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Donnerstag, der 21. Februar 2002, 20:14 Uhr
Name: Vincent
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@Heike N. (um Mißverstände zu verhindern :-)

Meine Mutter ist "gläubige" Sozialdemokratin. Zur Erklärung: die CDU ist "schlecht", die SPD ist "gut". Egal, welchen Mist die SPD in letzter Zeit verbockt hat, z. B. Riester-Rente, Gleich-Besteuerung von Alleinerziehenden und Singles, alles Dinge, die nicht allen Ernstes sozialdemokratisch genannt werden können, egal, wie man dazu stehen mag, ist für sie "gut". Nicht etwa, weil sie diese Veränderungen gutheißt, sondern weil sie von der SPD kommen.

Nun, ich kenne euch nicht. Auf alle Fälle sage ich, dass "Wolfgang" und "Antichrist" und Konsorten gläubige Atheisten sind.

Ich weiß nicht, ob ich mich dann gläubig oder "Meinung-vertretend" nennen muss. Blind glaube ich nicht. Ich würde sofort alles zurücknehmen, wenn ich eure Meinung als richtig und wahr erachten kann. Im Moment sehe ich aber keinen Anlass meine Meinung, dass es Gott gibt und die christliche Lehre durchaus wahr sein kann, zu ändern.

@Heike J:
Mir fallen da noch jede Menge mehr ein ;-).

Mir auch. Wichtig ist, dass man nicht Kirche generalisieren darf. Die katholische Kirche verfasst wesentlich mehr Doktrinen, als die evangelisch-lutherische z.B..

Wenn man sieht, wie auch das neue Testament auf Drohungen aufgebaut ist, habe ich da so meine Zweifel, ob man als Humanist wirklich Christ sein kann. Ich empfehle dir das Buch "Denn sie wissen nicht, was sie glauben" von dem Psychologen Prof. Buggle zu lesen.

Meinet wegen, wenn ich Zeit habe - im Moment habe ich leider viel zu viel andere Dokumente zu lesen. Wie auch immer, ich sage nicht dass "Humanist" ein Element von "Christ" ist, aber "Christ" und "Humanist" in vieler Hinsicht kompatibel sind :-).

Nicht frommer. Nur konsequenter und rationaler.

Gibt es einen Unterschied zwischen 'fromm' und konsequent?

Wir organisieren uns, um die Trennung von Staat und Religion zu erreichen. Damit Staatsentscheidungen nicht ideologisch gefällt werden, sondern auf rationaler Basis.

In einem Staat, in dem Parteien existieren, die vorgefertigte Meinungen "Grundsatzprogramme" gibt, gibt es keine nicht ideologische gefällte Meinung. Absolut rationale Meinungen gibt es meiner Ansicht nach nicht.

Übrigens haben Menschen wie wir, die sich organisierten, erreicht, dass Menschen wie du - ja, auch du, der du der Kirche nicht angehörst - und ich zu unserer Meinung stehen dürfen, ohne von Kirche und Staat ins Gefängnis geworfen zu werden - oder noch Schlimmeres. In dieser Tradition versteht sich diese Seite und unsere Arbeit. Das hat mit Frömmigkeit nichts zu tun.

Meinst du? Konsequent und Frömmigkeit ist meiner Meinung nicht anders. Natürlich habe ich Leute wie euch zu verdanken, dass ich der Kirche austreten kann. Andererseits ist es nicht so, dass alle Atheisten Humanisten sind und alle Humanisten Humanisten sind - um auf unsere "wahre" und "wahre" Christen Diskussion zurückzukommen :-).

Ich bin auch auf den Trugschluß hereingefallen, dass meine Glaubensrichtung (war damals der Atheismus/Nihilismus) richtig war. Mein Atheismus baute auf der Rationalität der Wissenschaft auf und mein Nihilismus auf der Meinung: Den Toten ist eh alles egal. Man darf also im Prinzip tun oder lassen, was man will - es gibt keinen objektiven Grund, der mir irgendetwas verbietet - außer derjenige der mächtiger ist als ich und gegen den ich mich nicht wehren kann. (Im Prinzip hat sich da vielleicht auch nicht allzuviel geändert)

Ich habe zu allem, was mich bisher betroffen hat eine Meinung. Auch habe ich die Meinung, dass keine Meinung immer richtig ist und dass meine Meinung meine Objektivität immer beeinflusst - egal wie rational sie scheinen mag.

