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Mittwoch, der 6. Februar 2002, 12:01 Uhr
Name: Dieter Schmidt
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Hinter den Kroko-Tränchen ein freundliches Augenzwinkern:

Bundestagspräsident Thierse empfing langjährigen Nazi-Sekten-Funktionär zum Plausch

Allgemein bekannte Briefbombendrohung eines Sektenfunktionärs
gegen Antifaschisten hinderte Thierse nicht –-
Vorher schon durften Nachfolger der Alfred-Rosenberg-Fraktion der NSDAP
im Willy-Brandt-Haus tagen –-
SPD-Oberbürgermeister von Darmstadt sagte nach Protesten Veranstaltung
mit Nazi-Sekten-Ideologin ab
Vor ausländischen Fernsehteams legen Repräsentanten der BR Deutschland Kränze für die Opfer von Neonazi-Gewalt nieder, doch in rechten Publikationen kann man anderes lesen. Wer ein bißchen im Internet surft, findet "neuheidnische" Sekten, die in der Nachfolge des Nazi-"Kirchenkampfes" stehen, sich dessen rühm(t)en und heute stolz erzählen, wie sie von der SPD-Prominenz hofiert werden. Jetzt wurde bekannt, daß Bundestagspräsident Wolfgang Thierse schon im April 2000 zwei Funktionäre des einschlägig rechts außen bekannten "Dachverbandes freier Weltanschauungsgemeinschaften" (DFW) freundlich empfangen hatte. Der DFW sammelte (noch unter seinem alten Namen "Deutscher Volksbund für Geistesfreiheit") nach 1945 die geistig heimatlos gewordenen Anhänger der "religiösen" Fraktion der NSDAP um den Nazi-Chefideologen Alfred Rosenberg und der militant antisemitischen und antichristlichen "Deutschen Glaubensbewegung" des SS-Mitglieds Wilhelm Hauer auf. Diese Nazi-Tradition ist offenbar ungebrochen. Die beiden Herren, mit denen Thierse parlierte, sind DFW-Präsident Volker Mueller, auch Vize-Präsident der von Hauer 1956 gegründeten "Freien Akademie" (FA), und DFW-Vize Horst Prem, langjähriger Präsident der Nazi-Sekte "Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft e.V." (DUR), die mit der FA eng zusammenarbeitet und sich selbst auf Hauers "Deutsche Glaubensbewegung" der 30er Jahre zurückführt.

Es sei in dem Gespräch mit Thierse um die "Gewissens- und Geistesfreiheit" gegangen, meldet der DFW im Internet und behauptet, "ca. 70 000 Mitglieder" zu haben und "Interessenvertreter eines Drittels der bundesdeutschen Bevölkerung" zu sein. Doch zu den bundesweiten Treffen der größten Mitgliedsverbände des DFW - DUR und die Freireligiösen, die 1933 Alfred Rosenberg zu einem der ihren zählten - kommen jeweils nur ein paar Hundert Ewiggestrige; die übrigen neun "Mitgliedsorganisationen" bestehen jeweils aus nur wenigen Personen, die z. T. zugleich bei DUR oder Freireligiösen mitwirken. "Herr Thierse ermutigte den DFW", meldet der DFW, "Fragen der Gewissens- und Geistesfreiheit ... zu thematisieren".

Adolf Eichmanns Vorgesetzter als "Wegweiser"

Um wessen "Geistesfreiheit" es sich dreht, zeigt das Beispiel des Thierse-Gesprächspartners Horst Prem, dem heutigen DUR-Vertreter im DFW. Er war von 1977 bis 1990 Präsident der DUR, einer Organisation, für die der Mitbegründer der SS-nahen "Deutschen Glaubensbewegung" und Stammvater der DUR Rudolf Walbaum nach 1945 Gleichgesinnte warb, und zwar in den Internierungslagern für hohe Nazi-Funkionäre. Zu den späteren DUR-Führern zählen der vormalige Chefredakteur der "Nationalistischen Monatshefte" (Herausgeber: Rosenberg) und Chef der Abteilung für "Juden- und Freimaurerfragen" im NSDAP-"Amt Rosenberg" Eberhard Achterberg, der unter Prems DUR-Präsidentschaft als "Leiter des Geistigen Rates" zum religiösen Führer der Sekte wurde; oder der von Himmler und Heydrich persönlich für die SS angeworbene Albert Hartl, der im Reichssicherheitshauptamt Vorgesetzter von Adolf Eichmann war, am Nazi-Euthanasieprogramm maßgeblich beteiligt war, innerhalb der DUR weiter die Euthanasie propagierte und von Prem 1982 im Nachruf zum "Wegweiser" der DUR erklärte wurde; oder die Ideologin der "Neuen Rechten" Sigrid Hunke, die 1941 bei dem SS-"Rassepsychologen" Ludwig Ferdinand Clauß promovierte und später die Ideen Rosenbergs ins Nachkriegsdeutsch übersetzte, die als international bekannte Rechtsextremistin vom Kopf des europäischen Neofaschismus Alain de Benoist in dem Buch "Heide sein" breit rezipiert wird und von Prem 1985 zur "Ehrenpräsidentin" der DUR ernannt wurde: "Liebe Frau Dr. Hunke, Sie haben diese geistigen Strömungen, die für uns so wichtig sind, in systematischer Arbeit aufbereitet"; Hunkes Nazismus-Revision sei die "Richtschnur" der DUR, so Prem.

