisch abgeschirmten politisch-wirtschaftlichen Systems: Überdeutlich hat der zivilreligiöse »öffentliche Sinnbezug« in den USA funktionalen und vor allem kompensatorischen Charakter. Er dient dem Erhalt und der verdeckten Verfolgung eigener inzwischen globaler Machtwirtschaftspolitik der von der politischen Klasse durchaus sorgenvoll betrachteten eigenen Ordnung. »Die amerikanische Öffentlichkeit, die fast nie etwas über die imperialen US-Vorhaben im Ausland gehört hat, ist nicht in der Lage zu verstehen, warum gerade sie vom Rückschlag dieser Projekte wie von einem Bumerang getroffen wird. Deshalb sitzen die US-Kriegstreiber fest im Sattel ohne nennenswerte Opposition«, so der frühere CIA-Berater Chalmers Johnson gerade eben im letzten »SPIEGEL«15.
Der aggressive Export des eigenen Religions-Freiheitsverständnisses über die USA-Grenzen hinaus, vor allem aber nach Europa, hat nur am Rande mit dem Thema Scientology zu tun. Gewiss ist Washington das faschistoide Gehabe und die informationelle Zuarbeit des Scientology-Geheimdienstes OSA in vielen Hinsichten nützlich und willkommen. Dessen Kooperationslage mit dem CIA und die im Bedarfsfall durchaus blitzschnelle und rabiate US-diplomatische Unterstützung für Scientology spricht Bände und immer zahlreicher sind auch Scientologen als Funktionäre, Anwälte und Unterstützer mit Einfluss auf Drittinstitutionen auf den institutionellen Aktionsfeldern der US-Regierungs-Religionspolitik zu finden16, die den religiösen Fundamentalismus als passgenaue Ergänzung ihrer globalen Wirtschaftspolitik weltweit mit allen ihren Mitteln fördert und dies seit wenigen Jahren mit enormem Einsatz.
Dieser Einsatz hat aber vor allem eine wirtschaftliche Logik: dass die Sektenpolitik einiger europäischer Länder diesen Vermögenslagen großer und kleiner US-Sektenkonzerne wenn auch nur durch die bloße Besteuerung von Gewinnen immer schmerzlichere Einbußen beschert, dürfte der einzig relevante Grund dafür sein, dass seit Anfang Februar 1997 das dem US-Außenministerium angegliederte »Bureau for Democracy, Human Rights and Labor« (BDHRL) europäische Länder, vor allem Deutschland, »heftig angegriffen und in der Liste der Länder, welche die Religionsfreiheit missachten, gleich hinter China eingestuft«17 hat. 1998 verabschiedet der US-Kongress ein neues Gesetz zur Sicherung der Religionsfreiheit in der gesamten Welt (!). Dafür wurde im BDHRL auch eine neue Abteilung eingerichtet: das »Office of International Religious Freedom«. »Mit einem bevollmächtigten Botschafter an der Spitze, dem fünf Beamte des Außenministeriums zugeordnet sind, besitzt der neue Ausschuss in allen US-Botschaften einen Vertreter«; Chef der Behörde im Botschafterrang wurde Robert A. Seiple, ein Ex-Marine, »dessen Lieblingsspruch lautet: ›Die individuellen Freiheitsrechte sind allgemein gültig, weil sie eine Gabe Gottes sind‹«18. Seiple ist ein idealtypischer Vertreter der US-amerikanischen Ideologie von Freiheit, Wirtschaft und Geld. Elf Jahre lang stand er vorher an der Spitze der ultrakonservativen World Vision Inc., eines der finanzstärksten und zugleich umstrittensten christlichen Spendensammelwerke. Er ist die treibende Kraft des ersten Berichts des neuen »Office of International Religious Freedom« im September 1998, der Deutschland, Frankreich, Österreich und Belgien wegen Verletzungen der Religionsfreiheit anklagt. Besonders die französische parlamentarische Untersuchungskommission wird von diesem Arm der US-Regierung »in die Nähe blinder Verfolgungswut gerückt«19. Aber die treibende Kraft ist nicht die US-Regierung allein: der Sendungsdrang des gesamten konservativen christlichen Establishments, darunter die Southern Baptist Convention mit allein 16 Millionen Mitgliedern, die »Sektenmultis« und die jüdischen Glaubensgemeinschaften drückten im Oktober 1998 das »Gesetz zum Schutz vor religiöser Verfolgung« durch, mit dem sich die Hypermacht USA ein weiteres Instrument imperialer Machtpolitik zugelegt hat, das je nach Wunsch ein- und abschaltbare Sanktionen vorsieht. Der Präsident kann, das Kosten-Nutzen-Verhältnis abwägend, die Sanktionen (öffentliche Verurteilung der Regierung, Einfrierung von Hilfsleistungen und Krediten, Wirtschaftssperren) aussetzen, wenn das dem »nationalen Wohl« dient - also allein den wirtschaftlichen und strategischen Interessen, der politischen Selbsterhöhung und dem weltweiten Expansionshunger auch der US-Religions-Wirtschaft.