Donnerstag, der 21. Februar 2002, 19:35 Uhr
Name: Heike N.
E-Mail: keine E-Mail
Homepage: keine Homepage

LOOOOOOOL

Was habt ihr denn für ein Gästebuch? Gebe ich "Singles" ein, werde ich auf ein Kontakt-Link verwiesen. "Der Humanist" als Partnerschaftsvermittler?

Ich lach mich hier schlapp ;-))))))))))))))))))

Heike N.

Donnerstag, der 21. Februar 2002, 19:33 Uhr
Name: Heike N.
E-Mail: worldsherold@aol.com
Homepage: www.worlds-herold.de

Hallo Vincent,

Ihr verfolgt euren Glauben mit dem gleichen Eifer, wie ich meinem folge.

...seid genauso Anhänger einer Meinungsgruppe

Zwischen Meinung und Glauben besteht doch ein Unterschied. Eine "Meinung" ist ein Gebilde, entstanden aus der Verarbeitung von Erfahrung, abstrakter Denkweise und Abwägung verschiedener Möglichkeiten. Der "Glaube" ist ein reflexionsloses Übernehmen/Annehmen einer bestehenden Struktur. Das mag sich vielleicht arroganter anhören, als es gemeint ist, deshalb ein Beispiel aus einer ganz anderen Ecke:

Meine Mutter ist "gläubige" Sozialdemokratin. Zur Erklärung: die CDU ist "schlecht", die SPD ist "gut". Egal, welchen Mist die SPD in letzter Zeit verbockt hat, z. B. Riester-Rente, Gleich-Besteuerung von Alleinerziehenden und Singles, alles Dinge, die nicht allen Ernstes sozialdemokratisch genannt werden können, egal, wie man dazu stehen mag, ist für sie "gut". Nicht etwa, weil sie diese Veränderungen gutheißt, sondern weil sie von der SPD kommen.

Gruß
Heike N.

PS: kannst du in deiner Anrede bitte zwischen uns beiden Heikes unterscheiden? Es gab hier schon mal ein (lustiges) Missverständnis mit einem Pfarrer i. R.. Danke ;-))

Donnerstag, der 21. Februar 2002, 18:41 Uhr
Name: Heike J.
E-Mail: keine E-Mail
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Übrigens haben Menschen wie wir, die sich organisierten, erreicht, dass Menschen wie du - ja, auch du, der du der Kirche nicht angehörst - und ich zu unserer Meinung stehen dürfen, ohne von Kirche und Staat ins Gefängnis geworfen zu werden - oder noch Schlimmeres. In dieser Tradition versteht sich diese Seite und unsere Arbeit. Das hat mit Frömmigkeit nichts zu tun.
Heute dürfen wir unsere Meinung sagen. Wir müssen weiter unsere Rechte einklagen, sonst kann sich das Rad ganz schnell zurückdrehen. Kirchen und Staat sind immer noch eng miteinander verquickt. Die Religionsfreiheit wird immer noch beschnitten.

Donnerstag, der 21. Februar 2002, 18:23 Uhr
Name: Heike J.
E-Mail: keine E-Mail
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Welche Kirche meint er überhaupt? Die Katholische, die Evangelische(n), die Freikirchen?

Mir fallen da noch jede Menge mehr ein ;-).

- Nun wieso du Humanist bist weiß ich nicht, aber ein Teil davon ist schon allein ein Grund Christ zu sein.

Wenn man sieht, wie auch das neue Testament auf Drohungen aufgebaut ist, habe ich da so meine Zweifel, ob man als Humanist wirklich Christ sein kann. Ich empfehle dir das Buch "Denn sie wissen nicht, was sie glauben" von dem Psychologen Prof. Buggle zu lesen.

Ihr seid frommer

Nicht frommer. Nur konsequenter und rationaler.

viele eurer gleichdenkenden organisieren sich und versuchen Andersgläubige zu ihrem Glauben zu überzeugen.

Wir organisieren uns, um die Trennung von Staat und Religion zu erreichen. Damit Staatsentscheidungen nicht ideologisch gefällt werden, sondern auf rationaler Basis.

Donnerstag, der 21. Februar 2002, 17:56 Uhr
Name: Vincent
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Zu der Atheismus-Begriff Sache.

Ich gebe Frank dennoch recht. Ihr verfolgt euren Glauben mit dem gleichen Eifer, wie ich meinem folge. Ihr seid frommer im Sinne eures Glaubens als viele andere Christen.