Ausländer machen aggressiv

Prem trug als DUR-Präsident die politische Verantwortung für die ausländerfeindliche Hetze der DUR-Monatszeitschrift "unitarische blätter", in der z.B. 1982 die "Erbanlagengemeinschaft" der Deutschen beschworen und beklagt wurde: "Im städtischen Park hört man schon kein deutsches Wort mehr", "eine fremdvölkische soziale Unterschicht" mache sich breit. Daß Nazis im städtischen Park von Dessau einen Schwarzen erschlugen, erscheint konsequent, nachdem der Bundestagspräsident den Repräsentanten einer solchen ideologischen Vorfeldorganisation nazistischer Gewalttaten kurz vorher empfangen hatte. Denn gerade unter Prems Regie wurden in der DUR Grundlagen für die militante Verfolgung von Ausländern gepflegt: "Die Orientalisierung und Afrikanisierung unseres Landes macht mich zusehends trauriger und aggressiver", stand 1982 in den "unitarischen blättern". Man wolle sich doch als "Teil meines Glaubens ... in meiner Enkelgeneration sowohl im Aussehen als auch im Wesen, im Charakter wie im Empfingen noch wiedererkennen" können; deshalb müßten die meisten Ausländer raus, nur solche "nord- bzw. mitteleuropäischer Herkunft" dürften im Ausnahmefall bleiben, schrieb ein Autor in der Zeitschrift der Sekte; "ich gebe daher - ohne Ressentiment - zu, daß ich die Ausländer in ihrer Masse hier nicht will". Ein anderer DUR-Autor unter Prems Präsidentschaft: "Die parlamentarische Demokratie dürfte vor ihre Existenzfrage gestellt sein, wenn sie ihr letztes Fundament, das der nationalen Homogenität im Sinne der volklichen Homogenität, aufgibt." Klare Worte für Parlamentspräsident Thierse, der im Nazi-Terror-Jahr 2000 dem für diese Hetzpropaganda politisch Verantwortlichen freundlich die Hand reichte.

Briefbombendrohung gegen Antifaschisten

In den 60er, 70er und 80er Jahren kandidierten führende DUR-Funktionäre für NPD, REPs und die lokale "Kieler Liste für Ausländerbegrenzung", die sie z.T. mitbegründet hatten. In den 80er und 90er Jahren beherbergte die DUR in ihrem "Haus der Deutschen Unitarier" in Hamburg den nazistischen "Freundeskreis Filmkunst e. V." aus dem Umfeld Jürgen Riegers und die rechtsextremistische "Gesellschaft für freie Publizistik" (GfP), die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Zur Aggressionspropaganda der DUR gegen vermeintliche Volksfeinde zählt auch die Aufforderung des langjährigen DUR-Jugendfunktionärs Henning Hraban Ramm, die er 1999 über das Internet verbreitete: Antifaschisten doch einfach Briefbomben zu schicken! "Hraban", wie er noch im September 2000 auf den DUR-Internetseiten liebevoll genannt wird, ist Sproß einer DUR-Funktionärsfamilie (Vater Micha Ramm leitete bis vor kurzem den Verlag der Sekte, Mutter Irmgard schreibt in den "unitarischen blättern") und sollte 1999 auf dem "Unitariertag" als Nachwuchskraft der Sekte groß rauskommen. Lange Zeit führte er den "Bund Deutsch-Unitarischer Jugendlicher" (BDUJ). Das Ermittlungsverfahren gegen Ramm stellte die Staatsanwaltschaft ein, denn es seien ja wohl "nur" Internet-Briefbomben gemeint gewesen. Gewalttäter können sich sicher fühlen in Deutschland, solange der Bundestagspräsident ihre Paten empfängt.

Prems "Wettstreit": Nazi-Religion gegen Grundgesetz

In einem wirren Artikel, den man erst vor dem Nazi-Hintergrund der DUR richtig verstehen kann, forderte Thierses heutiger Gesprächspartner Horst Prem 1989 in den "unitarischen blättern" einen "Wettstreit" der Grundwerte der DUR mit denen des Grundgesetzes. Dieser "Wettstreit" sei in den KZs der Nazis "vergessen" worden und deshalb hätte die SS z.B. im KZ Dachau "den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht", so Prem.

Nachdem wir den Verteidigungsausschuß des Deutschen Bundestages informiert hatten, daß Prem beruflich als Diplom-Ingenieur die hoch geheime Forschungs- und Entwicklungsabteilung des (auch für die Bundeswehr und die NATO tätigen) Rüstungsunternehmens MBB (später DASA, EADS) leitete und durch seine gleichzeitige Tätigkeit für eine nazistische Sekte möglicherweise Verteidigungsinteressen betroffen seien, mußte Prem auf Druck seines Arbeitgebers die DUR-Präsidentschaft aufgeben und ins Zweite Glied der Sekte treten. Mehrere Klagen vor Gericht gegen Antifaschisten, bei denen Prem z.T. selbst vor Gericht auftrat, verloren die DUR und ihr Präsident. Zum Thema "Geistesfreiheit" erklärten DUR-Vertreter, die Meinungsfreiheit des Grundgesetzes werde von Antifaschisten doch nur "mißbraucht". Doch das Obelandesgericht Köln befand 1991 unsere Kritik an Prems Dachau-Äußerung durchaus akzeptabel. Das Landgericht Berlin urteilte 1990, daß in der DUR "bis in die jüngste Vergangenheit in maßgeblichen Positionen solche Personen tätig waren, die eben nationalsozialistisches Gedankengut vertreten haben"; das Urteil wurde vom Kammergericht bestätigt. Nach mehreren rechtskräftigen Gerichtsurteilen darf die DUR als "Nazi-Sekte", als "nazistische Tarnorganisation" und als "völkisch-rassistische Sekte" bezeichnet werden, die "aus dem Nazi-Kirchenkampf entstanden" sei - offenbar die richtigen Gesprächspartner über "Geistesfreiheit" für Thierse, der auch SPD-Vize ist. In dieser Funktion hatte er schon im Oktober 1999 ein Grußwort abgegeben, als der DFW - man mag es gar nicht glauben, aber der Dachverband dieser Alfred-Rosenberg-Nachfolger wirbt damit - sein 50-jähriges Bestehen ausgerechnet im Willy-Brandt-Haus, der Parteizentrale der SPD, feiern durfte.

