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Mittwoch, der 6. Februar 2002, 11:56 Uhr
Name: Dieter Schmidt
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"Freireligiösen"-Immobilien Prenzlauer Berg, Pappelallee 15-17:

SPD/PDS-Skandal um Nazi-Sekte ausgeweitet

Nach Aktenfund im Landesarchiv Berlin: War die Rückübertragung der Immobilien der nazistischen "Freireligiösen" an die "Freigeistige Gemeinschaft" legal ? –-
"Freireligiöse Gemeinde Berlin" war eindeutig nationalsozialistisch –-
Landesrechnungshof und Korruptionsbekämpfungsstelle des Kammergerichts eingeschaltet –-
HVD zog Fäden –- HVD will jetzt Immobilie in Friedrichshain –-
HVD verliert Gerichtsprozeß gegen das BIFFF... –- Briefbombendrohung gegen das BIFFF...

Die SPD-Politikerin, Ex-HVD-Vize und Berliner Freigeistigen-Vorsitzende Anke Reuther hat offenbar die Öffentlichkeit und die Behörden über den wahren Charakter der nazistischen Berliner Freireligiösen im Unklaren gelassen, um ihre Organisation "Freigeistige Gemeinschaft Berlin e. V." in den Besitz der früheren Freireligiösen-Immobilien Pappelallee 15-17 in Prenzlauer Berg zu bringen. Das wurde am Rande des groß angekündigten Gerichtsprozesses des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD) gegen das BIFFF... wegen unserer Kritik an der Freireligiösen-Ausstellung des Prenzlauer-Berg-Museums vom Januar 1999 klar. Der HVD hat den Prozeß bereits in der ersten Instanz am Landgericht Berlin hundertprozentig verloren. Daß er noch die SPD-Abgeordnetenhaus-Mitglieder und HVD-Mitglieder Kirsten Fussan-Freese, Regine Koch und Jutta Weißbecker als Zeuginnen auffuhr - sie sollten Gefälligkeitsaussagen zugunsten der HVD-Klage machen - nutzte auch nichts mehr. Das Gericht hörte die Zeuginnen gar nicht erst an und entschied zugunsten des BIFFF.... Und das Landgericht schrieb ins Urteil (AZ 27 O 131/99): "Der Kläger (HVD) stellt nicht in Abrede, sich um die Rückübertragung des Grundstücks Friedenstraße 60 in Berlin-Friedrichshain zu bemühen. Die Behauptung des Klägers, nach dem 30. Januer 1933 verfolgt worden zu sein, ist eine anspruchsbegründende Voraussetzung des Restitutionsanspruchs (vgl. 1 Abs. 6 VermG)". Schlecht für den HVD, der sich mit der Ausstellung "Kein Jenseits ist - kein Auferstehn" 1998/99 selbst in die Tradition der Freireligiösen stellte, denn wir fanden im Landesarchiv Berlin die alte Akte der "Freireligiösen Gemeinde Berlin e. V.", die eindeutig beweist, daß auch die Berliner Freireligiösen nationalsozialistisch orientiert waren. Schlecht auch für die Freigeistigen, denn sie müssen jetzt um die frisch "rückübertragenen" Immobilien Pappelallee in Prenzlauer Berg fürchten. Wir haben inzwischen Anzeige erstattet beim Rechnungshof von Berlin und bei der Zentralstelle Korruptionsbekämpfung des Kammergerichts: Zu viele Ungereimtheiten bei der "Rückübertragung" der Pappelallee 15-17, die SPD und PDS politisch mitverantworten, zu viel SPD-Prominenz bei den Nutznießern des Deals, zu viel PDS-Schützenhilfe für die Transaktion.

Die Sache ist kompliziert, und das half offenbar der kleinen Gruppe um Anke Reuther (1990-1994 SPD-Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus), ein millionenschweres Vermögen aus Staatsbesitz für sich zu privatisieren. Während wir wegen unserer Kritik an den Freireligiösen noch heftig beschimpft wurden vom Prenzlberger PDS-Stadtrat für Finanzen und Immobilienmangement Robert Scholz (Ex-SPD-Mitglied aus West-Berlin; ein Mann, der Luxus liebt und ihn sich leisten kann, der schon mal PDS-Freunde ins Familien-Landhaus in der Toscana einlädt - Chianti verbindet - und der selbst lieber im feinen Villenviertel Heiligensee Berlin-West wohnt statt in Prenzlauer Berg): er sei studierter Historiker und lasse sich von einem BIFFF... nichts vormachen, die Freireligiösen seien niemals Nazi-nah gewesen, er habe sich doch selbst erkundigt, "ich bin soweit vom Fach, daß ich Windbeuteleien erkenne" usw. - ja, währenddessen fanden wir im Landesarchiv Berlin, was dem Historiker Scholz, der jetzt in Immobilien macht, entgangen war: die Akte 94 VR 2429 des Vereinsregisters beim Amtsgericht Charlottenburg über die 1919 gegründete und 1935 erloschene "Freireligiöse Gemeinde Berlin e. V." (FGB-alt), die sich informell auf das Gründungsjahr 1845 zurückführte.

Klar nationalsozialistisch

Die Akte hat es in sich. Sie beweist die Nazi-Orientierung der FGB-alt bis ins Detail. Und diese Akte wurde vom Kulturamt Prenzlauer Berg unter PDS-Kulturstadtrat Burkhardt Kleinert bei der Ausstellung "Kein Jenseits ist - kein Auferstehn" über die Berliner Freireligiösen im Prenzlauer-Berg-Museum, die das Kulturamt gemeinsam mit Reuthers Truppe und dem HVD 1998/99 veranstaltete, mal eben vergessen. Die Ausstellung präsentierte die Freireligiösen als sozialistisch (das "national" ließ man weg) und diente offenbar dazu, einen materiellen Deal ideologisch abzusichern: die 1997/98 vollzogene Schenkung des früheren Immobilien-Eigentums der FGB-alt (ein Berliner Stadthaus von 1922 mit Hinterhaus, Pappelallee 15, und ein riesiges Gelände, der ehemalige Freireligiösen-Friedhof Pappelallee 17, mit "Feierhalle"), die inzwischen im Besitz des Bezirks Prenzlauer Berg waren, an die 1955 gegründete "Freigeistige Gemeinschaft Berlin e. V." (FGB-neu) der Prenzlberger SPD-Politikerin Anke Reuther. Die Schenkung lief rechtlich nicht als Schenkung, sondern als "Restitution", Wiedergutmachung für nationalsozialistisches Unrecht, das die FGB-alt angeblich erlitten hatte; die FGB-neu beansprucht die Rechtsnachfolge der FGB-alt.