V.

All dies verweist auf eine in den USA inzwischen manifeste nationalreligiöse Grundlage: den Amerikanismus. Es wäre viel zu harmlos, diesen Amerikanismus nur »Zivilreligion« zu nennen. Werner Kremp, der intellektuelle Kopf der »Atlantischen Akademie«, nennt ihn »eine moderne Version des Katholizismus«, die, so philosophiert er, »mit erstaunlicher Konsequenz und Ausdauer Amerika letzten Endes nicht nur zum Erbe des Imperium Romanum, sondern auch des spirituell-katholischen Roms gemacht hat und noch macht«20, sodass, vereinfacht gesagt, »der amerikanische Präsident als Oberhaupt der Kirche des Amerikanismus gelten kann«21. Der Vergleich ist vorzüglich und kaum zu übertreffen, denn »dass amerikanische Außenpolitik wie amerikanisches Selbstverständnis generell in hohem Maß einen quasi-religiösen Impetus hat, dass sie dem ›American Creed‹ verpflichtet ist, dass sie von einem ›politisch-demokratischen Missionsglauben‹ motiviert wird und dass ›eine Konvergenz zwischen religiösen Mythen und außenpolitischen Zielen stattgefunden (hat), die sich als Sendungsbewusstsein innerhalb eines manichäisch geprägten Weltbilds weltpolitisch artikuliert‹, ist jedem Analytiker amerikanischer Außenpolitik heute eine selbstverständliche Erkenntnis«22. »Manichäisch« heißt: es gibt bessere und schlechtere Menschen und: hier sind die Guten und dort die Bösen. Dieser Tendenz kann sich auch der Katholizismus innerhalb der USA schon lange nicht mehr entziehen. Er ist, wie in Rom durchaus sorgenvoll gesehen wird, »in Gefahr, sich zu sehr zu ›(US-)amerikanisieren‹ und damit seine Seele an die andere große universalistische Kraft, den Amerikanismus, zu verlieren«23.
Auch die eigentlich gar nicht mit Religionspolitik befasste unabhängige US-Bundesbehörde »Commission on Security and Cooperation in Europe« veröffentlichte im Juni 1999 einen Anhörungsbericht, in dem wiederum die Religionspolitik der französischen Regierung als »Inquisition« mit dem gesamten Vokabular menschenrechtlicher Empörung verurteilt wird. Die französische Regierung hat auf die Erwirtschaftung kolossaler Gewinne durch Sektenunternehmen hingewiesen, die zu Recht der Steuerpflicht zu unterwerfen seien. Der parlamentarische Untersuchungsbericht in Frankreich 1999 »listet 180 angeblich religiöse Organisationen auf, die nach eingehender Untersuchung als totalitär einzuschätzen seien, weil sie ihre Anhänger mit psychologischem Terror bei der Stange halten. Gegen die meisten dieser Organisationen liegen rechtskräftige Urteile vor …«24. Doch dies alles ist in der US-Perspektive ein »Verbrechen gegen die Religionsfreiheit«. Am 9. September 1999 veröffentlichte das US-Büro für Internationale Religionsfreiheit einen neuen Jahresbericht, in dem die europäischen Länder noch schärfer angegriffen werden denn je zuvor. Wenig später, am 21. Oktober 1999, wird in einer Pressekonferenz des Außenpolitik-Ausschusses unter dem Vorsitz des Senators Ben Gilman von diesem die These erläutert, »Amerikaner brechen ihre Verfassung, wenn sie sich nicht überall gegen die Verfolgung von Minderheiten-Religionen erheben«25, und Gilman meinte mit »überall«: weltweit, Europa zuerst. Gilmans geübtes Echo, Senator Mike Enzi, ein Republikaner aus Wyoming »fordert die Berliner Schröder-Regierung auf, ›endlich den Pluralismus zu umarmen‹ und Druck auf die europäischen Nachbarn auszuüben, ebenfalls toleranter gegenüber kleinen Religionsgemeinschaften und deren Anhängern zu sein«26.