Volk immer noch ohne Raum

DFW-Präsident Mueller, den Thierse im April 2000 gemeinsam mit Prem empfing, ist auch Vize-Präsident der "Freie Akademie" (FA), einer Nazi-Denkfabrik, die der Gründer der "Deutschen Glaubensbewegung" und SS-Mann Wilhelm Hauer 1956 mit etlichen Freunden aus der vormaligen Rosenberg-Fraktion der NSDAP gegründet hatte. Die führenden FA-Leute waren oft auch in der DUR aktiv und umgekehrt. Zu den "Ehrenmitgliedern" der FA gehört bis heute der Mitbegründer der "Glaubensbewegung" Lothar Stengel-von Rutkowski, als SS-Hauptsturmführer im Rasse- und Siedlungsamt der SS Thüringen ein enger Mitarbeiter des in Nürnberg als Kriegsverbrecher hingerichteten Fritz Sauckel und ein Freund und Biograph des obersten Nazi-Rassisten Hans F.K. Günther (für "Rasse-Günthers" Bücher warb die DUR noch in den 60ern), bevor er viel später im SPD-regierten Hessen Leiter eines staatlichen Gesundheitsamtes wurde.

Auf ihrer web-site wirbt die FA im September 2000 für die Schriften bekannter rechtsextremer Ideologen, wie Werner-Georg Haverbeck (rassistisches "Heidelberger Manifest" gegen Ausländer von 1981), Hubertus Mynarek (er hält politische Gegner für "Irrläufer der Evolution") und immer wieder die Alt- und Neofaschistin, langjährige FA-Geschäftsführerin und Hauer-Biographin Margarete Dierks, die in ihrer Dissertation 1937 forderte, Deutschland von den Juden zu säubern.

Der SPD-Oberbürgermeister von Darmstadt, Peter Benz, wollte im August 2000 mit seiner langjährigen Bekannten Dierks eine öffentliche Veranstaltung abhalten. Als Antifaschisten gegen den Auftritt der "Nazi-Autorin" protestierten, die in den 50er Jahren sogar vom Verfassungsschutz beobachtet worden war, erklärte Dierks - verwöhnt von der SPD und deshalb ungeniert ehrlich - gegenüber der Presse, selbstverständlich habe sie sich immer für "Charakter, Leben und Werk" der "nach 1945 verfemten" Nazi-Dichter eingesetzt und nannte Hans Grimm ("Volk ohne Raum") und Hans Baumann (Dichter des Hitler-Jugend-Liedes "Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt") namentlich, "warum sollte ich nicht?". Nach dem krokodilstränenreichen Sommertheater der SPD-Prominenz um die Opfer des Neonazismus konnte der SPD-OB von Darmstadt nun nicht mehr anders, als die Veranstaltung mit Dierks zähneknirschend abzusagen September 2000

Im heute aktuellen Logo der Deutschen Unitarier Religionsgemeinschaft e.V. überschneiden sich
Lebens- und Todesrune der Nazis. Das DUR-Zeichen entspricht auch der Rune
vom Totenkopfring der SS und vom Jul-Leuchter der SS:

Lebens- und Todesrunen werden von Nazis als Zeichen für Geburt und Tod auf Grabsteinen und in Todesanzeigen verwendet (beide Beispiele aus der Zeitschrift "glaube und tat" der DUR):




Die Neonazi-Gruppe "Skinheads Sächsische Schweiz" posiert mit den Runen für das Nachrichtenmagazin "Focus" (Nr. 41/2000, S. 116):


Die Runen werden international von Neonazis benutzt. Die englische antifachistische Zeitschrift "Searchlight" brachte im Juli 2000 dieses Foto des "leading US nazi William Pierce, who has inspired a generation of nazi terrorists" vor einem Versammlungshaus der Neonazis, an dessen Fassade die Lebensrune prangt:


Die DUR-Jugendorganisation BDUJ hat die Runen auf ihrem Wimpel nachempfunden:

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Mittwoch, der 6. Februar 2002, 11:59 Uhr
Name: Dr. Dieter Schmidt, Breme
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Dezember 1998: Angst vor offener Diskussion