Keine Kontinuität

Doch die Akten beweisen noch mehr. Vergleicht man die Akten der 1935 erloschenen FGB-alt und der 1955 gegründete FGB-neu, so fällt nicht nur auf, daß die beiden Organisationen völlig verschiedene Namen haben: Freireligiöse Gemeinde und Freigeistige Gemeinschaft. Die FGB-neu wurde in West-Berlin von Personen gegründet, die in der Akte der FGB-alt gar nicht auftauchen. Offenbar gibt es keine personelle Kontinuität. Lediglich die Behauptung "gegründet 1845" ist gleich - und gleich falsch, denn die Satzung der FGB-alt wurde 1915 errichtet, der Verein wurde 1919 ins Vereinsregister eingetragen, die FGB-neu gibt es überhaupt erst seit 1955. Wie will man da die Rechtsnachfolge antreten? Ebenso könnte jemand mit schwarzen Haaren kommen und behaupten, Nachfolger von Kaiser Nero zu sein, und das Colosseum in Rom als Eigentum beanspruchen. So gesehen war die Schenkung von 1997/98 mangels Rechtsnachfolge keine "Restitution", sondern illegal, ein Verschenken von Staatseigentum ohne jeden Grund, vielleicht ein Fall für den Staatsanwalt.

Reuther kennt die Akte der FGB-alt offenbar, denn in der Fortsetzung der Kulturamts-Ausstellung über die Freireligiösen, die Reuther jetzt selbst präsentiert - in Räumen der Pappelallee Haus Nr. 76, denn in "ihrem" Haus Nr. 15 sitzt der HVD; Ehrengast bei der Eröffnung der neuen Reuther-Ausstellung: PDS-Kulturstadtrat Burkhard Kleinert - zeigt sie zwei Seiten aus der Akte im Faksimile - allerdings andere als die, die wir hier veröffentlichen. Das Restitutionsverfahren betrieb die FGB-neu jedoch mit der Behauptung, Rechtsnachfolger und deshalb selbst Opfer des NS-Regimes gewesen zu sein, wie die Akte der FGB-neu beweist. Belog die FGB-neu die Behörden bewußt? Beide Behauptungen, die der Rechtsnachfolge und die der NS-Verfolgung, sind die rechtliche Grundlage der Restitution. Beide Behauptungen stehen nach unserem Aktenfund im Landesarchiv nun in Frage: Ohne eindeutige Nachfolge "FGB-alt zu FGB-neu" keine Restitution; wurden lediglich die einen Nazis von anderen Nazis verfolgt - wie es hier allenfalls der Fall war -, so fehlt auch jeder moralische Grund für eine "Wiedergutmachung". Hat außer uns niemand im Landesarchiv nach Aufklärung gesucht?

"Heil Hitler! Freireligiöse Gemeinde Berlin"

Die Akte der FGB-alt beweist alles, was wir bereits in früheren Stellungnahmen gegen die Freireligiösen-Ausstellung des Prenzlberger Kulturamtes vorbrachten, was Reuther, Kleinert, Scholz und der HVD jedoch bestritten haben: Die Berliner Freireligiöse Gemeinde war 1933/34 - wie die anderen freireligiösen Gemeinden im Deutschen Reich - nationalsozialistisch, und dies auch noch besonders demonstrativ. Die FGB-alt war in den 20er Jahren Mitglied des Dachverbandes "Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands" (BFGD), der 1924 im "Volksbund für Geistesfreiheit" (VfG) aufging. Geschäftsführer von BFGD und VfG war das NSDAP-Mitglied Carl Peter. Die Organisationen näherten sich im Lauf der Jahre immer mehr den neuheidnischen, völkisch-germanentümelnden Sekten und schließlich dem Nationalsozialismus an. Weil das Wort "Geistesfreiheit" zu liberal klang, nannte sich der VfG im Mai 1933 in "Deutscher freireligiöser Bund" um, im Juni 1933 nannte er sich wieder in BFGD um, im September 1933 nannte er sich in "Bund der Gemeinden Deutschen Glaubens" (BDGD) um, im Juni 1934 nannte er sich wieder in BFGD um. Peter war unter allen Namen Geschäftsführer, die FGB-alt war unter allen Namen Mitgliedsorganisation. Zum Vorsitzenden des BGDG wurde im September 1933 das SS-Mitglied Wilhelm Hauer gewählt, ein intellektueller Kopf des antisemitischen und antichristlichen "Kirchenkampfs" der Nazis. Aus führenden Vertretern der SS, aus völkisch-religiösen, neuheidnischen Sekten und aus dem BFGD/BDGD gründeten Hauer und der NSDAP-Reichtsagsabgeordnete Ernst Graf zu Reventlow - ein langjähriger Anhänger der Strasser/Röhm-Fraktion der NSDAP, der zahlreiche Freireligiöse zuneigten - im Juli 1933 die nazistische "Arbeitsgemeinschaft Deutsche Glaubensbewegung" (ADG) als religiösen Überbau des NS-Staates, gerichtet gegen die christlichen Kirchen und die jüdischen Gemeinden. Auch die FGB-alt war so Mitglied der ADG, was Reuther bisher bestritten hat.

Der Vorsitzende der FGB-alt Max Blum mußte 1933 zurücktreten, weil er wohl nicht "arisch" genug war. Die FGB-alt warf 1933 ihre alte demokratische Satzung aus der Weimarer Republik auf den Müllhaufen der Geschichte und beschloß eine neue: das nazistische Führerprinzip wurde eingeführt, der Vorsitzende, der nun "Führer" heißen sollte, ernannte die Vorstandsmitglieder, statt daß sie gewählt wurden. "Der Führer dankt für das ihm einstimmig erwiesene Vertrauen und gibt bekannt, daß er demnächst seine Mitarbeiter ernennen und den Mitgliedern bekannt geben wird", heißt es im Sitzungsprotokoll - die FGB-alt war fortan eine auf den NS-Staat zugeschnittene Nazi-Organisation. Die FGB-alt änderte nun auch ihren Namen in "Gemeinde deutschen Glaubens Groß-Berlin - Freireligiöse Gemeinde" und dokumentierte damit den Übertritt ins Nazi-Lager, in das auch die übrigen Gemeinden des BFGD/BDGD, die sich nun "deutschgläubig" nannten, mit fliegenden Fahnen überliefen. In der neuen Satzung der FGB-alt, die einstimmig beschlossen wurde, hieß es ausdrücklich: "Mitglied des Bundes der Gemeinden deutschen Glaubens. Unsere Gemeinde steht auf dem Boden des Bundes". Der BDGD aber war Gründungsmitglied der "Deutschen Glaubensbewegung" Hauers und bekundete 1933/34 immer wieder, treu zum NS-Regime zu stehen. Alles dies hatten wir bereits im Dezember 1998 gegen die geschichtsverfälschende Ausstellung des Prenzlberger Kulturamtes vorgebracht, aus anderen freireligiösen Schriften zitiert, die in der Staatsbibliothek öffentlich zugänglich sind; die Akte der FGB-alt beweist es nun ein weiteres Mal, unbezweifelbar, Ausflüchte zwecklos.