Dennoch ihr seid genauso Anhänger einer Meinungsgruppe, viele eurer gleichdenkenden organisieren sich und versuchen Andersgläubige zu ihrem Glauben zu überzeugen. Wenn das nicht so wäre, gäbe es diese Seite nicht.

Donnerstag, der 21. Februar 2002, 17:53 Uhr
Name: Vincent
E-Mail: keine E-Mail
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@Heike:

Zumindest haben die Kirchen das Christentum stark geprägt. Das ist wohl nicht zu leugnen. Und ob es ohne die Machtgier der Kirchen, ohne die vielen Zwangsmissionierungen, das Christentum als Religion überhaupt noch geben würde, ist auch eine Frage.

Geben würde, gegeben hatte. Aber nicht mehr sein.

Kirche und Christentum gehören zusammen, aber gehören nicht in einen Sack. Welche Kirche meint er überhaupt? Die Katholische, die Evangelische(n), die Freikirchen?

@Herbert:

Das mit der Wahrheit sehe ich anders. Es gibt eine Wahrheit, die auf den Menschen beruht. "Wahr ist das, was ich für wahr halte".
Aber die Existenz des Universums, die absolut objektiv betrachtete Materie an sich ist die Wahrheit.
Natürlich irgendwo ist Gott subjektiv - aber in meinem Beruf habe ich oft mit Berichten zu tun, in denen grausame Menschen anderen Menschen wirklich grausames getan haben, es ist nicht so dass ich die Welt durch eine rosa Glaubens-Brille sehe (wenn du verstehst was ich meine). Ich versuche alles so zu sehen, wie ich und andere es sehen. Ich habe gelernt, dass Wahrheit relativ ist. Ich habe Texte gelesen, in denen andere Wahrheiten dargestellt worden sind, als die Wahrheit, die allgemein als "wahr" gilt. Berichte über Dinge, die die Presse "wahr" nannte, aber in wirklichkeit nur eine Lüge im Netz von Lügen sind.
Verantwortlich sehe ich mich vor Gott und meinem Gewissen.

Wieso du Christ sein solltest?

- Nun wieso du Humanist bist weiß ich nicht, aber ein Teil davon ist schon allein ein Grund Christ zu sein.

- Wieso du Theist sein solltest, hängt mit der persönlichen Erfahrung mit Gott zusammen. Ich halte daran fest, was ich und andere erlebt haben und erleben werden und glaube an das was ich sehe und weitestgehend prüfen kann: An Gott.

Donnerstag, der 21. Februar 2002, 17:05 Uhr
Name: Herbert Ferstl
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@ Vincent:

Nur um noch einmal daran zu erinnern, es sind nur Gedankenspiele.

Sehe ich auch so - auch wenn ich damit erklaertermassen den Inhalt der Religionen meine.

:-))

Der GLAUBE an einen Gott, an eine Mystik und Metaphysik zieht einen ellenlangen Rattenschwanz nach sich, der unuebersehbare Auswirkungen (und nicht nur positive) auf das individuelle Leben vieler Menschen hat:
GoetterGLAUBE impliziert meist eben auch den GLAUBEN an Suende (sowie Erloesung davon), absolute Wahrheit(en), ewiges Leben, Geister, Gespenster, Heilige, Praedestination, goettlich absolute Ethik, und und und.... (von Riten wie Beichte, Taufe oder den anderen Sakramenten spreche ich noch nicht mal).
Somit ist es fuer mich eben nicht egal, ob ich (vielleicht auch nur zur Absicherung - siehe Pascal`sche Wette ganz unten stehend) an einen fiktiven Gott GLAUBE und mein Leben an einem Imitat vergeude oder ob ich bereit bin, auf diese "geistige Kruecke" zu verzichten und das Leben selbstbestimmt, autark und geistig sowie ethisch moeglichst unabhaengig und gerecht gestalte. Ich bin nicht einem erfundenen Gott verantwortlich - nicht jetzt und erst recht nicht nach meinem Tod. Ich transferiere und projiziere nicht "gut" und "schlecht" - von mir weg - auf Maerchengestalten. Wir, nicht Goetter, sind fuer unser "Schicksal" verantwortlich. Dementsprechend muessen wir selber unser ethisches Universum erschaffen.