Kulturamt Prenzlauer Berg kneift

Statt kontroverser Podiumsdiskussion darf nun ein HVD-Vertrauter
die Freireligiösen-Ausstellung reinwaschen –-
Antisemitismus ist wieder inbegriffen –- BVV-Vorsteher Dr. Günter Bärwolff (PDS) ist blamiert –-
Bezirksamt verbreitet Beleidigungen –- HumanistischerVerband verbreitet heiße Luft –-
Nach unserer Kritik wurde die Ausstellung verändert: Was auf die Existenz der Berliner Freireligiösen nach 1934 hinwies, wurde weggemacht –-
Regelmäßige Treffen der Berliner Gemeinde 1939, 1940, 1941 ...
Zur Provinzposse gerät dem Bezirksamt Prenzlauer Berg mehr und mehr die Auseinandersetzung um die Freireligiösen-Ausstellung im Prenzlauer-Berg-Museum. Statt der groß angekündigten kontroversen Podiumsdiskussion, die BVV-Vorsteher Dr. Günter Bärwolff (PDS) mit Vertretern des Senates, der Jüdischen Gemeinde, der Freireligiösen und des BIFFF... e. V. machen wollte, gibt es jetzt nur einen Vortrag eines Vertrauten des Humanistischen Verband Deutschlands (HVD) und der Freireligiösen Gemeinde Berlin: HVD-Autor Ulrich Nanko soll sagen, daß sich die Freireligiösen nur deshalb den Nazis angeschlossen hätten, um einem Verbot zu entgehen - so steht es in der Ankündigung des Museums. Bärwolff ist blamiert, im Kulturamt unter Bezirksstadtrat Burkhard Kleinert (PDS) regiert offenbar schon der HVD, Aufklärung und Widerspruch sind nicht erwünscht. Statt sich unseren Argumenten zu stellen, verbreitet das Bezirksamt inzwischen die Beleidigungen der Freireligiösen Gemeinde gegen uns ("amoklaufender Wirrkopf" usw.) und riskiert damit ein Strafverfahren. Der offenbar außer Kontrolle geratene Bezirksbürgermeister Reinhard Krätzer (SPD) zeigt einer Pressemeldung der "Berliner Zeitung" zufolge einen unbescholtenen Bürger an und riskiert ein weiteres Strafverfahren nach 164 StGB (falsche Verdächtigung). Peinlich, daß ein Bezirksamt der Hauptstadt nicht mehr zu bieten hat.

Die anhaltenden Forschungen des BIFFF... e. V. haben jetzt ergeben, daß sich die organisierten Berliner Freireligiösen - von wegen Verbot! - ab 1939 regelmäßig zu öffentlichen Veranstaltungen trafen, 1939 am Alexanderplatz, ab 1940 im Restaurant Atlas an der Weidendammer Brücke; am 13. April 1941 hielten sie Jugendweihe-Feiern ab. Wir kennen sogar die damalige Telefonnummer des Vorsitzenden der Berliner Freireligiösen, die die Gemeinde 1940 im ganzen Reich verbreiten ließ. Die Freireligiösen waren ab 1937 wieder eingetragener Verein, von einem Verbot - wie in der Ausstellung behauptet - keine Spur.

Die bisher angekündigten juristischen Schritte gegen uns haben sich als heiße Luft erwiesen: Die angebliche Klage des HVD gegen uns ist immer noch nicht eingegangen, auch von den angekündigten juristischen Schritten der Berliner Freireligiösen-Vorsitzenden Anke Reuther gegen uns war bisher nichts zu bemerken, und zu der Strafanzeige des SPD-Politikers Krätzer namens des Bezirks Prenzlauer Berg erklärt BIFFF...-Vorstand Peter Kratz: "Wir wünschen eine schnelle Anklage, damit wir noch vor der Abgeordnetenhauswahl freigesprochen sind. Die Affäre wird der SPD sicher Stimmen kosten. Aber wahrscheinlich kommt es so, wie bei allen anderen Ermittlungsverfahren gegen uns bisher: Weil es nichts anzuklagen gibt, bleiben sie liegen, bis sie ohnehin verjährt sind, und werden dann eingestellt. Keine einzige der zahlreichen Anzeigen gegen das BIFFF... und gegen BIFFF...-Vertreter, die aus dem Bereich Freireligiöse/Unitarier/"Humanisten" kamen, führte bisher zu einer Anklage. Außer Spesen nichts gewesen."

Ausstellung verändert

Bis zu unserer Kritik an der Ausstellung konnte man in einer Vitrine das aufgeschlagene Bestattungsbuch der Freireligiösen Gemeinde sehen, in dem Bestattungen der angeblich verbotenen Gemeinde im Jahr 1936 auf dem angeblich enteigneten Gemeindefriedhof verzeichnet waren. Nachdem wir auf diese Unstimmigkeit hingewiesen hatten, veränderte das Prenzlauer-Berg-Museum die Vitrine: Statt der Seiten des Jahres 1936 ist das Beerdigungsbuch nun neuerdings in den 20er Jahren aufgeschlagen - so erspart man sich Nachfragen kritischer Besucher.

Referent schwatzt Nazi-Thesen nach

Die Veranstaltung des Kulturamtes mit Ulrich Nanko am 28. Januar 1999 ist in jeder Hinsicht eine weitere Peinlichkeit. Nanko arbeitete 1997 für die HVD-eigene "Humanistische Akademie e.V." und schrieb in deren Blatt "humanismus heute" gegen das Buch "Die Götter des New Age" von Peter Kratz an. In dem Buch, das 1994 im Berliner Elefanten Press Verlag erschien, wird auch die Nazi-Nähe des HVD-Chefideologen Hubertus Mynarek offengelegt. 1999 soll Nanko als objektiver Zeuge gegen uns dienen. Dazu wird er sogar vom Kulturamt als "katholischer Theologe" angekündigt. In Nankos Dissertation steht davon allerdings nichts, hier ist er konfessionsfreier Religionswissenschaftler. Die Bezeichnung "Theologe" ist nicht geschützt, jeder kann sich so nennen. Nanko wird vom Kulturamt weder als "Diplom-Theologe" (das wäre eine geschützte Berufsbezeichnung mit Universitätsexamen) noch als ordinierter katholische Priester (auch dies wäre eine geschützte Bezeichnung, vergeben von der Kirche) vorgestellt. Wozu das erneute Verwirrspiel mit Begriffen?