Die FGB-alt benutzte auch nach der Namensänderung ihre alten Briefbögen weiter, unter dem Briefkopf "Freireligiöse Gemeinde zu Berlin, Pappel-Allee 15-17" wurden die Briefe ans Vereinsregister nun "Mit deutschen Gruß!" und "Heil Hitler" unterschrieben, der Gemeindestempel als Sigel hinzugefügt. Antifaschisten?

Nazis gegen Nazis

Im April 1934 wurde lediglich der Vorstand der FGB-alt vom Polizeipräsidenten abgesetzt, und zwar aufgrund der Reichstagsbrandverordnung des Reichspräsidenten Hindenburg vom Februar 1933, die die politischen Grundrechte der Weimarer Verfassung - auch das Vereinsrecht - außer Kraft setzte. Weitere Gründe wurden nicht genannt, darüber kann heute spekuliert werden. Die FGB-alt benannte sofort den gesetzlich vorgesehenen Notvorstand aus sieben Personen. Gegen nur eine der sieben erhob der Polizeipräsident "Bedenken" - dieses Dokument stellt Reuther heute aus -, doch diese Person wurde von der FGB-alt sofort ausgetauscht, was Reuther verschweigt. Der Notvorstand besaß nun das Vertrauen der Nazi-Behörden und wurde von diesen bestätigt, inklusive seines Mitglieds Ewald Harndt, der 1993 als 92jähriger Greis plötzlich wieder auftauchte und auf Versammlungen der FGB-neu und des HVD präsentiert wurde - als lebender Beweis für die beanspruchte Rechtsnachfolge im Restitutionsverfahren, die sich aus den Akten der FGB-neu ansonsten nicht ergab. Harndt verfaßte auch die geschichtsverfälschende Gedenktafel, die heute am Friedhofspark Pappelallee 17 hängt und pauschal eine NS-Verfolgung der FGB-alt behauptet. Doch auch Harndt besaß 1934 das Vertrauen der Nazis und unterschrieb "Mit deutschem Gruß!", wie die Akte beweist.

Erst in Folge der Ausschaltung der Röhm/Strasser-Fraktion der NSDAP - der viele Freireligiöse zuneigten und die in der Industriestadt Berlin eine ihrer Hochburgen hatte - und im Zusammenhang mit dem Kampf um die Vorherrschaft über die deutsche Polizei zwischen Göring und Himmler - Himmler unterstützte die Freireligiösen aus taktischen Gründen und empfing den BFGD/BDGD-Vorsitzenden Hauer zur Privataudienz in München - wurde der BFGD "einschließlich seiner sämtlichen Organisationen" von Ministerpräsident Göring für das Gebiet des Staates Preußen im November 1934 aufgelöst, nachdem die Gestapo - so die Akte der FGB-alt - noch im Dezember 1933 dem Vereinsregister beim Amtsgericht Charlottenburg mitgeteilt hatte, daß "ein allgemeines Verbot der 'Freireligiösen Gemeinden' nicht beabsichtigt" sei. Die Gestapo unterschrieb im Gegensatz zur eilfertigen FGB-alt nicht mit "Heil Hitler", sondern nur "im Auftrage". Die bereits stark überalterte und schon in Selbstauflösung begriffene FGB-alt wurde infolge des Göring-Erlasses jedoch erst im Laufe des Jahres 1935 als eingetragener Verein aus dem Berliner Vereinsregister gelöscht und bestand faktisch und mit Duldung der Nazi-Behörden weiter, wie andere Dokumente beweisen. Angeblich - so behauptet es die FGB-neu - wurden die Immoblien Pappelallee 15-17 erst im April 1936 vom preußischen Staat beschlagnahmt, als Carl Peter ganz legal die Freireligiösen des BFGD in Lesekreisen um die Nazi-Zeitschrift "Deutsches Werden" sammelte, die mit Unterstützung der SS erschien. Sie war ausdrücklich die Fortsetzung der früheren BFGD-Zeitschrift "Die Geistesfreiheit/Deutsche Glaubenswarte", die Peter ebenfalls herausgegeben hatte. Aus den Lesekreisen gründete Peter 1937 den BFGD unter dem Namen "Gemeinschaft Deutsche Volksreligion" (GDV) legal und stramm nationalsozialistisch wieder neu als eingetragenen Verein - mit einer Gemeinde in Berlin. Die GDV hielt 1942 in Berlin einen großen reichsweiten Kongreß ab, öffentlich und ganz legal. NS-Verfolgung? Oder doch nur eine Selbstreinigung von den wenigen verbliebenen nicht hundertprozentig Nazi-treuen Freireligiösen der Weimarer Zeit?

Alte Nazi-Seilschaften

Schon im November 1945 belebte Peter den Dachverband wieder neu und benutzte - taktisch klug für eine Verfolgungslegende - den Namen BFGD, unter dem die Organisation von Göring aufgelöst worden war. Wieder war er nun der Geschäftsführer, wie unter allen anderen Namen der Organisation seit den 20er Jahren. Der BFGD der 50er Jahre (und auch der späteren Jahrzehnte) wurde personell und ideologisch von Alten Nazis geführt: neben Peter der spätere BFGD-Präsident Wilhelm Bonneß, der 1942 in Hauers Zeitschrift "Deutscher Glaube" die "nationalsozialistischen Rassenerkenntnisse" gelobt hatte; der BFGD-Bundesgeschäftsführer und Nachfolger Peters Dietrich Bronder, der schon 1933 als Hitler-Junge bei der Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz begeistert dabei gewesen war; der Freireligiösen-Chefideologe Georg Pick, der 1937 in seinem Buch "Die Religion der freien Deutschen" Adolf Hitler zum Gott der Freireligiösen ausgerufen hatte usw. Diesem BFGD schloß sich auch die 1955 gegründete FGB-neu an. Die Immobilien der FGB-alt waren inzwischen in Volkseigentum übergegangen.

Es gibt in der Tat eine Kontinuität FGB-alt zu FGB-neu: über die Organisation des Nazi Carl Peter, die mal BFGD, mal BDGD, mal GDV, dann wieder BFGD hieß, aber immer dieselbe war. Es ist die Kontinuität der Nazi-Tradition, die eine heutige "Wiedergutmachung" von Nazi-Unrecht, das Nazis anderen Nazis angetan haben, eigentlich ausschließen sollte. Hat die PDS nichts besseres zu tun, als eine Freireligiösen-Affäre mit loszutreten, zumindest solange wirkliche Verfolgte des NS-Regimes immer noch auf Entschädigung warten müssen? In Prenzlauer Berg offenbar nicht.