Die Pascalsche Wette läuft darauf hinaus, den Glauben an Gott als einen Akt der praktischen Vernunft zu empfehlen. Folgt man Pascal, so ist es bereits dann sinnvoll, an die Existenz Gottes zu glauben, wenn die Wahrscheinlichkeit für die Wahrheit dieser Annahme ganz gering ist. Denn dann, wenn Gott wirklich existiert und wir nach dem Tode weiterleben, kommen die Gläubigen möglicherweise in das Paradies und erlangen dadurch unendlich lange Zeit und unendlich wertvolle Belohnungen. Dafür nehmen sie nur endliche Einschränkungen im Diesseits in Kauf. Die werden aber bei einer noch so kleinen Wahrscheinlichkeit für die unendliche Belohnung von den jenseitigen Hoffnungen immer überkompensiert. Wenn die Hypothese falsch sein sollte, hat man sich zwar ohne Ertrag eingeschränkt, aber dieses endliche Opfer wird selbst dann, wenn es nahezu sicher eintritt, immer noch von den jenseitigen Hoffnungen überwogen.

[Quelle: http://www.uni-duisburg.de/FB1/PHILO/Unterricht/kapitel7/7-rel/relphil.htm]

Donnerstag, der 21. Februar 2002, 16:36 Uhr
Name: Heike J.
E-Mail: keine E-Mail
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Christentum und Kirche gehören in einen einzigen
Sack.

Nein verdammt!

Zumindest haben die Kirchen das Christentum stark geprägt. Das ist wohl nicht zu leugnen. Und ob es ohne die Machtgier der Kirchen, ohne die vielen Zwangsmissionierungen, das Christentum als Religion überhaupt noch geben würde, ist auch eine Frage.

Donnerstag, der 21. Februar 2002, 16:34 Uhr
Name: Herbert Ferstl
E-Mail: keine E-Mail
Homepage: keine Homepage

@ Vincent,
@ Frank,

Vincent:
Aber ist die Ideologie, keine Ideologie zu verfolgen wollen, nicht auch eine Ideologie?

Siehst du insofern, legst du dein Geld in eine Ideologie an.

Frank:
Seh nicht nicht so. Atheismus ist m.E. eine Religion, da er die die Existenz eines Gottes konsequent leugnet, was aber nicht bewiesen werden kann.
Ein überzeugter Atheist ist eigentlich wesentlich
religiöser als ein Christ der Sonntags einen Gottesdienst besucht und zu einem Gott betet den er zwar für möglich und wahrscheinlich, seine Existenz aber nicht für erwiesen hält.

Mir scheint, dass hier ueberzeugend davon ausgegangen wird, dass Atheismus so etwas aehnliches wie Religioesitaet sei und dass Atheisten im religioesen Sinne GLAUBEN. Dem ist nicht so. Warum?
Der Einfachheit halber zitiere und verwende ich die Ausfuehrungen von Prof. Dipl.-Ing. Edgar Baeger, die ich leicht veraendert und stark gekuerzt habe:

Was ist eigentlich Atheismus? Allen bis heute erdachten theistischen Religionen, den polytheistischen ebenso wenig wie den monotheistischen, ist es bisher nicht gelungen, auch nur einen einzigen logisch schlüssigen Nachweis für die Notwendigkeit der Begriffe "Götter" oder "Gott" zu erbringen. Alle so genannten "Gottesbeweise" sind kläglich gescheiterte Konstruktionen. Alle auf theistischen Weltanschauungen beruhenden Gedankengebäude zeichnen sich durch Irrationalismen und unauflösliche Widersprüche aus. Ebenso wenig bedarf es zur Begründung humanitären ethisch-sittlichen Handelns theistischer Denksysteme.
Atheismus ist eine weltanschaulich-philosophische Aussage, welche die Möglichkeit einer rationalen Begründung für jede Art von Gottes- oder Götterglaube verneint, und ist keine - wie mancher zu GLAUBEN scheint - politische Ideologie. Der Atheismus ist also ein philosophischer Begriff - ähnlich wie Existenzialismus, Nihilismus, Positivismus - mit einer Aussage zu bestimmten Formen von religiö-ser Weltdeutungen (eben den theistischen Religionen).
Dass eine solche Aussage, die den überwiegend verbreiteten Religionen jede rationale Grundlage abspricht, allen religiösen Organisationen, die von der Verbreitung einer religiösen Ideologie leben, ein Gräuel ist, versteht sich beinahe von selbst. Aus eben diesem Grunde war eine atheistische Einstellung während der längsten Zeit der europäischen Geschichte für jeden so denkenden Menschen existenzgefährdend. Sie ist es in Ländern mit fundamentalistischen theistischen Systemen auch heute noch. Wenn Menschen zu weltanschaulichen Lehren Stellung nehmen, wie es Atheisten tun, führt dieses noch keineswegs zu darauf basierenden Verbrechen. Damit weltanschauliche, religiöse oder politische Ideen zu Erscheinungen wie Krieg, Minderheitenverfolgung oder Völkermord führen, bedarf es einer entscheidenden Entwicklung: aus der Idee muss eine Ideologie werden!