Auch der bisher letzte Bericht des US-Büros für Internationale Religionsfreiheit vom 2. März 2001 »erhebt aber nach wie vor die schärfsten Anschuldigungen«27gegen europäische Regierungen: Eine umfängliche Hierarchie von Kommissionen der US-Regierung ist inzwischen ausschließlich mit der Religionspolitik als einem Schlüsselunternehmen der immer mehr fast militärisch organisierten kulturellen Außenpolitik beschäftigt. Foucherau hat jüngst in »Le Monde Diplomatique« das Exerzierfeld dieser Organisationen, ihrer für die Lobbyarbeit erfolgten vollständigen Verflechtung untereinander exemplarisch dargestellt - von Scientology bis hin zum christlichen Fundamentalismus einträchtig in den religionswirtschaftlichen Interessen vereint -, und auch einiges Erhellende zu den personellen Verflechtungen notiert28. Es geht immer um Geld, um viel Geld, und um die Expansion der 90% aller Sekten in Europa betreffenden neuen US-Kulte, die durch europäische Sektenskepsis behindert wird.
Hemmungslos wird der Kampf der US-Regierung für eine weltweite Religionsfreiheit mit dem (früheren) Kampf gegen den Kommunismus gleichgesetzt. Die Präsidentin des in allen Regierungsinstitutionen und Religionskommissionen höchst einflussreichen ultrakonservativen »Institute on Religion and Democracy« Diane L. Knippers: »Wir setzen uns heute aus demselben Grund für die Religionsfreiheit ein wie damals gegen den Kommunismus. Eine menschliche Gesellschaft kann sich nicht entfalten, wenn sie in der Lüge lebt. Atheismus und Kommunismus können nur Lügen hervorbringen. Spiritualität ist ein Garant der Zivilisation, denn Spiritualität und Glauben bringen ehrliche Menschen hervor. Ohne Ehrlichkeit kein Handel und ohne Handel keine Zivilisation«29.
Im Huckepack der »Globalisierung« versuchen die amtlichen und halbamtlichen Lobbygruppen und Regierungskommissionen die US-amerikanische Sektenwelt zum profitablen Exportartikel zu machen. »Die Globalisierung der Märkte und der amerikanischen Werte, so noch einmal Diane Knippers und das ›Institute on Religion and Democracy‹, sei den Vereinigten Staaten von der Bibel aufgetragen. Diese mystisch-imperiale Weltsicht teilen sämtliche fundamentalistische Gruppen in den USA; sie sind der ideologische Rahmen all jener Kräfte, die sich zu Verfechtern der Religionsfreiheit berufen fühlen«; Nina Shea, eine sehr repräsentative Stimme unter den Funktionären der US-Religionspolitik, sagt ungeniert: »Unser Hauptziel besteht in der weltweiten Durchsetzung der neuen liberalen Ordnung«30. Kurz vor dem 11. September hat US-Außenminister Colin Powell es so ausgedrückt: »Wir sind Verkäufer. Wir verkaufen das freie Wirtschaftssystem, das amerikanische Wertesystem; ein Produkt, für das eine große Nachfrage und großen Bedarf gibt«31. Und wenn es diesen Bedarf nicht gibt, wird, wenn möglich, durchaus auch skrupellos nachgeholfen, wie 1953 in idealtypischer Weise beim Sturz des iranischen Ministerpräsidenten Mossadegh oder - auf deutsche Verhältnisse exemplarisch angewandt: bei der Eroberung auch der deutschen Medien- und Kulturindustrie, wie sie gerade eben umfänglichst bei Frances Stonor Saunders »Wer die Zeche zahlt. Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg«, 1999, deutsch bei Bertelsmann Berlin 2001, als Infiltration jeder Nische des westlichen Kulturbetriebs durch freiwillige und unfreiwillige Sympathisanten der US-Kultur mit allen Mitteln belegt ist.
Dass in Europa kulturpositive Grund-Einverständnisse eine objektive Rechtsgestalt gewonnen haben mit genau beabsichtigten Folgen: nämlich stets Maßstäbe und Grenzen für Fremdes, für Neues und gegen Eingriffe Dritter, auch des Staates, zu setzen, wird in den USA kaum zur Kenntnis genommen. Das US-amerikanische Selbstverständnis begreift nicht die Disziplin einer spezifisch europäischen »Freiheit«. Denn das europäische Christentum versteht Freiheit nicht in der rudimentären Form der Freiheit des wirtschaftlich Starken und Stärkeren, sondern als reflektierte rechtliche Regelung und damit auch als einzig mögliche Sicherung von Freiheit, die, wie es John Locke idealtypisch vorexerziert, der politischen Gewalt die Religion als Mittel, Radikalität und Opferbereitschaft zweckrational zu erzeugen, so weit wie möglich geradezu entziehen muss. Was in Frankreich als bekanntes Diktum die triadische Grundbestimmung »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit« skandiert, ließe sich als deutscher Verfassungsextrakt nicht allzu weit entfernt als »Würde, Freiheit, Gerechtigkeit« entsprechend setzen. In englischer Umsetzung würde der Freiheitsbegriff sogar noch stärker integriert erscheinen in der Trias etwa von »Gleichheit, Unparteilichkeit und Verdienstgerechtigkeit«. Immer prägen in Europa die Rechtskultur voll durchfärbende, das Soziale gleichwertig achtende positive Ordnungsmuster die Rechtspolitik. Sie disziplinieren die Freiheit des Einzelnen ohne sie aufzuheben, auch und gerade was den Religionsbereich betrifft. Nie ist in Europa Freiheit nur wirtschaftliche Freiheit, sondern Freiheit wird mit den anderen menschlich wichtigen Dingen des gesellschaftlichen Lebens zusammengebunden, die die Alltagsintuitionen zu Wert und Würde der menschlichen Person auf im öffentlichen Leben über Jahrhunderte in Europa tief verankerte rechtskulturelle Begriffe gebracht haben.
Vor diesem Hintergrund muss jede vollmundige »uneingeschränkte Solidarität« mit den USA fraglich werden. Die Verantwortung, die nicht nur Deutschland, sondern jede mehr oder weniger christlich-europäische Regierung hat, liegt gewiss auch in Solidarität mit den Opfern und im gemeinsamen Einsatz gegen Terrorismus, aber sie liegt ebenso sehr darin, kritisch denkender Partner zu bleiben und dem global entgrenzten US-Wirtschaftsimperialismus religiöse Aufklärung zuzumuten und ihm politische Grenzen aufzuzeigen - aus Vernunft und nicht zuletzt auch genau aus Religion.