Chaos als Weg zum eigenen Haus

Die Sache ist noch viel komplizierter, und FGB-neu und HVD nutzten die Unübersichtlichkeit der Verhältnisse. Ob auch politische Beziehungen hilfreich waren? Mit den Vereinsregister-Akten der FGB-neu und des HVD läßt sich der Weg zum eigenen Haus nachzeichnen. 1971 taucht plötzlich Ernst Jeske - ein politischer Wirrkopf, mal Anarchist, mal SED, mal SPD - bei der FGB-neu auf, die offenbar weniger als 20 Mitglieder hat, und wird sofort ihr Vorsitzender. 1978 verhandelt er mit dem Ministerialbeamten beim Innerdeutschen Ministerium Hermann Kreutzer - der heute die rechte SPD-Abspaltung "Kurt-Schumacher-Kreis" betreibt - darüber, wie an die Immobilien der FGB-alt in Prenzlauer Berg heranzukommen sei. Nach Jeskes Tod 1984 existiert die FGB-neu faktisch nicht mehr, Vorstandswahlen werden bis 1991 nicht mehr ordnungsgemäß abgehalten bzw. nicht ordnungsgemäß beim Vereinsregister angemeldet, es findet auch schon einmal eine "Wahl" ohne vorherige Einladung der Mitgliedschaft oder nach einer nicht mehr gültigen Satzung statt, das Amtsgericht Charlottenburg verweigert 1990 formell die Vorstands-Eintragung ins Vereinsregister - Chaos. Ab 1984 wird die FGB-neu von der "Freigeistigen Gemeinschaft Nordrhein-Westfalen" - heute Mitglied im HVD-Dachverband - "betreut", das heißt, faktisch übernommen. Das Archiv der FGB-neu - inklusive des Schriftwechsels Jeske/Kreutzer - wird vom früheren HVD-Vorsitzenden Hans-Joachim Koch dem HVD-Archiv übergeben. Hans-Joachim Koch und Irmgard Koch wechseln sich im Vorsitz ab, gewählt wird mal mit 11, mal mit 8 Mitgliedern, davon drei Koch. Schon seit 1963 immer dabei: Käthe Wartenberg. 1990 berichtet Koch auf einer Versammlung der FGB-neu erstmals über die Immobilien der FGB-alt in Prenzlauer Berg. Rechtsanwälte stellen namens und im Auftrag der FGB-neu-Vorsitzenden Irmgard Koch beim Berliner Magistrat einen Antrag auf Restitution zugunsten der FGB-neu. Doch Koch ist zur Zeit des Antrags nicht als Vorsitzende im Vereinsregister eingetragen, kurz nach dem Restitutions-Antrag weist das Amtsgericht die Eintragung sogar formell zurück. Statt ihrer wird erst 1991 Hans-Joachim Koch als Vorsitzender eingetragen, erstmals seit 1984 rechtlich einwandfrei. Dennoch erfolgt die Restitution letztlich aufgrund des rechtlich unzulässigen Antrags der Nicht-Vorsitzenden. Das Vereinsleben der FGB-neu besteht Anfang der 90er Jahre ausschließlich im Betreiben der Restitution der Immobilien, wie die Akte zeigt. 1993 weist das Amtsgericht die Eintragung der Wiederwahl Kochs zurück, weil die Mitgliedschaft zur Wahl nicht eingeladen worden war; dennoch findet eine ordnungsgemäße Wiederholung der Wahl nicht statt. 1993 wird die SPD-Politikerin Anke Reuther zur stellvertretenden Vorsitzenden des HVD gewählt, Ewald Harndt ist als Ehrengast dabei. 1995 wird der SPD-Politiker Gerd Wartenberg zum HVD-Vorsitzenden gewählt; Wartenberg war bis 1980 baupolitischer Sprecher der SPD-Fraktion des Abgeordnetenhauses, dann SPD-Bundestagsabgeordneter, heute Staatssekretär beim Regierenden Bürgermeister. HVD-Vize Reuther läßt sich 1995 per Akklamation von der winzigen, hochbetagten FGB-neu-Mitgliedschaft in Personalunion zur Vorsitzenden der FGB-neu wählen, betont "das enge Zusammenwirken der Freigeistigen Gemeinschaft mit dem Humanistischen Verband Deutschlands" und läßt die Satzung ändern: die FGB-neu soll mit dem HVD vereinigt werden, dem HVD soll im Falle der Auflösung der FGB-neu - die aufgrund der Überalterung der Mitglieder absehbar ist - das Vermögen der FGB-neu zufallen, also auch die Immobilien nach erfolgter Restitution. Im Haus Pappelallee 15 sitzt seit 1992 der HVD mit Mietvertrag. 1997/98 erfolgt die "Rückübertragung" der Immobilien der FGB-alt an die FGB-neu, die ganze 13 Mitglieder hat, davon zwei Reuther.

Noch Fragen? Noch eine Antwort: Seit 1998 werden die rechtlichen Angelegenheiten der FGB-neu, soweit sie aus der Vereinsregister-Akte ersichtlich sind, von der Berliner Notars- und Rechtsanwaltskanzlei der SPD-Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin erledigt. Däubler-Gmelins Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium ist der heute prominenteste Freireligiösen-Propagandist, Eckhart Pick, ein Sohn des Georg Pick, der 1937 Hitler zum Gott der Freireligiösen erklärte und der nach 1945 zu einem Chefideologen des BFGD wurde.

Briefbombendrohung gegen das BIFFF...