Was kennzeichnet Ideologien? Unter einer Ideologie versteht man eine "weltanschauliche Konzeption, in der Ideen der Erreichung politischer und wirtschaftlicher Ziele dienen" (siehe gängige Enzyklopädien). Erfolgreiche Ideologien führen stets dazu, dass sich ein, an die Anhänger der jeweiligen Ideologie gebundenes, "System von Grundeinstellungen und Wertungen" herausbildet.
Eine Ideologie weist folgende Merkmale auf: Sie wird von einer Organisation getragen, die die Durchsetzung dieser weltanschaulichen Konzeption zum Ziel hat. Diese Organisation sammelt gesellschaftlichen Reichtum und begründet Herrschaftsverhältnisse.
Die weltanschauliche Konzeption ist als geschlossene Lehre festgeschrieben (kanonisiert). Für die Mitglieder dieser Organisation ist die jeweilige Lehre verpflichtend. Daher wird eine solche Lehre immer mehr oder weniger dogmatisiert sein.
Sämtliche Mitglieder dieser Organisation sind zur Weitergabe und Weiterverbreitung der Lehre verpflichtet (Prägung im Kindesalter, Mission, Propaganda). Erst dadurch wird eine Lehre selbsterhaltend, ein entscheidendes Merkmal aller Ideologien.
Die Organisation hat mindestens einen Führer, bei geschichtlich relevanten Systemen immer eine Führungskaste, deren Macht, Einfluss und berufliche Existenz von dem Erhalt, besser noch von der Ausbreitung, dieser Lehre abhängen.

In der Retrospektive wird evident, dass durch die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch die Völker mit Hilfe religiöser und politischer Ideologien beherrscht wurden. Die religiösen Ideologien (die Religionen) knüpfen an Urängste der Menschen an: Angst vor Leid, Krankheit und Tod. Sie bieten Hoffnung auf ein endgültiges Ende allen Leides (beispielsweise im Buddhismus durch das "endgültige Verlöschen", das "Nirwana") oder auf ein Leben nach dem Tode (etwa durch ein "ewiges Leben im Paradies"). Bei sehr vielen Religionen wird jedoch, parallel zu den erzeugten Hoffnungen, zusätzlich gedroht, welch fürchterliches Schicksal denjenigen beschieden sein wird, die den Lehren der betreffenden Religionsgesellschaft nicht folgen.
Konsequenterweise bieten die Religionsführer denn auch in aller Regel Heilsmittel an, mit deren Hilfe die Gläubigen ihr Schicksal angeblich günstig beeinflussen können (Gebete, Wallfahrten, Amulette, Opfer, Gottesdienste u. dergl.). Zynisch könnte man die Führungseliten der Religionen als "Angst- und Hoffnungsmacher" bezeichnen.

Verglichen mit den religiösen Ideologien, sind die politischen Ideologien meistens sehr viel schlichter. Die weltlichen Führer stützen ihre Macht beispielsweise auf Nationalismen, auf politische Utopien oder auf eine angebliche Überlegenheit der eigenen Rasse oder Kultur.
Entscheidend ist jedoch, dass die politische Führungsschicht über Machtmittel verfügt, mit denen sie ihre Ziele gewaltsam durchsetzen kann, wie etwa Polizei, Geheimdienste, Militär, paramilitärische Kampfgruppen. Im Grenzfall stützt sich die weltliche Herrschaft auf die Durchsetzung ihrer Interessen mit reiner Gewalt und verzichtet notfalls sogar auf einen ideologischen Überbau.
Das Verhältnis zwischen religiösen Führern und weltlichen Herrschern ist vom Prinzip her ein gespanntes Verhältnis. Beide Führungsschichten wollen Macht, Einfluss, Reichtum und sind potentiell Konkurrenten. Wie die Geschichte lehrt, arrangieren sich geistliche und weltliche Herrscher in den meisten Fällen jedoch im Sinne einer Symbiose, bei der jede Gruppe die Herrschaft der anderen Gruppe stützt. Zwei Beispiele: 1. Der Pakt des Vatikans mit den Faschisten im Dritten Reich mit dem Reichskonkordat. 2. Die so genannten Kirchenbücher waren seit Beginn der NS-Rassenpolitik sehr bedeutungsvoll. Ohne Auswertung dieser Register - in Zusammenarbeit der Kirchen mit den Faschisten - ließ sich der seit April 1933 geforderte, unheilvolle "Ariernachweis" nicht erbringen.
In selteneren Fällen erringt eine der beiden Gruppen die alleinige Herrschaft über ein Volk oder ein Land. Beispiele für die Dominanz geistlicher Herrscher ist heute der Iran und war früher Tibet. Zu den Fällen, in denen ein weltlicher Diktator die geistliche Konkurrenz nahezu vollständig ausschaltete, gehörten eben die diktatorischen Systeme und deren Vertreter: z.B. Lenin, Stalin, Mao, Pol-Pot. Die zugehörige Ideologie war jedoch in allen diesen Fällen die Lehre einer allein herrschenden Partei! Es mögen sich die Spezialisten darüber den Kopf zerbrechen, wie man diesen Verschnitt aus Sozialismus, dialektischem Materialismus, Marxismus, Leninismus, Kommunismus und verschiedenen ostasiatischen Mutationen der Originalideen im Einzelfall bezeichnet. Die mit den religiösen Systemen konkurrierende Ideologie jedenfalls war die Lehre einer totalitären Partei, nicht jedoch "der Atheismus".