Anmerkungen:

1 Text des Vortrags beim Dekanatsmännersonntag Erlöserkirche Ludwigshafen am Rhein am 21. Oktober 2001.

2 Jürgen Habermas: Glauben und Wissen. Die Rede des diesjährigen Friedenspreisträgers des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, in: FAZ 15. Oktober 2001, S. 9.

3 John LeCarré: Dieser Krieg ist längst verloren, in: FAZ 17. Oktober 2001.

4 Dean Sherman: Spiritual Warfare for Every Christian, Ywam Publ. 1989 - ein US-Bestseller bis heute..

5 So und noch weiter variiert in unvorstellbarem Blödsinn von Thomas Gross »Satanische Verve« in der ZEIT vom 23. November 2000.

6 Hans Jürgen Ruppert: Satanismus, EZW-Texte Nr. 140, Berlin 1998, S. 1.

7 Ruppert aaO. S. 41.
8 Ruppert aaO. S. 4f.
9 A. Lyons: The second coming, New York 1970, S. 144.
10 Haack aaO. S. 39.

11 »›Deus est Homo‹ lautet die Urformel des Aleister Crowley und mit ihm aller Thelemiten. Und das Wesentliche an diesem Gott-Menschen ist der Wille. ›Thelema‹ heißt ›Wille‹, nicht einfache Begierde, die etwa Gefühlen unterworfen ist …«, vgl. bei Friedrich Wilhelm Haack: Anmerkungen zum Satanismus, 1991, S. 195.

12 D. R. McConnell: Ein anderes Evangelium? Eine historische und biblische Analyse der modernen Glaubensbewegung, deutsch Hamburg 1990, S. 233ff.

13 William Martin: With God on our Side: The Rise of The Religious Right in America, New York 1996, S. 34.

14 Vgl. bei Manfred Walther: Säkularisierung und politische Symbolik - Zur Mentalitätsgeschichte der europäischen Entwicklung in transatlantischer Perspektive, in: Werner Kremp und Berthold Meyer (Hg.): Religion und Zivilreligion im atlantischen Bündnis, Trier 2001, S. 47-57, hier bes. S. 42f.

15 Chalmers Johnson: »Kein Rezept für den Frieden«. Der Politologe Chalmers Johnson über die Widersprüche der amerikanischen Einsätze in Afghanistan, in: Der SPIEGEL Nr. 42 vom 15.10.2001, S. 206.

16 Vgl. bei Bruno Fouchereau: Sektendiplomatie im Namen der Freiheit, in: Le Monde diplomatique, Deutsche Ausgabe Mai 2001, S. 20: »Schlüsselfiguren und konzertierte Aktionen«.

17 Fouchereau aaO. S. 1.
18 Fouchereau aaO. S. 20.
19 Fouchereau aaO.

20 Werner Kremp: Ist der Amerikanismus ein Katholizismus?, in: Stimmen der Zeit 2000, 333-344, hier S. 333.

21 Kremp aaO. S. 338.
22 Kremp aaO. S. 339.
23 Kremp aaO. S. 342.
24 Fouchereau aaO.
25 Der Tagesspiegel Online 23. Oktober 1999.
26 Der Tagesspiegel aaO.
27 Fouchereau aaO.
28 Fouchereau aaO.

29 Die Präsidentin des einflussreichen ultrakonservativen »Institute on Religion and Democracy« Diane L. Knippers in der Los Angeles Times am 9. September 1999, bei Fouchereau S. 21.

30 Bei Fouchereau aaO.

31 Zitiert bei Katja Gelinsky: Verkäuferin, in: FAZ 18. Oktober 2001, S. 16.


Leserbrief senden Pfarrer Dr. R. Z. ist Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Protestantischen Landeskirche der Pfalz.