Auch Nankos Dissertation über die Deutsche Glaubensbewegung hat ihre Tücken. Als hauptsächliche Quelle benutzt er das Archiv des Führers der Deutschen Glaubensbewegung, des SS-Mannes Wilhelm Hauer. Unkritisch betet Nanko die Geschichte so nach, wie Hauer sie in seinen Aufzeichnungen und Briefkopien hinterlassen hat. Wurden die Originale der Kopien auch abgeschickt? Oder hat Hauer sie zwischen 1945 und seinem Tod 1962 erst für spätere, naive Geschichtsschreiber verfertigt? Statt dies zu fragen, bedankt Nanko sich noch artig bei Hauers Witwe für ihre Unterstützung. Am Ende entsteht eine Geschichte der Deutschen Glaubensbewegung, wie deren Führer Hauer sie wohl gerne gelesen hätte.

Antisemitin als Quelle

Naiv ist auch Nankos Umgang mit anderen Quellen. So führt er in seiner Dissertation immer wieder die Hauer-Biographie der Nazi-Autorin Margarete Dierks als ernst zu nehmende Quelle an. Über die politischen Hintergründe der Dierks weiß er nichts, denn Nanko hat keine Ahnung von Antifaschismus und nur wenig Ahnung vom Nationalsozialismus. Dierks - nach 1945 eine enge Weggefährtin des weiterhin rassistischen Hauer - schrieb 1938 ihre Dissertation über "Die preußischen Altkonservativen und die Judenfrage 1810/1847". Darin warf sie den Liberalen vor, 1848 die Emanzipation der Juden betrieben zu haben und lobte den "Abwehrkampf ..., den eine Reihe preußisch-deutscher Männer (der Altkonservativen) während einiger Jahrzehnte gegen das Judentum geführt haben. Es war die für den Einbruch des Jüdischen in den deutschen Geistes- und Kulturbereich, in das deutsche Staats- und Wirtschaftsleben entscheidungsvolle Zeit, denn es handelte sich damals um die volle Gleichberechtigung und Anerkennung der Gleichwertigkeit des Juden im preußischen Staate. Das Streben danach erfolgte von zwei Seiten: einmal von den Fremdblütigen selbst, die im Namen der Menschheit Heimatrecht forderten in einem Lande, das nicht ihres Blutes und ihres Geistes Heimat war, und von den Deutschblütigen, die aus Gründen der aufgeklärten Humanität, der christlichen Duldsamkeit und erklügelter Menschenrechte dem fremden Element Heimatrecht gewähren wollten." Doch die Altkonservativen hätten die Judenemanzipation nicht verhindern können, so Dierks, denn ihnen "fehlte die Unterstützung durch wissenschaftliche Rasseerkenntnis", und sie seien "gehemmt (gewesen) durch den christlichen Glauben, der dem Christen befiehlt, auch den fremdblütigen Getauften als Bruder in Christo anzunehmen". Dierks schreibt am Ende ihrer Dissertation: "In der Folge der Zeit erhielt der Instinkt des Blutes von der Naturwissenschaft die Beweise, die er brauchte, um sein inneres Gesetz in der öffentlichen Gesetzgebung geltend zu machen. Erlebnis und Erfahrung unseres Volkes traten hinzu, bis nach gewaltigem Ringen sich ein deutscher Staat auf rassischer und volklicher Grundlage erhob. Er hat die Judenfrage endgültig der christlich-religiösen Sphäre entrückt, indem er ihre Entscheidung auf dem Boden völkischer Gesetzgebung fällte. Er traf diese Entscheidung, wie es 'das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre' zum Ausdruck bringt, ausschließlich in dem Bewußtsein der Verantwortung und Verpflichtung für die Zukunft unseres deutschen Volkes."

Die Diss der Dierks ist nachzulesen in der Universitätsbibliothek Kiel - wahrlich eine Gewährsfrau für Nanko und für die Ausrichtung der Freireligiösen-Ausstellung im Prenzlauer-Berg-Museum! Man bleibt sich eben treu.

Dierks - seit 1932 Mitglied der antisemitischen Ludendorffer-Sekte (Lebenslauf zur Dissertation 1938) - wurde in der Bundesrepublik als Teilnehmerin der rechtsextremistischen "Lippoldsberger Dichtertage" (hier trafen sich alljährlich die früheren Führer-Geburtstags-Dichter der Nazis) vom Verfassungsschutz beobachtet. Der frühere Verfassungsschutzpräsident Manfred Jenke nannte sie namentlich in seinem Buch "Verschwörung von rechts?"

Doch für Ulrich Nanko ist das, was Dierks über ihren Förderer Hauer zu Papier brachte, eine Quelle, die er kritiklos nachbetet, und für das Kulturamt Prenzlauer Berg ist Nanko der passende Zeuge gegen uns.

Peter Kratz kommentiert:

"Die Freireligiösen und Pseudo-Humanisten haben immer schon menschenverachtende Thesen vertreten, ob sie nun um die Jahrhundertwende als Rassehygieniker auftraten, in den 20er Jahren die Sozialeugenik propagierten oder in den 30er und 40er Jahren die KZ zu füllen halfen und Euthanasie und Zwangssterilisierung durchsetzten. Insofern sind die menschenverachtenden Ausfälle der Vorsitzenden der Berliner Freireligiösen Gemeinde, der früheren SPD-Abgeordneten Anke Reuther, gegen mich zwar noch auf einem unteren Handlungsniveau, knüpfen aber schon an die Tradition der Vergangenheit an und verweisen auf die Richtung, die man für die Zukunft befürchten muß." Dezember 1998

...Bezug: HVD-Ausstellung über Freireligiöse Gemeinde Berlin

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Mittwoch, der 6. Februar 2002, 11:58 Uhr
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Januar 1999: Dreist!