Im Immobiliengeschäft geht es oftmals mit harten Bandagen zu, aber so hart? Wir waren überrascht, als wir 1999 im Internet lasen, daß wir uns jetzt hauptsächlich mit dem HVD und den Berliner Freireligiösen beschäftigen würden und daß man uns doch ein paar "Mailbomben" schicken solle, zu deutsch: Briefbomben. Als Absender war ein prominentes Mitglied der "Deutschen Unitarier Religionsgemeinschaft e. V." (DUR) angegeben, einer Nazi-Sekte aus dem "Kirchenkampf", die wir schon früher intensiv erforscht hatten, die sich ebenfalls auf Wilhelm Hauer beruft und die in enger Verbindung zum HVD und den Freireligiösen steht. Der heutige Vorsitzende des neuen HVD-Zusammenschlusses Berlin-Brandenburg und "wissenschaftliche" Berater des Kulturamtes bei der Prenzlberger Freireligiösen-Ausstellung, Horst Groschopp, sprach schon 1997 vor "Deutschen Unitariern" und Freireligiösen über die gemeinsame Geschichte und erklärte 1999 öffentlich, er stehe im engen Akten-Austausch mit der DUR - und zwar Akten über uns! Der beschuldigte DUR-Mann bestreitet den "Mailbomben"-Aufruf nicht ausdrücklich, sondern versprüht Nebel: "Absender fälschen kann ja jeder". September 1999

...Bezug: HVD-Ausstellung über Freireligiöse Gemeinde Berlin

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Mittwoch, der 6. Februar 2002, 11:54 Uhr
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Nach den Nazis jetzt auch "Universelles Leben":


aktueller Nachtrag

Massive Sekten-Kontakte beim HVD

Eltern wissen nichts vom Hintergrund des HVD-Lebenskundeunterrichts an Berlins Schulen –-
SPD- und PDS-Prominenz deckt bisher den HVD –-
HVD-Chefideologe Hubertus Mynarek als Anhänger des Nazi-Ideologen Wilhelm Hauer und als Aushängeschild für die Sekte "Universelles Leben/Heimholungswerk" –-
Ideologie aus Biologismus und Antisemitismus –- HVD wirbt für Hauers "Freie Akademie" –-
Von der Internet-Homepage des HVD kann man sich einfach durchklicken
bis zur Homepage der Scientology Church

Der Chefideologe des "Humanistischen Verbandes Deutschlands" (HVD) Hubertus Mynarek schreibt seit einiger Zeit die HVD-Zeitschrift "diesseits" mit wirren Artikeln über seine "Ökologische Religion" voll. Seine Artikel in dieser wichtigsten Zeitschrift des HVD sind derart zahlreich und umfangreich, daß er tatsächlich heute als der Chefdenker des HVD angesehen werden muß. In seinem Buch "Ökologischen Religion" bezeichnet Mynarek seine Gegner als "Irrläufer der Evolution" und behauptet über seine Anhänger, sie stünden auf der Evolutionsleiter bereits eine Stufe über den Normalmenschen - eine Neuauflage der Herrenmenschen-Ideologie, und dies auch noch explizit in Nazi-Tradition, denn Mynarek stützt seine Thesen auch auf Vordenker des Nationalsozialismus. In "diesseits" behauptete er 1998 in einem Artikel über "ökologische Ethik" sogar, gesunde Pflanzen stünden über schwerkranken Menschen. Die Zeitschrift, die man in der Senatsbibliothek nachlesen kann - weder Berlins Senatoren noch die Abgeordnetenhausmitglieder scheinen sie zu lesen - begrüßte Mynarek 1998 überschwenglich als neues HVD-Mitglied: "Über ein prominentes Neumitglied im Humanistischen Verband freut sich die diesseits-Redaktion ganz besonders, zählt er doch seit Jahren zu unseren profilierten Autoren".
Jetzt kam heraus, daß Mynarek auch seit Jahren für die gefährliche Sekte "Universelles Leben/Heimholungswerk" (UL) tätig ist. Doch damit nicht genug: Schulkinder, die der HVD in seinem Lebenskundeunterricht neugierig gemacht hat, können sich im Internet über geschachtelte Links von der HVD-Homepage schnell zu den Propagandaseiten zahlreicher Sekten durchklicken, darunter UL und Scientology Church.

Die meisten Eltern, die ihre sechs-, sieben-, achtjährigen Kinder in den Lebenskundeunterricht schicken, wissen von alledem nichts. Die Senatsverwaltung für Schule. Jugend und Sport unter Senatorin Ingrid Stahmer (SPD) schweigt bisher dazu. Prominente SPD-Politiker und HVD-Mitglieder wie Staatssekretär Gerd Wartenberg (ex-HVD-Vorsitzender) und die Abgeordnetenhaus-Mitglieder Jutta Weißbecker (HVD-Vize), Regine Koch und Kirstin Fussan-Freese (HVD-Vorstandsmitglied) schützen den HVD seit Jahren ab, "diesseits" prahlt mit ihren Namen. 1998 konnte der HVD auch Prominente aus der PDS - Carola Freundl (PDS-Frakionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus und HVD-Vorstandsmitglied); Thomas Flierl (früher Vize der PDS-Abgeordnetenhaus-Fraktion, jetzt Baustadtrat von Mitte) - und von Bündnis 90/Die Grünen - Frieder Otto Wolf - als Mitglieder bzw. Funktionärin gewinnen. Ob sie alle die Hintergründe des HVD kennen und bewußt dieser Organisation beigetreten sind, wissen wir nicht, aber klar ist: Kinder im Grundschulalter können nicht kritisch beurteilen, was HVD-Lehrer ihnen an menschenverachtender Propaganda aus dem HVD-Blatt "diesseits" vorsetzen. Diese Kinder sind in Gefahr.

In der SPD und beim HVD sind Vorwürfe gegen Mynarek seit langem bekannt, SPD-Medien berichteten schon in den 80er Jahren über seine Kontakte zu Nazi-Sekten. Doch die Berliner Schulsenatorin Ingrid Stahmer (SPD) läßt den HVD weiter unbehelligt "Lebenskunde" an Berliner Schulen unterrichten, obwohl Mynarek seit Mitte der 90er Jahre zu einem Chefideologen des HVD aufgestiegen ist. Tief ist der HVD in der SPD verankert, viel Geld verdient er mit dem Unterricht an staatlichen Schulen: bis zu 90 Prozent der Kosten für die Lehrer (Unterrichtsstunden, Ausbildung der HVD-Lehrer) bezahlt das Land Berlin dem HVD aus Steuergeldern; das sind mehrere Millionen D-Mark jährlich. Der Lebenskundeunterricht ist zu einer wesentlichen finanziellen Säule des HVD geworden. Daß sich im Unterricht auch Mynareks Thesen niederschlagen, ist anzunehmen, denn es werden ja die Inhalte der HVD-Ideologie unterrichtet. Einem Siegeszug des HVD gleichen die Teilnehmerzahlen: Besuchten 1990 erst 2 000 Schülerinnen und Schüler in ganz Berlin das Fach Lebenskunde, so sind es heute schon rund 25 000, davon 80 Prozent an Grundschulen und zwei Drittel in Ost-Berlin. Das sind zwar nur knapp 7 Prozent der Berliner Schüler insgesamt, doch jedes Kind, das - vom HVD indoktriniert - womöglich in die Fänge der Nazis oder der Sekten geraten sollte, müßte die Öffentlichkeit aufschrecken. Weit gefehlt! Ob die CDU das Wohl der Kinder aufgreift, ist zu bezweifeln, fürchtet sie doch jetzt schon um ihren Koalitionspartner. Und "Berliner Zeitung" und "Tagesspiegel" druckten große Werbeartikel für den HVD. Kritische Recherche? Bisher Fehlanzeige.