Samstag, der 26. Januar 2002, 19:07 Uhr
Name: Pfarrer Rieper, Cloppenburg
E-Mail: PFARRERRIEPER11@compuserve.de
Homepage: keine Homepage

Predigtwort zum Sonntag "Septuagesimä":
Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Mat-
thäus; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm. Matth. 9, 9

Stellen Sie sich doch einmal vor - nur einen Augenblick - dieser Jesus käme heute bei
Ihnen vorbei und verhielte sich wie damals. Es käme heute zu Ihnen ein heimatloser
Wanderprediger, der überall herumzieht, der nirgends ein Dach über dem Kopf hat,
der nicht mehr als sein Wort anzubieten hätte. Und er spräche zu Ihnen: "Folge mir!"
Es wäre ein Wochentag: Sie säßen vielleicht gerade beim Frühstück und wollten jetzt zu
ihrer Arbeitsstelle aufbrechen. Oder - wenn sie schon älter sind - sie hätten eben vor, ihr
Mittagsschläfchen zu halten...und er sagte nichts als dies: "Folge mir!" - Ich gebe zu, es
ist viel verlangt, sich das vorzustellen. Darum ergänze ich jetzt noch dies: Alle, die er
anspricht, wüßten noch, daß dieser Mann nicht irgendein hergelaufener Spinner ist.
Wir würden vielleicht an seinem Blick oder dem Nachdruck, mit dem er spräche, erk-
ennen, hier ist mehr als irgendein Wort, hier geht es um etwas sehr Wichtiges, hier steht
etwas auf dem Spiel. Um es nun aber ganz vergleichbar zu damals zu machen, müßten
wir auch das noch sagen: Wir hätten auch schon von ihm gehört, diesem Mann Gottes,
der Kranke geheilt und sogar schon Tote auferweckt haben soll. Aber gesehen haben
wir das nicht. Es wäre bloßes Hörensagen und nicht unsere eigene Erfahrung.
Trotzdem, wir sind uns gewiß einig: Wir würden seinem "folge mir" höflich aber bes-
timmt unser "leider verhindert" oder "heute nicht" oder "habe anderes vor" entgegen-
setzen. -
Und da spätestens - wenn wir bisher mitgedacht haben - entsteht doch jetzt auch in uns
die Frage: Warum folgt denn dieser Zöllner Matthäus, von dem uns hier erzählt wird.
Warum läßt dieser Mensch so Hals über Kopf seine Zollstation im Stich, um mit Jesus
zu gehen. Ja, es scheint dem Erzähler dieser Geschichte nicht einmal wichtig erwähnt zu
werden, ob dieser Mann Familie hatte, ob er jetzt nicht erst einmal sein Bündel
schnüren und sich von seinen Leuten verabschieden mußte. Noch einmal: Dieser Mat-
thäus am Zoll wußte nichts anderes von Jesus, als ich vorhin geschildert habe: "Wan-
derprediger, Heiler, Mann Gottes" - mehr aber nicht! - Warum folgt er?
Wir wissen, daß Matthäus, der Zöllner, ein schuldbeladener Mann war. Zolleinnehmer
waren meistens auch Betrüger. Sein Ansehen bei den Leuten war das eines Verbrechers.
Sein Leben lang wäre er seinen schlechten Ruf, den Makel, der an ihm klebte, niemals
losgeworden. Und er war einsam! Vielleicht hat er ja noch eine Frau gehabt, aber gewiß
keine Freunde. Jeder rechtschaffene Jude hat einen Bogen um ihn gemacht. Für ihn ist
Jesu Ruf also die Chance! Darum muß er keinen Augenblick überlegen, ob er sie er-
greift! Das wird nie wieder kommen - so wie für uns vielleicht 6 Richtige im Lotto!
Und wir? - Das ist sicher hart jetzt, das zu hören, aber ich glaube, wir sind in genau
derselben Lage! Wir mögen nun wissentlich niemanden betrogen haben, aber die
Schuld unseres Lebens ist auch groß: All die Taten, die wir besser nicht getan hätten.
All die Stunden, die wir ohne die richtige Entscheidung und das rechte Tun haben ver-
streichen lassen. Die Worte, die wir gesagt und mit denen wir verletzt haben wie mit
einem Messer. Aber auch die Worte, die ungesagt geblieben sind, mit denen wir doch
hätten klären und Wunden verbinden können. Schließlich all unser Denken und
Dünken, mit dem wir anderen zur Last gefallen sind, mit dem wir Gottes weite Liebe in
uns eng gemacht, anderen Gott verdunkelt und vielleicht ihren keimenden Glauben zer-
stört haben. Und dazu noch all die Schuld, die nur wir selbst kennen und unser Gott.
Und nicht zuletzt: Fehlt uns nicht auch ein letzter Sinn in unserem Leben? Sehnen wir
uns nicht nach einer Aufgabe..., daß wir sagen können: Ich weiß, wofür ich da bin. Ich
weiß, warum ich lebe.
"Folge mir", sagt Jesus heute auch zu dir und mir. Wir wissen nicht, warum er gerade
mit uns zu tun haben will, aber er will es. Wenn wir ja sagen und mit ihm gehen und bei
ihm bleiben, wird er uns alles geben, was ein Mensch wirklich braucht: Vergebung der
Schuld, Begleitung durch alle Tage des Lebens, Sinn, erfüllte Zeit und ein ewiges Ziel. -
Matthäus der Zöllner hat ja gesagt. Und wir?
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und lade Sie in den Gottesdienst Ihrer
Gemeinde ein.