HVD täuscht weiter über Nazi-Verwicklungen


Die Reaktion des Humanistischen Verbandes Deutschlands auf unsere Veröffentlichung über die Nazi-Propaganda in der HVD-Ausstellung des Prenzlauer-Berg-Museums macht alles noch schlimmer –-
Konfusion mit Namen soll die Öffentlichkeit täuschen –-
Wer "Freireligiöse" und "Humanisten" eigentlich sind, was sie in Wahrheit wollen, auf welches Gedankengut sie sich intern beziehen - das ist in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt –-
Der Berliner HVD-Vorsitzende Christian John beschimpft Abgeordnetenhaus-Parteien, Bürgermeister, christliche und jüdische Würdenträger –-
Man ist einiges gewohnt von Rechtsaußen. Verleumdung, Lüge und Fälschung gehören dazu. Kaum mehr als ein paar Verleumdungen konnte der HVD antworten auf unsere detallierte Darstellung seiner Nazi- und Neonazi-Verwicklungen. Insbesondere kann er in keinem einzigen konkreten Fall aus unserer 6-seitigen Stellungnahme, die wir über die Nazi-Propaganda im Prenzlauer-Berg-Museum veröffentlichten, widerlegen. Der HVD kann politisch nur dann überleben, wenn es ihm gelingt, die Abgeordnetenhaus-Parteien zu täuschen. Seine Methoden sind plump, und die Abgeordneten werden sich die Augen reiben, wenn sie lesen, wie der Berliner HVD-Vorsitzende John sie intern in dem HVD-Blättchen "Diesseits" beschimpft: Die vier Abgeordnetenhausfraktionen, die Bezirksbürgermeister von Mitte, Tiergarten und Friedrichshain, christliche Geistliche "sowie der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde" seien allesamt nur "Geldsäcke und Pfaffen" und "schonungslose Volksschinder", schreibt John hier 1998; den Präsidenten des Abgeordnetenhauses Prof. Dr. Herwig Hasse (CDU) nennt er dabei sogar namentlich. John bezeichnet seine Tiraden als "freigeistig", allerdings sind sie aus dem Nazi-Milieu schon seit vielen Jahrzehnten bekannt.

Der Prenzlauer-Berg-Museumsdirektor Bernt Roder möchte nach unserer Veröffentlichung nun plötzlich die Bücher aus der HVD-Ausstellung herausnehmen, in denen bekannte Nazi-Ideologen und Auschwitz-Leugner für die "Freireligiösen" und "Humanisten" schreiben. Aus den Augen, aus dem Sinn. Vernichtung der Erinnerung an die Vernichter, so einfach geht das. Vom Ausstellungskatalog, der diese Bücher ebenfalls als Quelle "freigeistigen" Gedankengutes anpreist, ist keine Rede. Wird er eingestampft, nachdem Tausende Exemplare gedruckt wurden? Wer hat sie bezahlt? Der Katalog der Ausstellung preist das Buch "Freigeistige Bibliographie" des Nazi Karl Becker als einzige "echte freigeistige Bibliographie" an (Seite 64); Becker präsentiert in dem Buch jedoch zum Beispiel den NSDAP-Chefideologen Alfred Rosenberg als Vordenker der "Humanisten"- und Freireligiösen-Szene (Becker, Seite 110) und listet über lange fünf Seiten den Kern der NS-Literatur und auch Neonazi-Literatur auf, als angeblich seriöse kritische Literatur über das Christentum und das Judentum! Auschwitz als "humanistische" Tat. Der Museumsdirektor ist offenbar reif für Disziplinarmaßnahmen, denn sein Haus propagiert auf diese Weise weiterhin Nazi-Schriften, getarnt als "echte freigeistige" Literatur, auch für den "freigeistigen Religionskundeunterricht", wie ein Kapitel bei Becker heißt. Vielleicht wacht die CDU ja noch auf.

Alfred oder Arthur?

Mit einem plumpen Trick der Namensverwirrung versucht der HVD in einer offiziellen Stellungnahme, sich aus dem braunen Sumpf zu ziehen. Doch Lügen haben kurze Beine. Für den HVD behauptet jetzt sein Vorstandsmitglied Horst Groschopp, wir hätten Alfred Rosenberg mit dem kommunistischen, dann sozialdemokratischen Historiker Arthur Rosenberg verwechselt, der durch seine Geschichte der Weimarer Republik bekannt geworden war. Groschopp ist der eigentliche Hintermann der braun getränkten Ausstellung vom Prenzlauer Berg und machte sich mit seinem Buch "Dissidenten" (über diese Freireligiösen- und "Humanisten"-Szene) einen Namen als Geschichtsfälscher. Er weiß, daß er mit dem Trick der angeblichen Namensverwechslung lügt, denn er ist verantwortlich für "Konzeption und Redaktion" des Ausstellungskatalogs, der Beckers Nazi-Bibliographie und andere Nazi-Bücher als freigeistige, humanistische und religionskritische Literatur anpreist.

Der HVD täuscht also bewußt die Öffentlichkeit.

Nazis raus aus den Schulen!