Ist der Atheismus nun eine weltanschauliche Ideologie? Man könnte jetzt die Probe aufs Exempel machen. Wenn der Atheismus eine Ideologie wäre, geeignet zur Begründung politischer Verbrechen, dann müssten folgende Kriterien erfüllt sein:
Es müsste eine organisierte atheistische Weltanschauungsgemeinschaft bestehen, mit einer Führungskaste die von dieser und für diese Ideologie lebt.
Es müsste eine kanonisierte Fassung einer atheistischen Lehre geben, deren Inhalte für die Mitglieder der Organisation verpflichtender Glaube wäre.
Die Mitglieder der Organisation müssten zur Weitergabe und zur Ausbreitung des Atheismus verpflichtet sein.

Keines dieser Merkmale war je gegeben. Mit der Kritik theistischer Lehren und den gesellschaftlichen Auswirkungen theistischer Religionen im Laufe der Geschichte haben sich stets nur einzelne Individu-en beschäftigt: Schriftsteller, Dichter, Philosophen, Historiker, Naturwissenschaftler. Mit anderen Worten, Atheismus hat gerade nicht zu Weltanschauungsorganisationen mit politischer Macht geführt, sondern kennzeichnet eine Stellungnahme unabhängig denkender Menschen zum Phänomen der theistischen Religionen. Aus eben diesem Grund haben es die Verbände, die sich für eine Interessenvertretung nichtreligiöser Menschen (d.h. immer für einen weltanschaulich neutralen, niemals für einen atheistischen, Staat!) einsetzen, so ungeheuer schwer, auch nur einen bescheidenen Organisationsgrad zu erreichen.

Der Umstand, dass politische Schwerverbrecher, die durch Verfolgung und Vernichtung der religiösen Konkurrenz die Alleinherrschaft ihrer totalitären Partei und deren Ideologie zu sichern suchten, sich als Atheisten bezeichneten, diskreditiert den Atheismus ebenso wenig wie der katholische Glaube eines Mafiabosses den Katholizismus diskreditiert. Erst wenn das organisierte Christentum (die Kirchen) mit ihren religiösen Führern Verbrechen gegen die Menschlichkeit als handelnde Organisation zu verantworten haben, kann eine "Kriminalgeschichte des Christentums" (siehe Historiker Dr. Karl-Heinz Deschner) geschrieben werden.

Als Fazit lässt sich deshalb ziehen, dass es für den "Atheismus" keine Art von (theistischer) Heilsgeschichte gibt, da der Atheismus weder institutionalisiert ist noch religiös definiert worden ist und nie werden kann. Während sich die christlichen Kirchen in den letzten zweitausend Jahren ihrer (Un-)Heilsgeschichte widmen konnten und durch die Institutionalisierung geprägt worden sind, tragen die atheistischen und konfessionslosen Gruppen ihre (verdorbenen?) Früchte bereits seit der Französischen Revolution mit sich herum. Nicht zuletzt konstatierte Marx, als er sich mit der Hegelschen Rechtsphilosophie auseinander setzte: "[...] die Kritik der Religi-on ist die Voraussetzung aller Kritik."

Gruesse
Herbert

Donnerstag, der 21. Februar 2002, 16:32 Uhr
Name: Freund
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