Samstag, der 26. Januar 2002, 18:46 Uhr
Name: Pfarrer Rieper, Cloppenburg
E-Mail: PFARRERRIEPER11@compuserve.de
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Lieber Herbert Ferstl, arbeiten Sie bitte mit sauberen Argumenten. Die Kirchen geben nicht 2/3 ihrer Einnahmen für Pfarrergehälter aus. gehören Sie zu der "Sorte", Entschuldigung!, von Atheisten, die nicht mit Argumenten hantieren, sondern nur mit "Scheinargumenten". In "meiner" Landeskirche, der Ev. - luth. Kirche in Oldenburg, werden für die Pfarrer jährlich etwa 13 Millionen EURO ausgegeben. Die Gesamtausgaben betragen 80 Millionen EURO. 25 Millionen von 160 Millionen sind nicht 2/3. Oder waren Mathe nicht Ihre Stärke??? Aber, um der Kirche eines auszuwischen, scheinen alle Mittel legitim zu sein. Ihre Wortwahl (Pfaffe z. B.) übrigens, lieber Herbert Ferstl, zeugt nicht von Respekt gegenüber einem Andersdenkenden (-glaubenden), sondern steckt voll von Intoleranz. Sie müssen noch Toleranz lernen, eine Eigenschaft, deren Mangel Sie der Kirche immer wieder vorwerfen! Denken Sie mal darüber nach! Einne guten Sonntag wünscht Ihnen Pfarrer Rieper aus Cloppenburg!

Samstag, der 26. Januar 2002, 18:43 Uhr
Name: Pfarrer Rieper, Cloppenburg
E-Mail: PFARRERRIEPER11@compuserve.de
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Lieber Herbert Ferstl, arbeiten Sie bitte mit sauberen Argumenten. Die Kirchen geben nicht 2/3 ihrer Einnahmen für Pfarrergehälter aus. gehören Sie zu der "Sorte", Entschuldigung!, von Atheisten, die nicht mit Argumenten hantieren, sondern nur mit "Scheinargumenten". In "meiner" Landeskirche, der Ev. - luth. Kirche in Oldenburg, werden für die Pfarrer jährlich etwa 13 Millionen EURO ausgegeben. Die Gesamtausgaben betragen 80 Millionen EURO. 25 Millionen von 160 Millionen sind nicht 2/3. Oder waren Mathe nicht Ihre Stärke??? Aber, um der Kirche eines auszuwischen, scheinen alle Mittel legitim zu sein. Ihre Wortwahl (Pfaffe z. B.) übrigens, lieber Herbert Ferstl, zeugt nicht von Respekt gegenüber einem Andersdenkenden (-glaubenden), sondern steckt voll von Intoleranz. Sie müssen noch Toleranz lernen, eine Eigenschaft, deren Mangel Sie der Kirche immer wieder vorwerfen! Denken Sie mal darüber nach! Einne guten Sonntag wünscht Ihnen Pfarrer Rieper aus Cloppenburg!