Stahmers Warnung, Stahmers Schweigen

Noch 1994 warnte die Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport in ihrer Schrift "Informationen über neue religiöse und weltanschauliche Bewegungen und sogenannte Psychogruppen" vor "neuheidnischen" rechtsextremen Sekten aus der Tradition des Nazi-"Kirchenkampfes", auch vor der Würzburger Sekte "Universelles Leben", und natürlich vor der Scientology Church. "Tendenziell antidemokratisch und sozial unverträglich", schrieb Ingrid Stahmer damals im Vorwort über die Sekten. Auch die wirre Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Renate Rennebach tat sich gegen Sekten dicke - sogar in "diesseits" - und wollte sogar das Grundgesetz ändern, "damit nicht jeder sagen kann, er sei Jesus". Das gilt wohl nur solange, wie keine Parteifreunde verwickelt sind.

Ideologe bleibt sich treu

Hubertus Mynarek - früher mal katholischer Priester auf der äußersten Rechten, dann Kirchenaustritt, dann publizistischer Ankläger von angeblichen sexuellen Eskapaden katholischer Prominenz, die er vor Gericht jedoch nicht beweisen konnte, dann Gründungsmitglied der "Christen bei den Grünen", wo man sich schnell wieder von ihm distanzierte - war in den 70er und 80er Jahren noch Vordenker der nazistischen "Deutschen Unitarier Religionsgemeinschaft e. V." (DUR), die man nach einem Urteil des Kammergerichts Berlin als "nazistische Tarnorganisation" und "völkisch-rassistische Sekte" bezeichnen darf. Die DUR leitet sich selbst direkt aus dem Nazi-"Kirchenkampf" ab und sieht die SS-dominierte "Deutsche Glaubensbewegung" der 30er Jahre, die von dem antisemitischen und antichristlichen Agitator Wilhelm Hauer geführt wurde, als eine ihrer Wurzeln an. Der HVD kennt die Berliner Prozeßakten, die zu dem vernichtenden Urteil über die DUR führten: der Vorsitzende des neuen HVD-Zusammenschlusses Berlin-Brandenburg, Horst Groschopp, gab 1999 zu, seine DUR-Freunde hätte ihm die Akten gegeben. Während die PDS im Bundestag Anfragen zu den nazistischen Bezügen der DUR stellte, während PDS-MdB Ulla Jelpke und Grünen-MdB Annelie Buntenbach noch 1997 gegen den "Unitariertag" öffentlich protestierten, traten Berliner Prominente ihrer Parteien dem HVD bei, dessen Vordenker längst Hubertus Mynarek war.

Mynarek schrieb "für die Jugendarbeit" der DUR 1979 das Buch "Orientierung im Dasein", das sich über weite Strecken explizit auf die Ideen der DUR-Vordenkerin Sigrid Hunke stützt. Das Buch propagiert eine extrem konservative Familienideologie, enthält Angriffe auf den Feminismus, gibt "Kameradschaft" als schulisches Lernziel vor und definiert "unser Volk" als "gemeinsame oder wenigstens verwandte Abstammung" und explizit als "Volksgemeinschaft". Dies sei "unitarischer Humanismus". Trotz Mynareks Rolle im HVD stellte sich auch die PDS-Frauenpolitikerin MdB Christina Schenk 1999 dem HVD als Referentin zur Verfügung. In dem Buch bezeichnet Mynarek den Nazi Hauer als "eine der bedeutendsten Größen der Religionswissenschaft des 20. Jahrhunderts", und zwar ausdrücklich "trotz ihrer theoretischen Verirrungen während des Dritten Reiches". Mynarek ist begeistert von Hauers Denken, das er zu einer Grundlage seiner eigenen wirren Thesen macht, folgt ihm in seiner Darstellung des Judentums als "artbestimmtem Volksglauben" und zitierte ihn auch anderweitig. Hauer, ein Hauptsturmführer der SS und Leiter des Sicherheitsdienstes der SS in Tübingen, der seine aggressiven Reden (auch im Berliner Sportpalast) unter dem Saalschutz von SA und SS abhielt - christliche Zwischenrufer wurden von den Nazi-Trupps zusammengeschlagen, christliche Jugendliche von den Hauer-Leuten bei der Gestapo denunziert und verhaftet, alles nachzulesen in den "Deutschland-Berichten" der Exil-SPD - wird heute in jedem besseren Lexikon über den Nationalsozialismus als Vordenker des "religiösen" Flügels der Nazis genannt, neben dem NSDAP-Chefideologen Alfred Rosenberg, auf dessen Buch "Der Mythus des 20. Jahrhunderts" Hauer sein eigenes Hauptwerk "Deutsche Gottschau" gründete. 1942 forderte Hauer sogar bei seinem langjährigen Freund und Mitstreiter aus der "Deutschen Glaubensbewegung" Rudolf Backofen, einem SS-Obersturmführer im Ghetto Lodz, ein "polnisches Mädchen, das germanisiert werden kann" als Sklavenarbeiterin für seinen privaten Tübinger Hausalt an, wie der britische Religionswissenschaftler Werner Ustorf herausfand, der an einem Buch über Hauer arbeitet. Nach 1945 hielt Hauer an seinen rassistischen antisemitischen Thesen fest, nannte lediglich seinen alten "Arier" in "abendländischer Mensch" um, den er immer noch mit den "medizinischen" Vermessungen des "Arier"-Körpers durch Nazi-Ärzte definierte. Er gründete in den 50er Jahren die "Freie Akademie e. V." (FA) als DUR-nahen Zirkel, in dem Großkopfeten der NS-Zeit - Hitler-Geburtstags-Dichter ebenso wie straflos gebliebene Vordenker der Nazi-Verbrechen - ihre alte Ideologie pflegten. Nachfolger Hauers als Chef der FA in den 60er Jahren war der frühere SS-Arzt Lothar Stengel-von Rutkowski, Mitarbeiter des Rasse- und Siedlungsamtes der SS, der nach 1945 bei fast allen rechtsextremen Sekten agitierte - noch 1990 bei der DUR - und ein enger Freund und Biograph des obersten Nazi-Rassisten Hans F. K. Günther war, für dessen Schriften die DUR noch in den 60er Jahren warb. Mynarek ging "im Hause Hauer" ein und aus, wie er selbst zugab, und war auch bei der FA engagiert, deren Sekretärin und Hauer-Biographin Margarete Dierks - mit der auch Mynarek in den 80er Jahren gemeinsam in Schriften publizierte - 1938 in ihrer Dissertation die Nürnberger Rassengesetze gerechtfertigt hatte.