Dazu Peter Kratz, Leiter des BIFFF... e. V.: "Wir haben nichts zurückzunehmen. Der HVD und der Direktor des Prenzlauer-Berg-Museums werden sich hüten, uns zu verklagen, denn sie wissen genau, daß wir die Nazi-Verwicklungen richtig dargestellt haben. Wir bleiben dabei: Die Ausstellung vom Prenzlauer Berg und der Ausstellungskatalog zeigen, daß führende Personen des HVD tatsächlich bis heute auch nationalsozialistisch orientiert sind, denn anders sind ihre versteckten Bezüge auf Ideologen der Nazis nicht zu erklären. Damit ist der HVD ein Fall für den Verfassungsschutz. Für den Lebenskundeunterricht des HVD an Berliner Schulen gilt: Solange die offensichtlichen Nazi-Verwicklungen bestritten statt aufgearbeitet werden, ist zu befürchten, daß auch die nazi-orientierten HVD-Leute Schüler indoktrinieren werden. Das muß aufhören." Januar 1999

...Bezug: HVD-Ausstellung über Freireligiöse Gemeinde Berlin

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Mittwoch, der 6. Februar 2002, 11:57 Uhr
Name: Dr. Dieter Schmidt, Breme
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Januar 1999: Skandal um Prenzlauer-Berg-Museum ausgeweitet:

"Humanismus" in Nazi-Tradition

Rassistischer Chefideologe des HVD hält Andersdenkende für "Irrläufer der Evolution" und sieht seine Anhänger auf der Evolutionsleiter schon eine Stufe über den Normalmenschen –-
Direkter Bezug auf den Nazi-Agitator Wilhelm Hauer –-
Herrenmenschen-Indoktrination auch im HVD-"Lebenskunde-Unterricht" an Berlins Schulen?

Juden raus!-Parolen bei den Stars der Freireligiösen-Ausstellung des Prenzlauer-Berg-Museums –-
Alfred Rosenberg als Freireligiösen-Vordenker aufgeführt
Der Skandal um die Freireligiösen-Ausstellung des Prenzlauer-Berg-Museums weitet sich immer mehr aus. Jetzt fanden wir in öffentlichen Bibliotheken erneut Texte von Personen, die in der Ausstellung als progressive Identifikationsfiguren vorgestellt werden, obwohl sie in den 30er Jahren forderten, die "Judenbibel" müsse aus dem Schulunterricht verschwinden: "Nicht zu Juden, nicht zu Bibelchristen sollen deutsche Kinder erzogen werden, sondern zu lebensfrohen, sittenstarken Menschen, die ihrem Volk und deutschen Idealen ihr Leben weihen", schrieb Georg Kramer 1937 in der Freireligiösen-Zeitschrift "Deutsches Werden". "Der größte Teil der Lehrerschaft will befreit werden von den alten Judengeschichten im Schulunterricht", schrieb Kramer, "diesem Krebsschaden im deutschen Schulwesen"; man dürfe nicht länger "von christlichen Priestern hypnotisiert" werden. 1998/99 stellt das Prenzlauer-Berg-Museum scheinbar unverfängliche Kramer-Texte als Fotokopien zum Nachlesen kommentarlos aus; daß derselbe Kramer ein Vordenker der Judenverfolgung war, verschweigt das Museum.

Der im Ausstellungskatalog des Kulturamtes Prenzlauer Berg auf Seite 64 als "aktivster Streiter" der Freireligiösen positiv gewürdigte Carl Peter - in Wahrheit ein radikaler Nationalsozialist und Verleger von "Deutsches Werden", was die Ausstellung jedoch verschweigt - brachte Ende 1933 die Schrift "Der Bund freireligiöser Gemeinden Deutschlands. Eine Gemeinschaft der Deutschgläubigen" heraus, auf deren Rückseite er den "Beauftragten des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Schulung und Erziehung der NSDAP" Alfred Rosenberg zu den "namhaften Schriftstellern und Vertretern eines deutschen Glaubens" zählt, neben den Nazi-Agitatoren Ernst Bergmann (später Chef der Freireligiösen), Arthur Drews, Ludwig Fahrenkrog, Wilhelm Hauer, Graf Ernst zu Reventlow, Hermann Wirth und anderen, die hier wie Alfred Rosenberg namentlich aufgeführt sind. Diese Schrift fanden wir jetzt in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin (als "Volkstümliche Reden und Schriften" unter der Bibliotheks-Signatur Cq 10658). Als die Schrift 1933 erschien, war die Berliner Freireligiöse Gemeinde Mitglied des Bundes freireligiöser Gemeinden unter Peter. Es ist also erneut aus dem Bestand der Staatsbibliothek beweisbar, daß die Berliner Freireligiöse Gemeinde tatsächlich zum radikalsten Teil des Nazismus zählte, der sich auf Alfred Rosenbergs Buch "Der Mythus des 20. Jahrhunderts" berief, den Nazismus als Religion und schließlich sogar Adolf Hitler als Gott ausgab. Die Ausstellung des Kulturamtes Prenzlauer Berg, der Freireligiösen Gemeinde und des Humanistischen Verbandes, die zur Zeit im Prenzlauer-Berg-Museum zu sehen ist, will jedoch darüber hinwegtäuschen.

Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD), Mitveranstalter der Ausstellung und mit seinem "Lebenskunde-Unterricht" angeblich zweitgrößter Anbieter des Religions- und Ethik-Unterrichts an den staatlichen Berliner Schulen (nach der Evangelischen und noch vor der Katholischen Kirche), ist selbst in rassistische und nazistische Agitation verstrickt. Wie eine Auswertung der HVD-Zeitschrift "Diesseits" jetzt ergab, ist der Autor Hubertus Mynarek - der sich selbst positiv auf den Führer der nazistischen "Deutschen Glaubensbewegung" der 30er Jahre, Wilhelm Hauer, bezieht und persönlich in den 70er und 80er Jahren als Agitator bei den nazistischen "Deutschen Unitariern" und bei den "Nationalrevolutionären" mitmischte - heute offenbar der Chefideologe des HVD: Er ist inzwischen nicht nur Mitglied des HVD, sondern gehört auch zu den Hauptautoren von "Diesseits"; seine unsäglichen sozialdarwinistischen Bücher werden in "Diesseits" immer wieder angepriesen. Gleich zwei der nur vier "diesseits"-Hefte aus 1998 preisen sein Buch "Ökologische Religion" von 1986 als eine Grundlage des "Humanismus" des HVD an. In dem Buch vergöttlicht Mynarek die Evolution und den biologischen Kampf ums Dasein; die Anhänger des "Judaochristentums" und der angeblich darauf fußenden "Naturvernutzung" erklärt er kurzerhand zu "Irrläufern der Evolution" (S. 159), die im Kampf ums Dasein der Vernichtung anheimfallen werden, und von den Anhängern seiner selbst erfundenen "Ökologischen Religion" behauptet er hier, sie seien "der Sinn der Erde, der Evolution" (S. 159), die Herrenmenschen des kommenden ökologischen Zeitalters: "Der nächste Schritt der Evolution dürfte darin bestehen, uns dieser Verbundenheit (mit dem Mythus Natur) in leuchtend und eindringlich klarer Weise bewußt zu werden. ... Ökologische Religiösität greift diesem Evolutionsprozeß zunehmender Bewußtwerdung der Einheit des Menschen mit der Natur schon voraus" (S. 115/116). "So ist der öko-religiöse Mensch ... der eigentliche Vollender der Sinngestalt der Natur" (S. 171), ohne Mynareks verquaste "Öko-Religion" dagegen "erreicht der Mensch nicht seine eigentliche Bestimmung, seinen eigentlichen Wert" (S. 171), alle Andersdenkenden sind wertlose biologische "Irrläufer". Religiösität - so meint Mynarek 1986 wie Rosenberg 1930 - liege im Mythus Blut, "etwas, das in den genetisch-biologischen Anlagen des Menschen verankert ist" (Mynarek S. 157), areligiöse Menschen sind demnach wohl Erbkranke. Mynarek schwärmt hier auch vom "sozialhierarchischen Aufbau der Natur" (S. 60), führt "die bekannten Ameisen- und Bienenstaaten" (S. 61) als vorbildlich an und schließt politisch: "Dann ist die Annahme nicht abwegig, der Natur liege es auch an der Herbeiführung der richtigen oder besten Staatsverfassung ... In dieser Hinsicht ist die Natur auch politisch" (S. 212).

Welche Politik gemeint ist, konnte man sich schon nach Mynareks Buch "Orientierung im Dasein" denken, das er 1979 für die "Jugendarbeit" der nazistischen "Deutschen Unitarier" schrieb. Hier erklärte er den Nazi-Agitator und SS-Mitglied Wilhelm Hauer, der in den 30er Jahren das Judentum und das Christentum als "rassefremd" aus Deutschland vertreiben wollte und sowohl die "Deutsche Glaubensbewegung" als auch kurzzeitig den "Bund freireligiöser Gemeinden" zum Aufbau einer "arischen" Religion führte, zu "einer der bedeutendsten Größen der Religionswissenschaft des 20. Jahrhunderts" (S. 83). Schon 1977 hatte Mynarek sich in dem Buch "Religion - Möglichkeiten oder Grenzen der Freiheit?" auf Hauer und auf die neonazistische "Religionswissenschaftlerin" Sigrid Hunke gestützt - es ist tatsächlich immer dieselbe Nazi-Szene, die man bei Freireligiösen und "Humanisten" antrifft. Für die Sekte "Universelles Leben/Heimholungswerk" empfand Mynarek schon 1985 "Sympathie", das evangelische "Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt" porträtierte ihn 1986 unter der Überschrift "In der Tradition von Blut und Boden", bei den "Christen bei den Grünen" versuchte er vergeblich zu landen und blitzte ab - aber 1998 ist er endlich Chefideologe des HVD. In "diesseits" vom Dezember 1998 erklärt Mynarek, daß "schwerkranke Menschen" in seiner biologisch-religiösen Hierarchie unterhalb der "gesunden Pflanze" stünden; und Gita Neumann, die beim HVD "den Bereich Patientenbegleitung verantwortet", forderte schon 1993 in "diesseits", den Begriff "lebensunwertes Leben" endlich wieder aus der Tabuzone zu holen, bezogen auf Menschen, nicht auf Pflanzen.

Die Frage drängt sich auf: Verbreitet der HVD die Herrenmenschen-Agitation seines Chefideologen auch an den staatlichen Schulen Berlins? Was findet eigentlich tatsächlich im "Lebenskunde-Unterricht" des HVD statt? Wird die HVD-Tätigkeit an den Schulen von unabhängigen Stellen kontrolliert oder kann hier jeder drauflos agitieren? Mynareks Ideen einer neuen "öko-religiösen" Herrenrasse und der Geschichtsrevisionismus der Ausstellung im Prenzlauer-Berg-Museum lassen das Schlimmste vermuten.

Dazu meint Peter Kratz, Leiter des BIFFF... e.V.: "Wer eigene Nazi-Traditionen verschweigt und gleichzeitig Andersdenkende als 'Irrläufer der Evolution' bezeichnet, macht klar, daß er nichts gelernt hat und wohl auch nichts lernen will. Hier werden die Grundlagen für neue Vernichtungsaktionen gelegt. Die Rede von Menschen als 'Irrläufern der Evolution', nur weil sie nicht in die eigene Weltanschauung passen, disqualifiziert den HVD, weiterhin Kinder und Jugendliche an Berliner Schulen zu unterrichten." Januar 1999

...Bezug: HVD-Ausstellung über Freireligiöse Gemeinde Berlin

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