Samstag, der 26. Januar 2002, 15:48 Uhr
Name: Herbert Ferstl
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Die Taufe kann weder rückgängig gemacht noch wiederholt werden. Auch beim Kirchenaustritt behält sie ihre Gültigkeit … Selbst ein Austritt aus der Kirche kann den Zuspruch und Anspruch des Evangeliums nicht aufheben, der in der Taufe sichtbaren Ausdruck gefunden hat." (biblisch-theologische Orientierung 112)

Richtig. Deswegen ist es auch voellig egal, ob man aus einer Kirche austritt. De facto ist man durch die Taufe stets Mitglied einer der beiden christlichen Vereine.
Wenn man nun noch beruecksichtigt, dass etwa 2/3 der Kirchensteuereinnahmen in der BRD fuer die Bezahlung von Pfaffengehaeltern draufgeht, kann man selbst als glaeubiger Christ (oder gerade weil man tief glaeubiger Christ ist) aus der Firma Papst AG (und seinem angeblich rebellischen Protest-Ableger) austreten.

Samstag, der 26. Januar 2002, 15:40 Uhr
Name: Herbert Ferstl
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In einigen Gemeinden wird der Austritt dann auch von der Kanzel abgekündigt.

Aus welchem Grunde wohl? Um dem vermeintlichen Delinquenten noch schnell zu diskreditieren? Wo bleibt hier der Datenschutz?

Samstag, der 26. Januar 2002, 15:37 Uhr
Name: Herbert Ferstl
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Welche kirchenrechtlichen Folgen hat so ein Austritt?
Sie werden nun meldetechnisch nicht mehr als ev./lt geführt, sondern als oa oder vd. Sie können zukünftig weder kirchliche Ämter wahrnehmen (weder Ehrenämter noch berufliche Positionen), sie verlieren das Recht, Taufpate zu werden (bestehende Patenschaften "ruhen"), Ihre Kinder können nur getauft werden, wenn Ihr Partner in der Kirche ist, kirchliche Trauungen können nicht stattfinden, sie können nicht kirchlich beigesetzt werden und verlieren das Recht, am Abendmahl teilzunehmen.
Aber, wenn es Ihnen ernst ist mit Ihrem Austritt, sollte Ihnen das alles eigentlich egal sein ...

Genau - sch....egal sollte Menschen diese Dinge sein. Sie sind fuer ein ethisch einwandfreies Leben voellig ohne Bedeutung.

Samstag, der 26. Januar 2002, 15:34 Uhr
Name: Herbert Ferstl
E-Mail: keine E-Mail
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Hi Kurt,

nein, hat er nicht, aber sprach davon, in diesem Jahr eine neue Aktion in der Augsburger Gegend zu starten.

Wir haben in Nuernberg und Umgebung das Info-Blatt "Wollen Sie 2,5% Lohnerhoehung" ueber 30.000 mal verteilen lassen. War ein toller Erfolg. Selbst der kath. Militaerbischof Mixa (Eichstaetter Bischof und somit zustaendig fuer das Gebiet in dem ich wohne) ist bei einem Gemeindebesuch damit konfrontiert worden. Unsere Aktion galt aber als Gegenaktion zur evangelischen Landeskirche, die erstmals im Oktober 2001 mit Wiedereintritt in die Kirche warb (in den Medien) und Ausgetretene per Mailing anschrieb und telefonisch kontaktierte.

Gratuliere Herbert, wann ist es denn so weit?

Etwa im Juni.

Nochmal die besten Grüße an Deine Frau.

Mach ich - Du bitte auch!

Gruesse
Herbert

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