Es ist nur konsequent, daß die "diesseits"-Redaktion des HVD, nachdem sie Mynarek als "profiliertesten Autor" begrüßte, 1999 auch für ein Seminar der "Freien Akademie" wirbt.

HVD für "Ökologische Religion"

1986 brachte Mynarek sein Hauptwerk "Ökologische Religion" heraus, das der HVD 1998 mehrfach in "diesseits" explizit empfahl. In dem Buch stellt er Hauers biologistischen Rassismus auf neue "ökologische" Beine, schleudert das schlimme Wort vom "Irrläufer der Evolution" gegen seine politischen Gegner - als die er Menschen ansieht, deren Weltanschauung letztlich auf dem "Judaochristentum" und der biblischen Forderung des "Machet Euch die Erde untertan" basiere - und schließt mit der Botschaft, "die Natur" sei selbst "politisch" und werde sich daher selbst "die geeignetste politische Staatsform" schaffen. Werkzeug der "Natur" sei dabei der "öko-religiöse Mensch" - Mynareks Anhänger -, "der eigentliche Vollender der Sinngestalt der Natur" und "Sinn der Erde, .... Sinn der Evolution der Natur", der im Gegensatz zum Normalmenschen bereits "den nächsten Schritt der Evolution" vollzogen habe und nun - etwa über den HVD? - die "natürliche" Staatsform durchsetzen werde. Neu aufbereitet, ist dies auch der Inhalt von Mynareks "diesseits"-Artikeln. So bekommt man eine Vorstellung, was HVD-Ideologie inhaltlich bedeutet und womit die Grundschulkinder im Lebenskundeunterricht des HVD indoktriniert werden. Das ist in der Tat "tendenziell antidemokratisch und sozial unverträglich", wie SPD-Schulsenatorin Stahmer über Sekten mit verwandten Botschaften schrieb - doch gegen die HVD-Propaganda an Berlins Schulen tut die SPD nichts. Andere sind da konsequenter: Das evangelische "Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt" porträtierte Mynarek schon 1986 unter der Überschrift "In der Tradition von Blut und Boden". (Eine ausführliche Analyse von Mynareks Thesen ist hier auf unserer Homepage nachzulesen.)

Mynarek als Sekten-Mann

In seinem Buch "Religiös ohne Gott?" schrieb Mynarek schon 1983 anerkennend von "Scientology-Geistlichen" und ließ sie breit im Interview zu Wort kommen. Tatsächlich ist der Kern der Scientology-Ideologie nichts anderes als Herrenmenschentum, ausgedrückt in amerikanischen Kunstwörtern. Da ist es nur konsequent, wenn man sich 1999 von der HVD-Homapage schnell zur Scientology-Homepage durchklicken kann, Internet-Links verbinden auch zu anderen Sekten wie "Transzendentale Meditation" oder "Universelles Leben/Heimholungswerk" (UL). Schon 1985 trat Mynarek als Redner bei der Würzburger Sekte UL der Gabriele Wittek auf und erklärte, vieles, was er in den Schriften der UL gelesen habe, sei ihm sympathisch: "Das was sie schreiben, ist durchaus etwas Positives".

UL wird von staatlichen Stellen dagegen als "totalitäre" Organisation eingeschätzt, die sich "die weitgehende Entpersönlichung und Disziplinierung des Einzelnen zum Ziel gesetzt" habe. Das Oberlandesgericht Bamberg sah "durchaus antisemitische Tendenzen" bei der Sekte, die vor allem auch wirtschaftlich tätig ist und in den Branchen EDV, Werbung, Gastronomie und Landwirtschaft einen weit verzweigten Konzern aufgebaut habe, wie die Zeitschrift "Focus" berichtete. In manchen Regionen stehen auf den Wochenmärkten Verkaufsstände von UL für ökologische Produkte, bei denen die Sekte groß im Geschäft ist. UL-Aussteiger berichteten, daß sie als "Bienen" - man könnte auch sagen: Sklaven, für die UL ist es jedoch "ehrenamtliche Mithilfe" - unentgeltlich auf Bauernhöfen und bei Verkaufsständen der Sekte hätten arbeiten müssen, daß Angst, Leistungsdruck, Mißtrauen und Überwachung die Sekte kennzeichneten; "die Verwirklichung der göttlichen Gesetze", die die UL-Gründerin Wittek verkünde, werde "am Kassenstand gemessen".

Doch der HVD-Vorzeige-Ideologe Mynarek trat 1994 für UL auf einer Pressekonferenz als Zeuge für UL und gegen die Sekten-Aussteiger auf. Mit der Zeitschrift "Das Weiße Pferd" hat sich UL neuerdings ein "politisches" Blatt zugelegt, das zu Tagesthemen Stellung nimmt, vor allem auch zur Ökologie. Hier wird 1997 Mynarek als ein Opfer der katholischen Kirche dargestellt, die ihn finanziell ruiniert habe. Konsequent veröffentlichte Mynarek 1999 sein Buch "Die neue Inquisition. Sektenjagd in Deutschland" im UL-Verlag "Das Weiße Pferd".

Antisemitismus pur

Auch bei UL paßt alles zusammen. 1991 brachte die Sekte ein Extrablatt ihrer Zeitschrift "Christusstaat" heraus, das gegen das "Freimaurertum" agitierte und über weite Strecken aus Rosenbergs "Mythus des 20. Jahrhunderts" hätte abgeschrieben sein können. Die antisemitischen "Protokolle der Weisen von Zion", die schon Rosenberg als Quelle für seine These von der jüdisch-freimaurerischen Verschwörung gegen die "Arier" diente, werden auch von UL als angeblicher Beweis für die geplante "Weltherrschaft der Illuminaten" angeführt. Doch UL setzt noch eins drauf: Der Bundesadler sei ein "'Zions'-Adler", denn mit seinen Umrissen passe er genau in die Mitte des Davidsterns, "das zionistische Symbol von Macht und Herrschaft. ... Könnte es bedeuten, daß sich unser Staat im Symbol des Hexagramms (Sechsstern) der Ideologie der 'Weltdiktatur' unterordnet?" Als Antwort präsentiert UL einen Artikel über die jüdische Organisation B'nai B'rith (die auch in Berlin ein Büro unterhält), die eine "freimaurerische Geheimorganisation" sei und deutsche Politiker wie Genscher und Kohl mit Preisen ausgezeichnet habe sowie mit der katholischen amerikanischen Bischofskonferenz eng zusammenarbeite. Schon der Mitbegründer von Hauers "Deutscher Glaubensbewegung", der NSDAP-Reichstagsabgeordnete Ernst Graf zu Reventlow, hatte eine Schrift gegen B'nai B'rith verfaßt, in der er die "Protokolle der Weisen von Zion" als authentischen Plan für die angeblich drohende "jüdische Weltherrschaft" hinstellte. Die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte "Vereinigung für gesamtdeutsche Politik" brachte einen Nachdruck der Reventlow-Schrift heraus, in dem sie auch die UL-Texte zitiert.

HVD raus aus den Schulen!

Einige Eltern von Berliner Schulkindern sind offenbar bereits unruhig geworden, Gespräche mit mindestens einem Schulleiter haben bereits stattgefunden. Doch der HVD gibt Unterricht an 250 staatlichen Berliner Schulen und powert mit seinen SPD- und PDS-Verbindungen. Der Vorsitzende des BIFFF... e.V., Diplom-Psychologe Peter Kratz, meint dazu: "Wenn der HVD seinen Ideologen Mynarek als 'profilierten Autor' seiner Zeitschrift vorstellt, dann ist nach all dem wohl eine Warnung vor dem HVD-Lebenskundeunterricht angebracht, damit Eltern nicht fürchten müssen, ihre Kinder an Sekten oder Nazis zu verlieren." Was im Schulfach Lebenskunde tatsächlich geschieht, wissen nur die Lehrer und die Schüler, die überwiegend im Grundschulalter sind. Diese Kinder können den weltanschaulichen Kern der HVD-Propaganda, die im Klassenzimmer sicher kindgerecht vorgetragen wird, noch gar nicht durchschauen. Kratz: "Wir erforschen diese Szene seit Jahren und haben viel darüber in Büchern, Zeitschriften und eigenen Publikationen veröffentlicht. Diese Sekten, ob sie nun DUR, Freireligiöse, Freigeistige oder HVD heißen, stehen in engem Kontakt miteinander und decken geographisch und weltanschaulich bestimmte Bereiche ab. Sie stehen alle mehr oder weniger deutlich in der Tradition des 'religiösen' Flügels der NSDAP um Hitlers 'Beauftragten für die gesamte geistige und weltanschauliche Schulung und Erziehung der NSDAP' Alfred Rosenberg. Das gilt auch für Teile des HVD." Erstaunlich, daß CDU und christliche Kirchen bisher dazu schweigen. Die Rekrutierung für solche Organisationen fängt oftmals bereits im Kindesalter an, wo schon Grundlagen für eine rechtsextreme Weltsicht gelegt werden..

HVD mit Scientology-Methoden zur Macht?

Wie UL und die Scientology Church strebt auch der HVD ein wirtschaftliches Imperium an, um damit gesellschaftliche Macht auszuüben. Inwieweit die HVD-Ideologie dabei nur Mittel zum Zweck ist, läßt sich kaum beurteilen. Fakt ist, daß der HVD mit dem Lebenskundeunterricht eine Menge an Steuergeldern einnimmt. Fakt ist, daß er sich über die "Wiedergutmachung" angeblich erlittenen NS-Unrechts in den Besitz der Immobilien Friedenstraße 60 in Berlin-Friedrichhain bringen will. Fakt ist auch, daß er im Gastronomiebereich in Berlin bare Münze verdient und hier expandieren will. Am "Cafe Rix" im bezirkseigenen Saalbau Neukölln ist der HVD finanziell beteiligt, doch bleibt er neuerdings hier lieber im Hintergrund: Nachdem Kritik am HVD laut wurde wegen der Nazi-Tradition, in die er sich im Rahmen der Freireligiösen-Ausstellung im Prenzlauer-Berg-Museum selbst gestellt hatte, verschwand die Zeitschrift "diesseits" aus dem "Cafe Rix", wo sie zur gefälligen Mitnahme in großen Packen ausgelegen hatte. Vielleicht möchte man den Umsatz nicht gefährden. Wer an dem Cafe verdient, erfahren die Kaffeetrinker nicht.

Für weitere Investitionen braucht der HVD viel Geld., und er hat große Pläne. Ungeschminkt ließ der frühere HVD-Landes- und Bundesvorsitzende Klaus Sühl, auch Geschäftsführer der HVD-eigenen Human Gaststätten- und Kultur GmbH, 1994 auf einer HVD-Versammlung die Katze aus dem Sack: "Neben der Erhöhung der Mitgliedsbeiträge und Spenden muß der HVD Einnahmemöglichkeiten erschließen, d. h. Unternehmungen starten, die vor allem auch das Ziel verfolgen, Gewinne zu erwirtschaften. Diesen Weg hat der HVD im vergangenen Jahr konsequent beschritten, indem er die HUMAN Gaststätten- und Kultur GmbH gegründet hat. ... Dieser neue kommerzielle Bereich soll in engstem Zusammenwirken mit dem Verband und jederzeit vom Verbandsvorstand kontrollierbar mit dafür sorgen, daß auch weiterhin ABM-Projekte durchgeführt werden können. ... Die GmbH soll Gewinne machen". Sühl sagte vor seinen Anhängern, "daß der HVD schier unbegrenzte Möglichkeiten habe und nur er selbst sich vom Erreichen des Zieles abhalten könne, zu einem dominierenden Faktor in einigen Bereichen der Gesellschaft zu werden". Das sind Sekten-Methoden, nachzulesen im Protokoll der HVD-Versammlung, das säuberlich in der Vereinsregisterakte VR 4672 Nz des HVD beim Amtsgericht Charlottenburg abgeheftet ist (Band III, Blatt 695). Zu deutlich waren die offenen Worte. Der HVD hat sein Unternehmen inzwischen wieder umgruppiert. September 1999

aktueller Nachtrag:
Inzwischen hat sich der HVD zwar von Mynareks Sektenkontakten zu "Universelles Leben" distanziert, und auch die HVD-Zeitschrift "diesseits" druckte - deutlich wahrnehmbar: widerwillig - diese Distanzierung des HVD-Vorstands ab.

Nicht jedoch distanzierte sich der HVD von Mynareks sonstigen faschistischen Thesen, insbesondere nicht von den zahlreichen Artikeln, die Mynarek in "diesseits" schrieb, auch nicht von den Empfehlungen für Mynareks Bücher, erst recht nicht von der Empfehlung seines Buches "Ökologische Religion". Offenbar hat Mynarek derart viele Fans im HVD, daß der Verband sich eine solche Distanzierung gar nicht leisten kann, ohne auseinanderzubrechen.

Auch im Jahr 2001 sind die Sekten, z.B. "Universelles Leben" oder "Scientology Church", weiterhin über die website des HVD erreichbar, über Links zu einer website "Atheismus", die der HVD sogar besonders empfohlen hat und die ihrerseits eine Linkliste zu zahlreichen rechtsextremen Sekten breithält. Der HVD macht also weiterhin die Sektenpropaganda allgemein zugänglich, vermittelt über Links.

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